International
Kosovo

Die aktuellsten Entwicklungen zwischen Kosovo und Serbien

Kosovo police officers patrol in a mixed community neighborhood in ethnically divided town of northern Mitrovica on Friday, Dec. 9, 2022. Kosovo law enforcement on Friday said one officer was injured  ...
Kosovarische Polizisten patrouillieren in einem Quartier, in dem sowohl ethnische Serben als auch Kosovo-Albaner leben.Bild: keystone

Eskalation im Grenzgebiet – die aktuellsten Entwicklungen zwischen Kosovo und Serbien

Die politische Lage im Kosovo ist seit jeher angespannt, in den vergangenen Wochen spitzte sich die Situation aber weiter zu. Am Wochenende erreichten die Proteste eine nächste Eskalationsstufe.
12.12.2022, 08:0013.12.2022, 13:39
Folge mir
Mehr «International»

Nach der Festnahme eines ehemaligen serbischen Polizisten am Samstag blockierten im Kosovo lebende Serben Hauptstrassen im Norden des Landes. Zudem kam es zu Schusswechseln zwischen der kosovarischen Polizei und den Protestanten. Serbien will nun Soldaten in die Region schicken, der Kosovo sich «mit aller Entschlossenheit» verteidigen. Ein Überblick über die Ereignisse.

Der Auslöser der jüngsten Proteste

Im Zuge des Streits um serbische Nummernschilder aus der Zeit vor dem Kosovo-Krieg sind im vergangenen Monat zahlreiche serbischstämmige Polizisten sowie Behördenmitglieder aus dem Dienst ausgetreten. Hintergrund des Streits ist, dass der Kosovo ankündigte, die alten serbischen Nummernschilder nicht mehr zu akzeptieren. Aus Protest traten zahlreiche kosovarische Serben von ihren Positionen zurück.

Hier gibt es mehr Informationen dazu:

Serb police officers took off their uniforms in the town of Zvecan, Kosovo, Saturday, Nov. 5, 2022. Representatives of the ethnic Serb minority in Kosovo on Saturday resigned from their posts in prote ...
Serbische Polizisten geben ihre Uniformen zurück.Bild: keystone

Am Samstag wurde nun einer der ehemaligen Polizisten, Dejan Pantic, verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, Angriffe auf Wahllokale bei den Kommunalwahlen geplant zu haben.

Die Strassenblockaden

Teile der serbischen Minderheit im Kosovo reagierten auf die Verhaftung von Pantic mit Strassenblockaden. Bereits am Samstag wurden Hauptstrassen und andere Verkehrsknotenpunkte mit LKWs unpassierbar gemacht. Im Nord-Kosovo, an der Grenze zu Serbien, wo besonders viele ethnische Serben leben, wurden zwei Grenzübergänge blockiert.

Der kosovarische Innenminister Xhelal Svecla schrieb anschliessend auf Facebook, dass es sich bei Aufständischen um «kriminelle Gruppen» handle, die unter der Führung des serbischen Staatschefs Aleksandar Vucic stünden. Diesen bezeichnete er zudem als «Lügner» und «Propagandist».

Die Schusswechsel

Es blieb allerdings nicht bei den Strassenblockaden durch die serbischen Demonstranten. Im Norden des Kosovo kam es auch zu Schusswechseln. Laut der lokalen Polizei wurde diese in der Nähe des Grenzübergangs Bernjak von mindestens drei verschiedenen Gruppen beschossen.

Weiter wurde eine Blendgranate auf ein Auto geworfen, das der EU-Mission im Kosovo gehört. Berichte über Verletzte gab es zunächst keine.

Vucics Reaktion

Der serbische Präsident Aleksandar Vucic reagierte auf die Verhaftung von Pantic und die Ereignisse im Nord-Kosovo mit der Ankündigung, bei der Kosovo-Schutztruppe KFOR die Verlegung von 1000 serbischen Soldaten in den Kosovo zu beantragen. Die KFOR ist eine von der NATO angeführte Militäreinheit, die aus Soldaten verschiedener Länder besteht und den Frieden im umstrittenen Gebiet sichern soll. Auch die Schweiz beteiligt sich am Einsatz.

