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Syriens Machthaber Assad im SRF-Interview: The World According to Bashar

Stand Rundschau-Moderator Sandro Brotz Rede und Antwort: Syriens Machthaber Baschar al-Assad.
Stand Rundschau-Moderator Sandro Brotz Rede und Antwort: Syriens Machthaber Baschar al-Assad.bild: screenshot watson/srf
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Syriens Machthaber Assad im SRF-Interview: The World According to Bashar

19.10.2016, 21:3920.10.2016, 09:30
Philipp Dahm
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Der vorab veröffentlichte Clip des «Rundschau»-Interviews mit dem syrischen Präsidenten liess nicht darauf hoffen, dass Bashar al-Assad ein strenges Interview bestreiten würde.

Auf die Frage, wie er den Kindern von Aleppo helfen wolle, sagte er erwartungsgemäss, das sei den Terroristen zuzuschreiben. Doch der Ausschnitt trügt: Moderator Sandro Brotz und seine Redaktion haben harte Fragen vorbereitet – während Assads einzige Bedingung war, dass das Gespräch nicht gekürzt oder geschnitten werden darf. 

Dass es in dem Interview Propaganda geben wird, war ohnehin absehbar. Und wenn US-Aussenminister Johny Kerry Präsident Assad mit dem unseligen Adolf-Hitler-Vergleichbar brandmarken muss, kommt es ja auch in den Nachrichten – obwohl es sogar dehumanisierende Propaganda ist – und nicht zuletzt die Bestialität des deutschen Diktators verwässert.

Assad: Westen will Marionetten installieren

Und natürlich hat es Assad tunlichst vermieden, Hitler-esque zuzugeben, er unterdrücke eine politische Opposition, foltere in seinen Gefängnissen, habe Chemiewaffen benutzt oder gar Brand- und Fassbomben abwerfen lassen. Bemerkenswert ist aber, dass Brotz danach gefragt hat, und der Mann Stellung bezog.

Assad im Interview mit Sandro Brotz.
Assad im Interview mit Sandro Brotz.bild: srf

Seine Grundposition im Konflikt: Der Westen breche seit Jahren internationales Recht – beginnend mit «George Bush, der ohne Mandat des Sicherheitsrats in den Irak einmarschiert ist» über «Cameron und Sarkozy, welche ohne Mandat Libyen zerstört haben» bis zu Syrien.

«Wir verteidigen unser Land gegen Terroristen, die als Stellvertreter für andere Länder in Syrien einmarschiert sind.»
Baschar al-Assad

Der Westen unterstütze seit fünf Jahren seine Gegner, so Assad. Auf der einen Seite stehen laut Assads Weltbild die «Freunde» der Syrer: Russland, China und – vom Westen abgesehen – der Rest der Welt. Und der 51-Jährige Feind Washingtons, der ausgerechnet am 11. September geboren wurde, legt seinen Finger in die Wunden der Militärallianz, die gegen ihn kämpft.

«[Ich spreche von] der Rolle von Katar, der Türkei, Saudi Arabien, welche diese Terroristen mit Geld und Logistik unterstützen, von der Rolle des Westens bei der Unterstützung dieser Terroristen, entweder mit Waffen oder Propaganda und Publizität.»

Er wirft ja berechtigte Fragen auf, nur tut Assad das bei der Frage, wie er seinen Kindern den Konflikt erklären würde. Das nennt man dann wohl Propaganda und Gegenpropaganda. Aber im (Propaganda-)Krieg – «wie in jedem Krieg der Weltgeschichte» – gibt es Fehler und ungewollte Opfer, weiss Assad. «Dann müssten wir diesen spezifischen Vorfall prüfen.»

FILE- In this file frame grab taken from video on Wednesday, Aug. 17, 2016, which provided by the Syrian anti-government activist group Aleppo Media Center (AMC), 5-year-old Omran Daqneesh sits in an  ...
Nur gestellt? Flüchtlingsjunge Omran in Aleppo.Bild: AP/Aleppo Media Center

Amnesty-Berichte über 18'000 Folter-Tote? Von Katar finanziert. Das Bild des kleinen, blutbeschmierten Buben Omran? Gestellt von den «White Helmets», die von Islamisten kontrolliert das Image Assads ruinieren wollen. Berichte über Chemiewaffen-Einsätze? Erst getürkt, und dann hätten die USA eine zweite UNO-Inspektion verhindert.

«Die Mehrheit wird in der Schule, im Spital, auf den Strassen oder sonst irgendwo von Granaten der Terroristen beschossen.»
Assad auf die Frage, ob seine Flugzeuge Zivilisten töten

Die Fragen perlen an Assad ab wie auf einem Lotusblumen-Blatt. Und wenn er sagt, nach den Kindern Aleppos habe vor vier Jahren, als der «IS» übernahm, auch kein Hahn nach gekräht, muss man ihm Recht geben.

Aber dass dieser Mann derart auf der Seite des (internationalen) Rechts steht, nimmt man dem Präsidenten dennoch nicht ab. Auf die Frage, ob er denn das Internationale Rote Kreuz seine Gefängnisse inspizieren lassen würde, sagt er, das könnten in seinem Laden nur die zuständigen Institutionen genehmigen. 

In seine Seele blickt man dieser Reklame aus Damaskus – propagieren heisst ja: für etwas werben – nur einen kurzen Moment. Als Brotz ihn fragt, warum er sich als sicherer Kriegsgewinner sehe, sagt Assad:

«Wenn du das nicht glaubst, verlierst du. Ein Teil des Krieges besteht darin, an den Sieg zu glauben. Darum ist es offensichtlich, dass man einfach daran glauben muss.»
Wärst du Assads PR-Berater, bekäme sein Auftritt Note ...
Wie bewertest du die Glaubwürdigkeit von Assads Aussagen?
Wie bewertest du die Arbeit der SRF-Journalisten?

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76 Kommentare
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Soli Dar
19.10.2016 22:13registriert April 2016
Bei allen Schandtaten die Assad begeht oder begangen hat, seine Furcht vor einem westlich inszenierten Regimechange ist durchaus berechtigt bzw. begründet. Zudem ist der Westen, namentlich USA und deren Verbündete, namentlich Saudi Arabien, Katar und Türkey alles andere als unschuldig an der Entwicklung in Syrien und im Irak. Warum USA, Saudi Arabien und Türkei so viel besser sein sollen als Iran, Russland und Assad ist mir auch ein Rätsel.
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Dä Brändon
19.10.2016 22:04registriert August 2015
Assad stellt sich immer wieder den westlichen Journalisten. Wie steht's mit den anderen?
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Mitt
20.10.2016 01:08registriert Oktober 2016
Das Assad und Putin keine Heiligen sind ist klar, aber dass auch in der anschliessenden Diskussion in der Rundschau keine richtige Analyse der Hintergründe dieses Kriegs stattgefunden hat, ist eine verpasste chance.
Daniele Ganser, der Schweizer historiker, hätte zum Syrienkonflikt sicher noch spannende Hintergründe liefern können! Aber so mutig ist der SRF nicht!
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