Die Verhandlungen mit dem Iran sind gescheitert – so könnte es jetzt weitergehen
21 Stunden lang verhandelte JD Vance mit der iranischen Delegation – genützt hat dieser Marathon freilich wenig. Der Vizepräsident musste das Vermittlerland Pakistan am Samstag ohne Ergebnisse wieder verlassen. Die Iraner hätten Vance' «take it or leave it»-Angebot ausgeschlagen, schreibt die New York Times. Dessen Inhalt: Der Iran soll sein Atomprogramm für alle Zeit beenden.
Nun stünden der Regierung Trump zwei Wege offen, heisst es im NYT-Bericht weiter. Entweder können die USA erneut lange Verhandlungen aufnehmen, oder sie können den Krieg, der die globale Energieversorgung schwerst beeinträchtigt, fortführen. Beide Optionen seien unbekömmlich.
Option 1: Weiter verhandeln
«Wir haben ihnen klar gezeigt, wo unsere rote Linie ist, und wo wir ihnen entgegenkommen», sagte JD Vance am Samstag gegenüber Reportern. Doch: «Sie haben sich entschieden, nicht auf unsere Bedingungen einzugehen.» Damit unterscheidet sich diese Verhandlungsrunde nicht von derjenigen im Februar.
Damals hatten die Iraner angeboten, ihr Atomprogramm für einige Jahre auf Eis zu legen, sie weigerten sich aber, ihr Arsenal an angereichertem Uran und die Fähigkeit, dieses im eigenen Land herzustellen, aufzugeben. Diese gescheiterte Verhandlungsrunde, die im Übrigen von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner geleitet wurde, löste Trumps Entscheidung zum Krieg aus.
Das letzte Abkommen, welches die USA mit dem Iran erzielt hatten, kam unter Präsident Obama nach zwei Jahren harter Verhandlungen zustande und war voller Kompromisse. So wurde dem Iran gewährt, stets einen Teil seines nuklearen Arsenals zu behalten.
Nach nun 38 Tagen amerikanischer Bombardierung dürften die Iraner ihre Meinung zu ihrem Atomprogramm wohl kaum geändert haben, schreibt die NYT weiter. Das Gegenteil sei wohl eher der Fall.
Option 2: Weiter kriegen
Trumps grösstes Druckmittel sei seine Möglichkeit, die Kämpfe wieder aufflammen zu lassen – schliesslich läuft der ausgehandelte Waffenstillstand am 21. April aus. Doch die Iraner wüssten, dass eine Drohung diesbezüglich politisch ungeschickt für den US-Präsidenten sei.
Trump habe mit dem Waffenstillstand primär dafür sorgen wollen, dass die durch die Schliessung der Strasse von Hormus entstandenen Engpässe etwas gelindert werden. Die Börsen reagierten positiv auf die Waffenruhe – weil sie die Hoffnung auf ein Abkommen wachsen liess.
Sollte der Krieg nun fortgeführt werden, würden einerseits die entstandenen Engpässe (Benzin, Düngemittel, Helium für Halbleiter etc.) weiter wachsen, während andererseits die Börsenmärkte weiter nach unten stürzen und die US-Inflation, die seit Beginn des Krieges merklich zugenommen hat, weiter anwachsen würden.
Schliesslich habe Vance' Reise nach Pakistan eines gezeigt: Beide Seiten sähen sich als Sieger der ersten Runde. Die USA, weil sie eine unglaubliche Zahl an Raketen und Bomben auf den Iran niederliessen; die Iraner, weil sie überlebt haben. Und keine der beiden scheint zu Kompromissen bereit.
(cpf)
