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«Ruf meinen Papa an» – so dreist setzen sich Mexikos Rich Kids über das Gesetz hinweg 



Bild

«Ruf meinen Papa an» – «Lord Audi» im Gespräch mit einem Polizisten.     bild: screenshot/facebook

Hautenges T-Shirt, dunkle Sonnenbrille, verwaschene Blue-Jeans: «Lord Audi» hat die Aura eines Mannes, dem alles egal ist – vor allem so profane Dinge wie Verkehrsregeln. Den abschätzigen Spitznamen hat der junge Mann erhalten, nachdem er in Mexiko City dabei gefilmt worden war, wie er mit seinem Audi einen Fahrradfahrer rücksichtslos aus dem Weg geräumt hatte – auf einer für Autos gesperrten Spur Nota bene.

Die Szene spielt sich ab wie folgt: Ein genervter Fahrradfahrer filmt einen Autofahrer, der hinter ihm auf der Velospur unterwegs ist. Als der Fahrradfahrer trotz Hupen keine Anstalten macht, die Spur freizugeben, reisst dem Audi-Halter der Geduldsfaden. Er rammt den Veloführer, steigt aus und wirft das Velo ins nahegelegene Gebüsch. 

Ein zufällig anwesender Polizist, der die Szene mitbekommen hat, stellt den Mann zur Rede. Schnoddrig antwortet der junge Mann auf die Fragen des Polizisten. 

«Es Mexico, wey capta»

«Das ist Mexiko. Akzeptier es.»

und:

«Llamale à mi papa»

«Ruf meinen Vater an, Mann,»

Doch der Polizist lässt sich von den Ausflüchten des Audi-Fahrers nicht beeindrucken. Aus dem verbalen Streit wird eine Handgreiflichkeit, als der Fahrer versucht, in sein Auto zu steigen und davon zu fahren. Trotz Gegenwehr des Polizisten und herbeigeeilter Passanten gelingt es dem Audi-Fahrer, sich aus dem Staub zu machen. Inklusive Fahrrad, das er zwischen Kühlergrill und Asphalt mitschleift. 

Fahrerflucht von «Lord Audi»

abspielen

streamable

Das Video, das auf Facebook bereits über 200'000 geteilt wurde und knapp 8000 Kommentare generierte, steht in der Meinung vieler stellvertretend für die Auswüchse einer angeblichen Zweiklassenjustiz in Mexiko. Auf der einen Seite der Grossteil der Bevölkerung, der sich trotz Korruption und Vetternwirtschaft an Gesetze hält. Auf der anderen Seite eine kleine, gut betuchte Oberschicht, die sich rücksichtslos Privilegien herausnimmt und sich mit Geld und Einfluss von der Strafverfolgung freikauft. 

Phänomen «Social Shaming»

Weil das Vertrauen in die Justiz in den letzten Jahren auf einen Tiefpunkt gesunken ist, nimmt die Bevölkerung nun das Heft selbst in die Hand. Mit Videos, die in sozialen Netzwerken gepostet werden, sollen die Übeltäter an den Pranger gestellt werden. 

Unfreiwillige Berühmtheit erlangte so auch die sogenannte 100-Pesos-Lady, eine 18-jährige Studentin, die unter Alkoholeinfluss einen Unfall gebaut hatte. Im Anschluss an den Vorfall versuchte sie die herbeigerufene Polizei mit sechs Dollar zu bestechen. Das Video des Vorfalls machte im Netz schnell die Runde, mittlerweile verzeichnet es mehr als zwei Millionen Aufrufe. Im Gegensatz zu Lord Audi wurde Lady-100-Peso aber noch an Ort und Stelle verhaftet. 

