System-Wechsel im Iran: Aussagen von Trump-Republikanern machen wenig Hoffnung
Während Donald Trump innerhalb weniger Stunden in verschiedenen Interviews und Stellungnahmen widersprüchliche Aussagen zum weiteren Vorgehen im Iran-Krieg gemacht hat, ist in den USA ist eine Debatte über die Strategie der US-Regierung für die Zeit nach den Angriffen entbrannt. «Es gibt keine einfache Antwort darauf, was als Nächstes kommen wird», sagte etwa der republikanische Senator Tom Cotton am Sonntag in der CBS-Sendung «Face the Nation».
Der Republikaner Lindsey Graham schloss sich der Forderung von US-Präsident Trump an, das iranische Volk solle selbst entscheiden, wer die Regierung künftig führe. Graham betonte zudem, er halte nichts davon, dass man Verantwortung dafür übernehmen müsse, was man zerstört habe, sagte Graham dem Sender NBC. «Das hier ist nicht der Irak. Das hier ist nicht Deutschland. Das hier ist nicht Japan. Wir werden das Volk von einem terroristischen Regime befreien», so der Republikaner weiter.
Auch Trumps Parteigänger Tom Cotton überraschte, als er nach der langfristigen Strategie der US-Administration in dem Konflikt gefragt wurde. Auf die Frage, ob die USA einen Anführer der iranischen Opposition identifiziert hätten, hinter dem sich das Volk versammeln könnte, sagte Cotton:
Trump scheint nicht zu wissen, was er für ein Ziel hat
Unterdessen gingen die von einer Koalition aus Israel und den USA geführten Attacken auf Stellungen und Einrichtungen des iranischen Regimes unvermindert weiter. Trump hatte am Sonntag in einem Interview mit «The Atlantic» zunächst gesagt, er wisse von der Gesprächsbereitschaft der Mullahs in Teheran und stehe Verhandlungen im Prinzip aufgeschlossen gegenüber.
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Wenig später schwor er dann vor Reportern im Weissen Haus «Rache» für drei getötete US-Militärangehörige, die bei Vergeltungsschlägen des Iran bislang ums Leben gekommen waren. Auch kündigte Trump an, dass man den Iran noch bis zu vier Wochen lang bombardieren und das Mullah-Regime auslöschen werde. «Es wird nicht schön», so Trump. Was danach kommen könne, dazu machte der US-Präsident zunächst keine Angaben.
Später sprach er gegenüber der «New York Times» von einem «Venezuela-Szenario», das «perfekt» für den Iran wäre. Also mutmasslich die Liquidierung und Absetzung der führenden Köpfe des Regimes und einer anschliessenden Kooperation mit US-hörigen Kräften aus denselben Reihen.
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Wie schon bei früheren militärischen Interventionen westlicher Allianzen, etwa in Afghanistan, im Irak oder auch Libyen, scheint es aber keinen wirklich konkreten Plan für die Zeit nach dem Krieg zu geben. Die US-Regierung scheint eher abzuwarten, was durch die Internvention passiert, und in Szenarien zu denken.
Experte: Mullahs werden ums Überleben kämpfen
Der demokratische Senator Chris Murphy zeigte sich angesichts der Aussagen Trumps und der US-Regierung jedenfalls skeptisch. «Es ist kein Geheimnis, dass diese US-Regierung keinen Plan für das Chaos hat, das sich derzeit im Nahen Osten abspielt», sagte er dem Sender CBS.
Chris Coons, ebenfalls Demokrat, sagte dem Sender CNN, er könne sich nicht vorstellen, dass es einen Wechsel im Iran durch die aktuelle Offensive gebe. «Ich kenne kein Beispiel in der modernen Geschichte, bei dem ein Regimewechsel allein durch Luftangriffe zustande gekommen ist.»
