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Israel-Gaza-Krieg: Junge bei Zusammenstössen im Westjordanland getötet

Palestinians arrive in the southern Gaza town of Rafah after fleeing an Israeli ground and air offensive in the nearby city of Khan Younis on Monday, Jan. 29, 2024. Israel has expanded its offensive i ...
Eine Familie im Gaza-Streifen flüchtet vor den israelischen Raketen. Bild: keystone
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Junge im Westjordanland getötet +++ Israels ESC-Beitrag löst Diskussionen aus

Am 7. Oktober attackierte die Hamas Israel und ermordete 1200 Menschen. Israel reagierte mit Bombenangriffen und die Armee drang in den Gazastreifen ein. Alle News im Liveticker.
21.02.2024, 05:5622.02.2024, 01:26
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  • Hamas-Terroristen haben am Samstag, 7. Oktober, einen beispiellosen Überraschungsangriff auf Israel durchgeführt und rund 1200 Zivilistinnen und Zivilisten sowie Soldaten massakriert. Es handelt sich um den grössten Massenmord an Juden seit dem Zweiten Weltkrieg.
  • Über 230 Israelis wurden nach Militärangaben in den Gazastreifen verschleppt und mutmasslich in unterirdischen Tunnelsystemen als Geiseln gehalten.
  • Laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden über 28'000 Menschen getötet. Die Zahlen lassen sich gegenwärtig nicht unabhängig überprüfen.
  • In Gaza droht angeblich eine Hungersnot.
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2:45
UN-Nothilfekoordinator an G20: Beenden Sie den Gaza-Krieg
UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths hat die Aussenminister der G20-Runde führender und aufstrebender Wirtschaftsmächte aufgefordert, auf ein Ende des Krieges im Gazastreifen hinzuwirken. «Sie haben die Macht, etwas zu bewirken. Nutzen Sie sie», appellierte Griffiths in einem auf der Webseite des arabischen Fernsehsenders Al-Dschasira veröffentlichten Meinungsbeitrag. «Ihr Schweigen und Ihre Untätigkeit werden nur dazu führen, dass noch mehr Frauen und Kinder in die offenen Gräber von Gaza geworfen werden.» Humanitäre Organisationen täten alles, was sie könnten, um das unermessliche Leid der palästinensischen Bevölkerung zu lindern. Die G20-Aussenminister setzen ihre Beratungen in Rio de Janeiro an diesem Donnerstag fort.
Under-Secretary-General for Humanitarian Affairs and Emergency Relief Coordinator Martin Griffiths speaks during the UN Security Council meeting to discuss the maintenance of peace and security of Ukr ...
Bild: keystone
«Wir haben Israel als Besatzungsmacht in Gaza angefleht, die Lieferung von Hilfsgütern zu erleichtern – mit wenig oder gar keinem Erfolg», beklagte Griffiths in seinem Meinungsbeitrag. «Wir haben die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Geiseln gefordert – mit wenig oder gar keinem Erfolg. Wir haben die Parteien aufgefordert, ihren Verpflichtungen nach dem humanitären Völkerrecht und den Menschenrechten nachzukommen – mit wenig oder gar keinem Erfolg», schrieb Griffiths. Er appellierte an die Aussenminister der G20, «Ihren Einfluss zu nutzen, um diesen Krieg zu beenden und die Menschen in Gaza zu retten». Sein Meinungsbeitrag war zuvor in der brasilianischen Zeitung «Folha de São Paulo» veröffentlicht worden. (sda/dpa)
22:27
Bericht: Israelischer Minister sieht erste Anzeichen für Geisel-Deal
Der israelische Minister Benny Gantz sieht Berichten zufolge erste Anzeichen für ein neues Geisel-Abkommen mit der Hamas. Sollte die Vereinbarung nicht zustande kommen, sei Israel aber bereit, seine Offensive in der Stadt Rafah im Gazastreifen zu beginnen, sagte der Minister im Kriegskabinett nach Angaben mehrerer israelischer Medien vom Mittwoch. Konkrete Details nannte er aber nicht.
FILE - Israeli Cabinet Minister Benny Gantz attends a press conference in the Kirya military base in Tel Aviv, Israel, on Oct. 28, 2023. While Israelis quickly rallied behind the military, Israeli pri ...
Bild: keystone
Ägypten, Katar und die USA bemühen sich derzeit erneut darum, eine längere Feuerpause im Gaza-Krieg herbeizuführen. Im Rahmen eines Abkommens sollen in mehreren Phasen die noch immer im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln gegen palästinensische Gefangene in Israel ausgetauscht werden. Derzeit laufen Verhandlungen mit der Hamas über ein Abkommen in Kairo. Israelischen Medien zufolge soll es zudem am Freitag in Paris ein Treffen hochrangiger Vermittler geben.

