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Hassan Nasrallah ist tot: Er galt als mächtigster Mann des Libanon

epa11629823 (FILE) - Hezbollah Secretary General Sayyed Hassan Nasrallah speaks to supporters during Ashura day in southern Beirut, Lebanon, 14 November 2013 (reissued 27 September 2024). The Israeli  ...
Nasrallah hielt sich jahrelang versteckt, öffentliche Auftritte waren selten.Bild: keystone

Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah ist tot: Er galt als mächtigster Mann des Libanon

28.09.2024, 15:0128.09.2024, 15:07
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Er galt als mächtigster Mann des Libanon und Herr über Krieg und Frieden: Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah, dessen Tod die pro-iranische Miliz am Samstag bestätigt hat, führte die Organisation rund drei Jahrzehnte lang an.

Nasrallahs Aufenthaltsort war seit Jahren ein Mysterium. Seit dem Krieg zwischen der Hisbollah und Israel 2006 zeigte er sich nur höchst selten in der Öffentlichkeit. Journalisten, die ihn trafen, berichteten, sie seien dazu in abgedunkelten Wagen an unidentifizierbare Orte gebracht worden. Nasrallahs Reden wurden aufgezeichnet und von einem unbekannten, anonymisierten Ort aus gesendet.

Das Versteckspiel hindere ihn jedoch nicht, die Stimmung im Volk zu kennen, sagte Nasrallah 2014 der Hisbollah-freundlichen libanesischen Zeitung «Al Akhbar»: «Der Sinn von Sicherheitsmassnahmen ist es, meinen Aufenthaltsort geheim zu halten, aber das hält mich nicht davon ab, herumzukommen und zu sehen, was vor sich geht.» Er lebe nicht in einem Bunker, fügte Nasrallah hinzu, sondern wechsele lediglich seine Schlafplätze.

Als Gründungsmitglied der seit 1982 bestehenden Hisbollah und seit seiner Wahl zum Generalsekretär 1992 als deren Anführer genoss der 64-Jährige unter seinen Anhängern Kultstatus. Diesen erreichte er unter anderem mit dem Abzug der israelischen Truppen aus dem Südlibanon im Jahr 2000. Die Armee gab die Besatzung des Grenzstreifens nach 22 Jahren auf, nachdem die Hisbollah ihre Stellungen unaufhörlich beschossen hatte.

FILE - Hezbollah leader Sheik Hassan Nasrallah, speaks to the crowd in a rare public appearance during Ashura, that marks the death of Shiite Islam's Imam Hussein, in the suburbs of Beirut, Thurs ...
Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah spricht bei einem seltenen öffentlichen Auftritt 2013.Bild: keystone

Auch der 2006 von der UNO vermittelte Waffenstillstand im Krieg zwischen Israel und der Hisbollah machte Nasrallah in der arabischen Welt populär. Die Bekanntgabe der Entsendung von Kämpfern zur Unterstützung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad ins Nachbarland 2013 stiess allerdings auf weniger Begeisterung.

Unter Nasrallahs Führung verwandelte sich die Hisbollah von einer Guerilla-Truppe in die wichtigste politische Kraft im Libanon, die auch im Parlament und in der Regierung vertreten ist. Eigenen Angaben zufolge hat die schiitische, mit dem Iran verbündete Miliz 100'000 Mitglieder.

Zudem verfügt die Hisbollah über ein riesiges Waffenarsenal. Bei vielen Schiiten in ihren Hochburgen im Libanon ist die Miliz beliebt, weil sie Bedürftige unterstützt sowie Gesundheit und Bildung finanziert. Viele säkulare Libanesinnen und Libanesen kritisieren die Hisbollah dagegen.

Nasrallah wurde am 31. August 1960 im armen nördlichen Beiruter Vorort Burdsch Hammud geboren und wuchs als eines von neun Kindern auf. Sein Vater war Lebenmittelhändler in einem Dorf im Südlibanon. Als Jugendlicher studierte Nasrallah Theologie im für Schiiten heiligen südirakischen Nadschaf, während der Schiitenverfolgung unter dem irakischen Machthaber Saddam Hussein verliess er das Land wieder.

Zurück im Libanon, trat Nasrallah zunächst der schiitischen Amal-Bewegung bei. 1982, als israelische Truppen in den Libanon einmarschierten, gründete er zusammen mit anderen die Hisbollah (Partei Gottes), die bereits damals vom Iran unterstützt wurde. 1992 übernahm Nasrallah mit 32 Jahren die Führung der Miliz, nachdem deren bisheriger Chef Abbas al-Mussawi vom Erzfeind Israel getötet worden war.

Bei seinen seltenen Auftritten zeigte sich der Geistliche stets in traditionellen Roben und mit dem schwarzen Turban, der ihn als «Sadschid» auswies, als einen direkten Nachfahren des Propheten Mohammed. Nasrallah war verheiratet und Vater von fünf Kindern. Sein ältester Sohn Hadi starb 1997 im Kampf.

(watson.de/mit Material von afp)

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79 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Mad Heidi
28.09.2024 15:51registriert März 2019
(Zu) Schöner Nachruf. Jede Welt mit einem Terrorfürsten weniger ist eine bessere Welt.
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Andi7
28.09.2024 16:16registriert November 2019
Eine Partei, die den Namen Partei Gottes trägt und ein Gewehr auf seiner Flagge hat, sollte per se schon gar nicht existieren dürfen.
Ich kann nur hoffen, dass es im Libanon einen Wandel gibt und diese Partei eines Tages Geschichte ist.
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Kommissar Rizzo
28.09.2024 15:58registriert Mai 2021
Auch wenn ich nicht alle israelischen Aktionen gutheisse, hier gibt's nicht viel zu sagen ausser: Gratulation!
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