Ähnlich äusserten sich auch zahlreiche Sicherheits- und Militärexperten. Auch nach dem Tod des politischen und geistlichen Führers, Ajatollah Ali Chamenei, werde das Mullah-Regime alles tun, um sein Überleben zu sichern. «Es gibt viele Erfüllungsgehilfen und Verteidiger des Regimes, angeführt von der islamischen Revolutionsgarde (IRGC) und ihrer untergeordneten paramilitärischen Basij-Gruppe, die im ganzen Land dafür sorgen, dass jegliche innerstaatlichen Aufstände unterdrückt werden und für den Fortbestand des Regimes gekämpft wird», sagt etwa der Nahostexperte Amin Saikal von der Universität Victoria im australischen Melbourne.
«Wird der Iran im Bürgerkrieg versinken?»
Mehrere Demokraten sagten darüber hinaus, der Angriff auf den Iran sei illegal, da laut Verfassung nur der Kongress das Recht habe, Krieg zu erklären. Mark Warner, Vize-Chef des Geheimdienstausschusses des Senats aus Virginia, sagte, die Regierung unter dem Republikaner Trump habe keine Beweise für eine unmittelbare Bedrohung durch den Iran vorgelegt. «Ich habe keine Informationen gesehen, dass der Iran kurz davor stand, einen Präventivschlag gegen die Vereinigten Staaten zu starten», sagte Warner CNN.
Warner ist einer der Abgeordneten, die vor den Angriffen informiert worden waren. Trump hatte den Angriff unter anderem mit einer Gefahr durch das iranische Atomprogramm begründet. Vor kurzem hatte er noch behauptet, das Programm sei durch US-Luftangriffe im Juni 2025 «ausgelöscht» worden.
Warner und der Demokrat Ro Khanna äusserten sich zudem besorgt, dass die Angriffe die USA in einen weiteren langen und chaotischen Konflikt im Nahen Osten hineinziehen könnten. «Chamenei war ein brutaler Diktator, aber die Amerikaner sind heute nicht sicherer», sagte Khanna.
Der Sicherheits- und Terrorismusexperte Peter Neumann hält die Gefahr für amerikanische Militärangehörige jedenfalls für relativ hoch. «Wenn dieser Konflikt doch länger dauert, dann könnte es auch für die Luftverteidigung an US-Militärbasen eng werden», sagte er der Nachrichtenseite «n-tv». Die Amerikaner stünden im Wettlauf mit der Zeit. Sie müssten es nach übereinstimmender Expertenmeinung innerhalb von zwei Wochen schaffen, die iranischen Raketenstützpunkte und -vorräte so weit auszudämmen, dass das Mullah-Regime nicht mehr in der Lage sei, zurückzuschlagen. Andernfalls drohten zahlreiche tote US-Soldaten auf den Stützpunkten in der Golfregion.
Diplomat: EU hat sich mit Zuschauerrolle abgefunden
Dies werde unter Umständen zu einem Problem für den US-Präsidenten. «Donald Trump hat seiner MAGA-Basis stets versprochen: Wenn ich im Ausland interveniere, gibt es keine amerikanischen Toten. Schon heute wurde klar: Dieses Versprechen kann er nicht halten», so der Experte Neumann, der am King’s College in London forscht.
Der US-Republikaner Tim Scott sagte dem Sender Fox, er hoffe, dass der Einsatz im Iran binnen eines Monats beendet werden könne. Es hänge alles davon ab, wer der neue Führer im Iran sein werde.
Unterdessen scheint sich die EU mit der Zuschauerrolle abgefunden zu haben. Ein EU-Diplomat sagte laut der Nachrichtenagentur dpa, Europa habe wenig Einfluss auf den sich entwickelnden Iran-Konflikt, auch wenn dieser erhebliche Auswirkungen auf Europa haben könnte. «Niemand hat Einfluss auf Trump», sagte der Diplomat im Zuge einer Dringlichkeitssitzung der Aussenminister der EU-Länder in Brüssel. (t-online/con)
Verwendete Quellen:
- Vorabmeldung des Magazin "stern"
- Vorabmeldung von RTL/ntv.de
- theconversation.com: Trump and Netanyahu want regime change, but Iran’s regime was built for survival. A long war is now likely
- Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und Reuters