Vucic erklärte, dass er nicht damit rechne, dass die KFOR die Truppenverschiebung bewilligen werde. Die Strassenblockaden und Proteste sind laut dem serbischen Präsidenten erzwungen, die serbische Bevölkerung müsse sich vor den kosovarischen Sicherheitskräften schützen. Er fordert zudem die Freilassung aller inhaftierten Serben im Norden des Kosovo.

Serbian President Aleksandar Vucic speaks during a press conference, in Belgrade, Serbia, Saturday, Oct. 8, 2022. Vucic said Sunday after a meeting of Serbia's top security body that he will do e ...
Der serbische Präsident Aleksandar Vucic.Bild: keystone

Am Sonntag beteuerte Vucic dann gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass Serbien «auf jeden Fall» die Lage im Norden des Kosovo zu deeskalieren versuche.

Die Reaktion Kurtis

Der kosovarische Ministerpräsident Albin Kurti sah in Vucics Worten eine weitere Provokation und Aggression Serbiens. Er schrieb auf Facebook, dass Serbien dem Kosovo seit einigen Tagen mit Aggression drohe. Der Präsident und die Premierministerin von Serbien würden die Rückkehr der serbischen Armee in den Kosovo fordern. «Wir wollen keinen Konflikt, wir wollen Frieden und Fortschritt. Aber wir werden mit aller Macht, die wir haben, auf Aggression reagieren», so Kurti.

Weiter forderte er die kosovarischen Serben auf, sich von Vucic und dessen «Regime» zu distanzieren.

Der Hintergrund

Im Kosovo gibt es seit langem Spannungen zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen der Serben und der Kosovo-Albaner. In den Jahren 1998 und 1999 ereignete sich der Kosovo-Krieg zwischen der kosovarischen Befreiungsarmee UÇK und der serbisch dominierten Armee Jugoslawiens. Die NATO griff ebenfalls in den Konflikt ein, um die albanische Mehrheit im Kosovo zu schützen.

2008 erklärte der Kosovo dann seine Unabhängigkeit. Allerdings anerkennen nur 115 Staaten der Vereinten Nationen, darunter die Schweiz, den Kosovo als unabhängig an. Serbien erachtet den Kosovo offiziell als autonome Provinz. Es gibt allerdings stark nationalistische Strömungen in Serbien, die den Kosovo nach wie vor als serbisches Staatsgebiet betrachten. Da im Kosovo zugleich nach wie vor eine serbische Minderheit lebt, gibt es zahlreiche Konfliktpunkte zwischen den Ländern.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
210 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
FreddyKruger
12.12.2022 08:56registriert Juli 2021
Vucic ist kaum viel besser als Putin, ein Nationalist, der die Fakten so zurechtbiegt wie es gerade passt.
23342
Melden
Zum Kommentar
avatar
SwissHitman
12.12.2022 09:13registriert Juli 2018
Ich wünsche mir dass die beiden Herren eine friedliche Lösung finden. Für alle Menschen.
1735
Melden
Zum Kommentar
avatar
Sin14
12.12.2022 14:32registriert Mai 2020
Ich war dieses Jahr zu Besuch in Serbien. Ich war ziemlich geschockt über die Verherrlichung von Kriegsverbrechern und wieviele junge Serben noch im alten Denken verhaftet sind. Das Land ist wirklich schön, die Menschen ohne Politisieren sehr gastfreundlich und nett, jedoch müssen sie definitiv endlich vorwärts und nicht rückwärts denken.
5411
Melden
Zum Kommentar
210
Swiss-Flüge nach Beirut bleiben bis Ende April eingestellt

Keine Swiss-Flüge nach Beirut bis und mit 30. April. Das hat die Fluggesellschaft am Mittwoch entschieden. Die Fluggesellschaft wird bis zu diesem Zeitpunkt den iranischen Luftraum nicht nutzen und die Situation in der Region «aufmerksam» verfolgen, wie sie mitteilte.

Zur Story