Dass diese Art des «Social Shaming» den Schutz der Privatsphäre mehr als ritzt, ist den Verfechtern des digitalen Prangers herzlich egal. Allfällige Bedenken werden von den selbsternannten Internet-Polizisten mit dem Verweis auf die ineffizienten und korrupten Strafverfolgungsbehörden vom Tisch gewischt. (wst)

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Homes8 04.08.2016 08:28
    Highlight Highlight Haben die Polizisten in Mexiko keine Handschellen?
    Scheinbar schlecht ausgebildet, eventuel auch eingeschüchtert.

    Das krasse Gegenteil in den USA, da wäre ein farbiger Fahrer bei Gegenwehr eventuel sogar erschossen worden.
  • Berggurke 04.08.2016 00:06
    Highlight Highlight Ich kann allen, die sich über das Geschehen in Mexiko interessieren, die Doku "Cartel Land" empfehlen. Diese geht zwar mehr auf den Drogenkrieg ein, zeigt aber auch, wie sehr die Bevölkerung der Polizei und dem Staat generell misstrauen und wie sie sich dann selbst versuchen zu helfen (Spoiler: Sie gründen eine Bürgermiliz).
    Die Doku zeigt auch, was die Folgen davon sind wie sich das Ganze weiterentwickelt.
    • corsin.manser 04.08.2016 00:09
      Highlight Highlight Ist auf Netflix, gell? Muss ich mir bei Gelegenheit anschauen. Merci für den Tipp!
  • Eljham 03.08.2016 23:50
    Highlight Highlight "Dass diese Art des «Social Shaming» den Schutz der Privatsphäre mehr als ritzt, ist den Verfechtern des digitalen Prangers herzlich egal."
    -
    Was für ein bizarres Ende des Artikels. Wo ist die Quelle, die sagt dass es den Menschen 'herzlich egal' sei? Oder wurde das irgendwo abgeschrieben?
    • dä dingsbums 04.08.2016 07:42
      Highlight Highlight Naja...das Video ist öffentlich zugänglich und jeder kann es sehen...
    • koks 04.08.2016 07:56
      Highlight Highlight Vielleicht haben diese Menschen sorgfältig abgewogen: Öffentliche Interessen von vielen Bürgern vs. private Interessen eines korrupten Gesetzesbrechers.
  • Silas89 03.08.2016 20:12
    Highlight Highlight Genau deswegen ist eine vertrauenswürdige Polizei so wichtig. Wenn sie es nicht macht, greift die Bevölkerung ein, die macht es dann aber auf eine Art, die ihre Nachteile hat.

    Ich finde Privatsphäre sehr wichtig. Aber in diesen Fällen finde ich den Pranger doch richtig. Sie haben die Möglichkeit, normal bestraft zu werden. Wenn sie das nicht machen, ist der Pranger angemessen.
  • Thanatos 03.08.2016 18:27
    Highlight Highlight "Dass diese Art des «Social Shaming» den Schutz der Privatsphäre mehr als ritzt, ist den Verfechtern des digitalen Prangers herzlich egal."

    Vielleicht können sie sich ja auch rauskaufen höhöhö
  • Griffin 03.08.2016 18:21
    Highlight Highlight Danke für diesen Mexikobericht, fände es super wenn ihr noch mehr folgen lassen würdet, v.a. über die Streiks und Proteste in Oaxaca.
    • Griffin 03.08.2016 22:34
      Highlight Highlight Sieht interessant aus, Danke für den Link!
  • Grundi72 03.08.2016 18:19
    Highlight Highlight Veloführer??? Echt jetzt?
  • Qui-Gon 03.08.2016 16:53
    Highlight Highlight Die Privatsphäre dieser Vollhonks ist mir sowas von egal. Ausserdem verüben sie die Taten ja im öffentlichen Raum.
  • ramonke 03.08.2016 16:26
    Highlight Highlight bei solchem verhalten ist die privatsphäre höchstens zweitrangig. droht die gefahr das eine solche straftat aufgrund des status des täters milder oder gar nicht bestraft wird, müssen solche videos veröffentlicht werden. wenn die justiz nicht will muss es von anderen bestraft werden.

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