USA schiessen erstmals auf Frachter in Hormus-Strasse – der Ölpreis reagiert sofort
Das ist passiert
Die USA haben ihre Drohung wahrgemacht und nun ebenfalls auf ein Schiff geschossen, das die Strasse von Hormus passieren wollte. Der iranische Frachter sei mehrfach zum Stopp aufgefordert worden, ehe ein US-Zerstörer auf den Maschinenraum feuerte, so die Angaben der US-Armee. Der Vorfall schürt neue Ängste an den Märkten, der Ölpreis stieg wieder sprunghaft an.
Die aktuellen Entwicklungen im Ticker:
Was über den Vorfall bekannt ist
Laut dem US-Regionalkommando Centcom war das Schiff auf dem Weg in die iranische Küstenstadt Bandar Abbas in der Strasse von Hormus. Der Frachter namens «Touska» war aus Malaysia Richtung Iran unterwegs.
Nach stundenlangen vergeblichen Warnungen habe das Kriegsschiff «USS Spruance» die Besatzung des iranischen Frachters aufgefordert, den Maschinenraum zu verlassen, teilte Centcom mit. Daraufhin sei der Antrieb ausser Gefecht gesetzt worden. Auf einem Video, das auf Social Media veröffentlicht wurde, ist zu sehen, wie das US-Kriegsschiff mehrfach in Richtung des Frachters feuert.
Das Schiff stehe nach den Angriffen nun unter US-Kontrolle, erklärte Centcom.
Die USA hatten zuvor bereits 25 Schiffe angewiesen, umzudrehen oder in ihre iranischen Häfen zurückzukehren. Dies ist nun der erste bekannte Vorfall, bei dem Gewalt angewendet wurde. Wegen der neuen Eskalation zogen die Ölpreise sofort wieder an. Die Kosten für die Referenzsorten Brent und WTI stiegen zwischen fünf und sechs Prozent und pendeln aktuell (Montagmorgen Schweizer Zeit) um die 95 US-Dollar (Brent) respektive 89 Dollar (WTI).
Das sagt Trump
Trump rechtfertigte den Angriff auf seiner Plattform Truth Social. Das Schiff habe versucht, die US-Seeblockade zu durchbrechen, so der US-Präsident. Die iranische Besatzung habe US-Anweisungen zum Stopp der Durchfahrt mehrfach ignoriert. Deshalb habe das US-Schiff USS Spruance auf den Maschinenraum gefeuert. Laut Trump stand der iranische Frachter «wegen früherer illegaler Aktivitäten» bereits unter US-Sanktionen. Die US-Armee werde die Ladung des Schiffes nun untersuchen.
So reagiert der Iran
Der Iran verurteilte den Angriff scharf. Irans Militär sprach von «bewaffneter Seepiraterie» und kündigte an, man werde «bald reagieren», wie der regierungstreue Sender Press TV meldete. Der iranische Präsident Massud Peseschkian warf Washington zudem Vertragsbruch vor. Laut dem iranischen Militär haben die US-Truppen den iranischen Frachter geentert und dessen Navigationsausrüstung ab Bord zerstört.
Bereits am Sonntag war es wieder zu Schüssen auf Schiffe in der Hormus-Strasse gekommen. Zwei unter indischer Flagge fahrende Tanker wurden von iranischen Schüssen getroffen. Laut der indischen Regierung obwohl der Iran Schiffen aus dem Land sichere Durchfahrt zugesichert habe.
Was bedeutet der Angriff für neue Verhandlungen?
Der US-Angriff dürfte einer neuen, von Trump gewünschten Verhandlungsrunde wenig zuträglich sein. Der US-Präsident hatte am Sonntag neue Gespräche angekündigt. Eine US-Delegation unter der Leitung von Vizepräsident JD Vance reise dafür in die pakistanische Hauptstadt Islamabad. Trump behauptete, die USA böten der Führung in Teheran einen «sehr fairen und vernünftigen Deal» an. Dort scheint man dies jedoch anders zu sehen: Die iranischen Staatsagenturen Irna und Tasnim berichteten, dass die iranische Führung ein neuerliches Treffen mit US-Vertretern ablehne.
Das Vertrauen in US-Präsident Trump scheint auf dem Nullpunkt. Wie das US-Nachrichtenportal «Axios» unter Berufung auf iranische Beamte berichtete, befürchtet das Regime in Teheran hinter Trumps erneutem Verhandlungsangebot ein Täuschungsmanöver. Die Iraner halten es demzufolge für möglich, dass die US-Regierung den Gegner in Sicherheit wiegen und dann einen grossangelegten Überraschungsangriff starten könnte. Tatsächlich hatte Trump in der vergangenen Tagen weitere Truppen in die Region verlagert.
Seitens der pakistanischen Regierung wurde derweil offiziell noch nichts zu neuen Verhandlungen in Islamabad mitgeteilt. Kurz nach Trumps Ankündigung neuer Gespräche hatte das Aussenministerium aber mitgeteilt, Ressortchef Ishaq Dar habe in einem Telefonat mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi betont, ein kontinuierlicher Dialog sei entscheidend, um die Spannungen rasch zu entschärfen und Frieden in der Region zu fördern.
Fraglich ist derzeit aber, wie sehr die neuen Aushängeschilder des iranischen Regimes, wie Aussenminister Araghtschi, tatsächlich handlungsfähig sind. Aus dem Iran kommen widersprüchliche Stellungnahmen aus Regierungskreisen und dem Umfeld der Revolutionsgarden. Vieles deutet daraufhin, dass im Land selbst ein Machtkampf tobt.
Mehr dazu gibt es hier:
Mit Material der Nachrichtenagenturen sda und dpa.
