Röntgenaufnahmen von Protestierenden im Iran zeigen gezielte Verletzungen
Kleine weisse Punkte leuchten auf. Teils nur einzelne, teils einige nebeneinander. Sie befinden sich in der Hüfte, den Beinen, im Gesicht, gar im Auge und im Gehirn. Es handelt sich um Röntgenbilder.
Jeder der kleinen weissen Punkte steht für eine zwei bis fünf Millimeter grosse Metallkugel. Gefeuert wurden sie aus Schrotflinten. Die Kugeln verlieren, wenn sie aus der Ferne abgefeuert werden, einen Teil des Metalls, bekannt als «Vogelschrot». Dieser bohrt sich in den Körper.
Die Röntgenbilder, die «The Guardian» vorliegen, stammen von einer jungen Iranerin. Die Frau ist Anfang 20 und hat im Januar an den Protesten in einer iranischen Grossstadt teilgenommen. Die Scans ihres Körpers sind ein Beweis für die Gewalt, die die Protestierenden erfahren haben. Sie zeigen die Gewalt, die die islamischen Revolutionsgarden gegen die Demonstrierenden einsetzten.
Im Januar haben Protestierende in Städten im ganzen Iran gegen das Regime demonstriert. Die Proteste wurden im Auftrag der Regierung brutal niedergeschlagen.
Wie «The Guardian» schildert, zeigen die Scans, wie gezielt die Revolutionsgarde vorgegangen sei. Sie zeigen Muster von Schussverletzungen im Intimbereich, im Gesicht.
Weitere Scans, die aus Spitälern in iranischen Grossstädten stammen, zeigen Verletzungen, die meist tödlich enden. Ein Scan zeigt eine Kugel, die in den Hals eines jungen Mannes eingedrungen ist. Die Luftröhre wurde dadurch verschoben und es sammelte sich Blut daneben an.
Auf Anfrage von Guardian haben Traumaexperten und ehemalige Ärzte die Scans angeschaut. Wie diese schreiben, erinnern diese Bilder an die eines Massenunfalls. Die meisten Betroffenen solcher Unfälle und Verletzungen dieser Art würden es nicht einmal bis in ein Röntgenbild schaffen. Somit grenze es an ein Wunder, dass diese Patienten noch leben. Viel beunruhigender sei jedoch, dass dies wohl die weniger schlimmen Verletzungen seien.
Der Iran ist eines der wenigen Länder, deren Streitkräfte Metallschrot verwenden.
Wenn aus einer kurzen Distanz auf einen geschossen wird, verhalten sich die einzelnen Kugeln wie Hunderte kleine und verteilen sich in Gewebe und Körper.
Die Scans zeigen Protestierende, die teils schwer verletzt wurden. Ob sie an den Folgen ihrer Verletzungen gestorben sind, ist nicht bekannt. Doch die Scans zeigen klar die Brutalität, mit der das iranische Regime gegen die Protestierenden vorgegangen ist. (nib)
