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epa07677813 Sea-Watch 3 captain Carola Rackete on board the vessel at sea in the Mediterranean, 27 June 2019. Sea-Watch 3 captain Carola Rackete told journalists on 27 June that she had been promised 'a rapid solution' for the 42 desperate migrants on board the Dutch-flagged German NGO run rescue ship standing one mile off Lampedusa.  EPA/MATTEO GUIDELLI

Die italienische Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen Kapitänin Rackete eingeleitet. Bild: EPA

«Sea-Watch 3» bringt 40 Flüchtlinge sicher an Land – und die Kapitänin wird verhaftet



Die 40 Flüchtlinge, die 16 Tage lang an Bord des Rettungsschiffes «Sea-Watch 3» verbracht haben, sind auf Lampedusa gelandet. Sie wurden registriert und in ein Flüchtlingslager der süditalienischen Insel untergebracht.

Dies berichtete die öffentlich-rechtliche TV-Anstalt RAI am Samstag. Die Flüchtlinge stiegen in Fahrzeuge ein, die sie zum Flüchtlingslager brachten. Vor der Landung umarmten sie die Crewmitglieder des Rettungsschiffes der deutschen NGO Sea-Watch, mit denen sie 16 Tage lang an Bord verbrachten. An Bord des Schiffes ging die Polizei, die die «Sea-Watch 3» beschlagnahmte.

Aktivisten von Menschenrechtsorganisationen feierten im Hafen von Lampedusa die Landung der Migranten. Eine Gruppe von Anrainern beschimpften die Crewmitglieder der «Sea-Watch 3». Parlamentarier der oppositionellen Demokratischen Partei (PD) attackierten die italienische Regierung, die dem Rettungsschiff mehr als zwei Wochen verweigert hatten, in einen Hafen einzulaufen.

Noch unklar ist, was im Weiteren mit den Migranten geschieht. Fünf Länder – Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Finnland und Portugal – haben sich laut Angaben des italienischen Aussenministeriums bereit erklärt, jeweils ein paar der Migranten aufzunehmen.

31-jährige Kapitänin verhaftet

Die Kapitänin der «Sea Watch 3», Carola Rackete, wurde nach dem Anlegen von der italienischen Polizei festgenommen. Die 31-Jährige hatte am Mittwoch trotz eines Verbots Italiens Kurs auf die italienischen Hoheitsgewässer genommen und Lampedusa angesteuert. Auf Anweisung der Polizei musste das Schiff aber rund eine Seemeile vor dem Hafen stoppen. Rackete gab an, sie wisse, was sie riskiere, und sei bereit, für ihre Entscheidungen ins Gefängnis zu gehen.

Hier wird die «Sea-Watch-3»-Kapitänin verhaftet:

Video: kaltura.com

Der Streit über die Aufnahme der aus Seenot geretteten Flüchtlinge der «Sea-Watch 3» entwickelt sich immer mehr zu einer direkten Auseinandersetzung zwischen Rackete und dem rechtspopulistischen Innenminister Matteo Salvini. «Die Gesetzlose verhaftet. Piratenschiff beschlagnahmt. Grosse Strafe für ausländische Nicht-Regierungsorganisation. Flüchtlinge alle auf andere europäische Länder verteilt. Mission erfüllt», twitterte Salvini am Samstag.

Salvini warf Rackete «kriminelles Verhalten» vor. Sie habe unter anderem das Leben von Zollpolizisten aufs Spiel gesetzt. Das italienische Zollboot habe versucht, das Rettungsschiff vom Anlegen abzuhalten, es hatte dann aber ausweichen müssen. Dabei sei knapp ein Zusammenstoss mit der «Sea-Watch 3» abgewendet worden, das Motorboot wurde leicht beschädigt, berichteten italienische Medien.

epa07676747 A handout photo made available by Sea-Watch on 27 June 2019 shows Sea-Watch 3 captain Carola Rackete on board the vessel at sea in the Mediterranean, 20 June 2019. Migrant rescue ship Sea-Watch 3, despite the threat of a fine by the Italian government, decided on 26 June 2019 to enter Italian territorial waters near the island of Lampedusa with dozens of migrants on board waiting to disembark.  EPA/TILL M. EGEN/SEA-WATCH HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Rackete gab an, sie sei bereit, für ihre Entscheidungen ins Gefängnis zu gehen. Bild: EPA

«Rackete hat dies alles getan, während Parlamentarier der Opposition, darunter Ex-Verkehrsminister Graziano Delrio, an Bord des Schiffes waren. Unglaublich», kommentierte der rechte Politiker Salvini laut Medienangaben.

Salvini äusserte sich in einem Telefoninterview mit dem Radio Rai 1 zu der Situation auf Lampedusa.

Sea-Watch-Geschäftsführer Johannes Bayer erklärte im Kurzmitteilungsdienst Twitter, die Kapitänin habe «genau das Richtige getan». Rackete habe das Seerecht eingehalten und die Flüchtlinge in Sicherheit gebracht.

Am Freitag hatte die italienische Staatsanwaltschaft gegen Rackete Ermittlungen eingeleitet. Vorgeworfen werden ihr unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Verletzung des Seerechts. Ihr drohen bis zu 15 Jahre Haft. Die Deutsche soll jetzt nach Sizilien gebracht werden. Sie soll in der Stadt Agrigent inhaftiert werden. Laut italienischen Medien könnte es zu einem Schnellverfahren kommen.

Das Schiff hatte am 12. Juni insgesamt 53 Menschen vor der Küste Libyens von einem Schlauchboot gerettet. 13 von ihnen, darunter Frauen, Kranke und Kinder, waren in den vergangenen Tagen an Land gebracht worden. (viw/sda/afp/dpa/reu)

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Lampedusa Flüchtlinge

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