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Der einsame Kampf der Howey Ou wurde gebremst – vorerst. Bilder: Privat

Warum «Chinas Greta Thunberg» ihren Klimastreik abbrechen musste

Der einsame Schulstreik der 16-jährigen Chinesin Howey Ou ist vorerst vorbei. Die Behörden haben ihn gestoppt. Aber die Schülerin sucht nach anderen Wegen.

Lars Wienand / t-online



Ein Artikel von

T-Online

Die Polizisten waren nicht unfreundlich, aber sie traten bestimmt auf. So erzählt es Howey Ou, die 16-jährige Schülerin aus dem chinesischen Guilin, die über Nacht zur bekanntesten Klimaschützerin des Landes geworden ist.

Die Polizisten kamen demnach, als Howey am siebten Schultag in Folge mit ihren beiden Plakaten vor einem früheren Regierungsgebäude stand. «Schulstreik für das Klima» stand auf der Pappe in Chinesisch und Englisch. Nach der Begegnung mit der Ordnungsmacht hat Howey Ou eingepackt und ist nun nicht mehr im Klimastreik. Sie war die einzige «Fridays for Future»-Aktivistin auf dem chinesischen Festland. Aber aufgegeben hat Howey noch nicht.

«Nur» eine Genehmigung nötig

Die Polizisten, so berichtete sie t-online.de, haben ihr gesagt, sie dürfe nach dem Gesetz demonstrieren. Sie brauche nur eine Genehmigung von der Ordnungsbehörde von Guilin. «Ich bin nicht sicher, ob ich eine bekomme», sagt sie vorsichtig. In ihrer Umgebung sind sich die Menschen sicher, dass sie keine bekommen wird. Im Raum stand, dass ihre Eltern Ärger an ihren Arbeitsplätzen bekommen könnten, wenn Howey weiter ohne Genehmigung streikt.

«Die chinesischen Behörden gehen mit solchen Protesten immer wieder auch pragmatisch um und lassen Ventile für Unmut in der Bevölkerung zu»

Dirk Pleiter, China-Experte bei Amnesty International

Dirk Pleiter, China-Experte bei Amnesty International Deutschland, hatte auf Anfrage von t-online.de die «grundsätzliche Befürchtung» geäussert, dass Howey bei ihrem Protest «Opfer staatlicher Repressionen bis hin zur Inhaftierung» werden könnte. Ob es dazu komme, sei schwer vorherzusagen. «Die chinesischen Behörden gehen mit solchen Protesten immer wieder auch pragmatisch um und lassen Ventile für Unmut in der Bevölkerung zu», hatte Pleiter erklärt.

«Ich will nicht als Heldin gesehen werden»

Nun sitzt Howey zumindest vorerst nicht mehr mit ihren Plakaten auf der kleinen Mauer vor einer Hecke neben einer Station für Leihfahrräder. Stattdessen nimmt sie wieder Platz auf einem Stuhl im Klassenzimmer ihrer Schule. Dort sei kein Wort gefallen über ihren Protest, sie sei nicht bestraft worden. Aber soll es das schon gewesen sein?

Sie hat viel Zuspruch bekommen von Menschen aus dem Westen, begeisterte Dankesbotschaften, grosses Lob für ihren Mut, Inspiration sei sie gewesen, haben manche geschrieben. Um ein bisschen mehr Kontrolle zu haben über mögliche Reaktionen hat sie ihren Twitter-Account auf privat gestellt. Mehr als 7'500 Follower sehen aber noch, was sie schreibt. «Ich bin nicht mutig, ich will nicht als Heldin gesehen werden», sagte sie t-online.de. Sie sei nur einfach «eine weitere Person, die die Klimaschutzbewegung voranbringen will».

Und das auch weiter, irgendwie. Schulstreik sei vielleicht kein Instrument mehr für sie. «Ich weiss noch nicht, was ich machen kann. Aber ich werde weiter dafür kämpfen, dass die Politiker schnelle Schritte unternehmen. Wie Greta sagt: Es ist erst der Anfang des Anfangs.»

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Wenn sie Journalisten über Messenger Sprach- und Chatnachrichten auf Englisch zukommen lässt, wählt sie ihre Worte mit viel Bedacht. Sie freut sich über Berichte, aber sie will möglichst steuern, was über sie geschrieben wird. Sie hatte zunächst verärgert reagiert über Medien, die nichts anderes gemacht hatten, als über ihre Tweets zu schreiben. Das ist eigentlich journalistisches Alltagsgeschäft. Aber Howey ist 16, sie hat keine Berater, sie hat nur Eltern und Freunde, die sie aus Sorge eigentlich von allem abhalten wollen.

«Ich war lange niedergeschlagen»

Das wird ihnen wohl nicht gelingen. «Ich kann das nicht nur anderen überlassen», erklärt Howey Ou. «Es ist unsere Zukunft, unser einziger Planet.» Sie sei lange niedergeschlagen gewesen, traurig «wegen der Katastrophe, die unserem Planeten droht». Schlüsselmoment war die Lektüre einer Ausgabe des «National Geographic» zu Umwelt und Klima im vergangenen Jahr, erklärte sie t-online.de. Die Zeitschrift hatte sie bei ihrem Streik dabei.

Ende März habe sie beschlossen, dass sie etwas tun muss. Und dann stand sie vor dem Regierungsgebäude, zunächst begleitet von ihrem Vater, an sechs weiteren Schultagen an einem anderen Standort dann allein. Ein deutscher China-Tourist hat sie dort gesehen. Etwas verloren habe sie gewirkt, sagte er t-online.de. Schulstreik fürs Klima, davon hat auch kaum ein Chinese gehört.

Nun will Howey versuchen, Politiker direkt anzusprechen, bei Konferenzen dabei zu sein, ausgerichtet mit Beteiligung von Umweltorganisationen. Es sind wenig konkrete Ideen. An diesem Donnerstag beginnt eine Konferenz in ihrer Heimatstadt Guilin. Howey Ou hat sich vorbereitet, aber bisher keine Zusage bekommen. Es ist nicht leicht, in China auf eigene Faust Klimaschützerin zu sein. 

 

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