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Democratic presidential candidate former Vice President Joe Biden looks over to reporters during a campaign stop in Wilmington, Del., Tuesday, Nov. 3, 2020. (AP Photo/Carolyn Kaster)
Joe Biden

Joe Biden blickt auf einer Wahlkampf-Veranstaltung in Wilmington, Delaware, in die Kameras der Fotografen. Bild: keystone

Kommentar

Ungenügend: Joe Biden kann den «Elite-Arbeiter-Graben» nicht überwinden

Joe Biden hat es nicht geschafft, in Florida oder den beiden anderen Swingstates Georgia und North Carolina im Südosten zu überzeugen. Das ist kein gutes Zeichen, unabhängig vom Ausgang der Präsidentschaftswahlen.



Heute Morgen werden sich weite Teile der Weltbevölkerung die Augen reiben, wenn sie den aktuellen Stand der US-Präsidentschaftswahlen anschauen.

Der von den Demoskopen vorausgesagte Erdrutschsieg von Joe Biden ist ausgeblieben. Für einen schnellen Sieg hätte er Florida, Georgia oder North Carolina, drei Swingstates im Südosten, diskussionslos am Wahltag gewinnen müssen. Das hat er nicht geschafft.

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Schlimmer noch: Er hat, verglichen mit den Resultaten von 2016, in den bereits komplett ausgezählten Wahlkreisen in fast allen Wählergruppen demokratische Stimmen verloren. Am deutlichsten bei den Kubanern und den Latinos, wie eine Analyse der «New York Times» zeigt. Aber auch in den Vorstädten, bei den Schwarzen und den Ländlern. Sie alle haben in den Präsidentschaftswahlen republikanischer gewählt als 2016.

Es ist Biden im Südosten also nicht gelungen, den Graben zwischen der weissen demokratisch-akademischen Polit-Elite und den tendenziell weniger qualifizierten Einwanderer-Minderheiten zu überwinden. Dieser Elite-Working-Class-Graben wird von vielen und namhaften Politbeobachtern als mitursächlich für die Trump-Wahl 2016 angesehen.

Leute ohne Universitätsabschlüsse fühlen sich von den seit Jahrzehnten wuchernden, tendenziell linksliberal-urbanen Akademiker-Kreisen nicht nur nicht ernstgenommen, sondern auch so latent wie selbstverständlich verhöhnt.

Mittelständische, mit Diplomen ausgestattete Doktoren, Anwälte und Graphic Designer, die sich gewählt ausdrücken, rufen eher Aggressionen hervor als ein superreicher Unflat wie Trump, der von der politischen und gesellschaftlichen Elite ebenso belächelt wird. Eine Figur wie Trump und sein vorgeblicher Kampf gegen das Establishment bieten vielmehr eine ideale Projektionsfläche für den eigenen Frust.

Die Demokraten haben es trotz maximaler Bodenständigkeits-Inszenierung ihres ÖV-pendelnden Kandidaten Joe Biden in den entscheidenden Gegenden nicht geschafft, die Distanz zu diesen Wählerkreisen zu verkleinern. Das ist ihr Versagen. Das Endresultat und die Nachwahl-Polls werden zeigen, ob das bei den weissen Blue-Collar-Wählerschichten im Rustbelt besser geklappt hat.

Falls nicht, bleibt die amerikanische Politik (und nicht nur die) anfällig auf Figuren wie Donald Trump. Sie scharen die Verlierer der fortschreitenden Akademisierung westlicher Dienstleistungsgesellschaften hinter sich und treiben mit der so erlangten politischen Power allerhand Schindluderei mit der Institution Demokratie.

Dabei können wir Trump bereits in den nächsten Tagen und Wochen live zusehen.

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