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International
Iran

Iran: 20 Journalisten festgenommen

Iran will Berichte über Proteste unterdrücken – mindestens 20 Journalisten festgenommen

Die Unruhen in Iran gehen weiter. Die Regierung beschuldigt die USA und Europa, die Proteste anzuheizen – während sie gleichzeitig iranische Journalisten festsetzt.
27.09.2022, 11:0627.09.2022, 13:45

Am heutigen Dienstag protestieren die Iranerinnen und Iraner bereits seit 11 Tagen. Sie lehnen sich auf gegen das Regime und die systematische Unterdrückung von Frauen, die der politische Islam diktiert – und skandieren Parolen wie «Tod dem Diktator» oder «Frau! Leben! Freiheit!».

Mindestens 20 Journalisten festgenommen

Informationen zu den Protesten in Iran tröpfeln nur zäh aus dem Land. Denn das Regime versucht mit allen Kräften, die Proteste zu unterdrücken und den Informationsfluss einzuschränken.

Doch obwohl das Internet und sogar die Telefonleitungen stark eingeschränkt bis vollständig abgeschaltet wurden, gelingt es den Mullahs nicht, die Informationen zu den Protesten vollständig zu blockieren. Und so veröffentlichte das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) am Dienstagmorgen, dass eine Auswertung von zuverlässigen Quellen ergeben habe, dass während der Proteste mindestens 20 Journalistinnen und Journalisten festgenommen worden seien. Einzelheiten seien aber nur spärlich in Erfahrung zu bringen.

Demonstrators hold placards outside the Iranian Embassy in London, Sunday, Sept. 25, 2022. They were protesting against the death of Iranian Mahsa Amini, a 22-year-old woman who died in Iran while in  ...
Eine Demonstrantin hält ein Bild von der getöteten Mahsa Amini, vor der iranischen Botschaft in London, 25. September 2022.Bild: keystone

Unter den Verhafteten befänden sich jedoch auch Koryphäen wie die Fotojournalistin Yalda Moaiery, die für bekannte internationale Titel wie «The Times», «Bloomberg» oder«Le Figaro» im Einsatz ist.

Sherif Mansour, Koordinator des CPJ-Programms für den Nahen Osten und Nordafrika, schreibt:

«Die iranischen Behörden sollten sich dafür schämen, dass sie diese brutale Razzia inszeniert haben. Sie haben bewiesen, dass sie nicht begreifen, dass die Unterdrückung abweichender Meinungen nur zu noch mehr Dissens führt.»

«Amerika und Europa haben den Tod einer jungen Frau ausgenützt»

Während iranische Journalistinnen und Journalisten verschwinden, schaffte es ein Post des Sprechers des Aussenministeriums, Nasser Kanaani, auf Instagram.

Darin wirft der erzkonservative Politiker den amerikanischen und den europäischen Medien vor, «den tragischen Vorfall des Todes einer jungen Frau» ausgenutzt zu haben, um Randalierer in Iran anzuheizen. Nach einer Hasstirade gegen Amerika und Europa fordert er in seinem Post den Westen auf, die «grausamen und unmenschlichen Sanktionen» gegen Iran aufzuheben.

Iranian pro-government demonstrators hold posters of the Supreme Leader Ayatollah Ali Khamenei during their rally condemning recent anti-government protests over the death of Mahsa Amini, a 22-year-ol ...
Sie sind derselben Meinung wie Nasser Kanaani: Iraner und Iranerinnen, die für die Regierung sind, halten Plakate des Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei, Teheran, 25. September 2022.Bild: keystone

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und die Menschen in Iran auf die Strassen trieb, war der Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini, die von der iranischen Sittenpolizei verhaftet wurde, weil sie gegen die strengen Kleidervorschriften verstossen hatte, die Frauen in Iran befolgen müssen. Sie wurde mutmasslich von der Sittenpolizei misshandelt und zog sich dabei einen Schädelbruch zu. Sie verstarb nach drei Tagen Koma im Spital.

Die iranische Regierung bestritt im Fernsehen erneut, dass Amini ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten habe, wie die «Teheran Times» schreibt.

(yam)

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26 Gründe, auf keinen Fall in den Iran zu reisen

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quelle: mohammad reza domiri ganji (http://gravity.ir)
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