Während einer einwöchigen Feuerpause im vergangenen November waren im Rahmen eines Abkommens zwischen Israel und der Hamas 105 Geiseln im Gegenzug für 240 palästinensische Häftlinge freigelassen worden. Von den noch verbliebenen Geiseln sind nach israelischen Informationen höchstens noch rund 100 am Leben.

Israel bereitet derzeit eine Militäroffensive auf die an Ägypten angrenzende Stadt Rafah vor, um auch dort gegen die islamistische Hamas vorzugehen. In dem Ort im Süden des Palästinensergebiets haben Hunderttausende Binnenflüchtlinge Schutz gesucht. Die Pläne für eine Ausweitung der israelischen Einsätze in der überfüllten Stadt stossen international auf grosse Kritik. Die geplante Offensive wird einem Bericht zufolge aus US-Sicht sehr wahrscheinlich nicht vor dem muslimischen Fastenmonat Ramadan beginnen. Ein Angriff auf Rafah während des Ramadan, der in diesem Jahr um den 10. März beginnt, könnte von Muslimen in der ganzen Region als besonders provokant empfunden werden. (sda/dpa)
18:50
Palästinenser: Junge bei Zusammenstössen im Westjordanland getötet
Bei Konfrontationen im Zuge eines israelischen Armeeeinsatzes im besetzten Westjordanland ist palästinensischen Angaben zufolge am Mittwoch ein 14-Jähriger getötet worden. Dem Jungen sei ins Herz geschossen worden, teilte das Gesundheitsministerium in Ramallah mit. In einem Ort östlich der Stadt Kalkilia sei es zu Zusammenstössen zwischen israelischen Soldaten und Palästinensern gekommen, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa. Vier Menschen wurden den Angaben zufolge festgenommen.

Israels Armee teilte auf Anfrage mit, in dem Ort im Nordwesten des Palästinensergebiets habe ein Palästinenser einen Molotowcocktail auf einen zivilen, israelischen Bus gefeuert. Zudem habe es gewaltsame Ausschreitungen gegeben. Verdächtige hätten Steine auf die israelischen Einsatzkräfte geschleudert. Diese hätten daraufhin scharf geschossen und dabei eine Person getroffen.

Die Lage im Westjordanland hat sich seit Beginn des Kriegs zwischen Israel und der islamistischen Hamas im Gazastreifen am 7. Oktober noch einmal deutlich verschärft. 384 Palästinenser wurden seither nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Westjordanland getötet. Allein diesem Jahr kamen dem Ministerium zufolge 78 Palästinenser im Westjordanland bei israelischen Militäreinsätzen, Konfrontationen oder eigenen Anschlägen ums Leben. (sda/dpa)
16:14
Bericht: Israels ESC-Beitrag löst Diskussionen aus
Der Song, mit dem die israelische Teilnehmerin Eden Golan im Mai beim Eurovision Song Contest (ESC) antreten will, soll bereits Diskussionen ausgelöst haben.



Die israelische Nachrichtenseite ynet berichtete am Mittwoch, die Organisatoren hätten den Beitrag mit dem Titel «Oktoberregen» als politisch eingestuft und erwögen deshalb seine Disqualifizierung. Der Song bezieht sich Medienberichten zufolge auf das Massaker der islamistischen Hamas in Israel am 7. Oktober, bei dem mehr als 1200 Menschen getötet worden waren. Das Lied ist allerdings bisher nicht offiziell vorgestellt worden.

Der israelische öffentlich-rechtliche Sender Kan besteht jedoch dem Bericht zufolge darauf, dass der Text des Songs nicht geändert werde, selbst wenn dies Israel die Teilnahme kosten sollte.

Die ESC-Organisatoren hatten sich zuvor gegen einen Ausschluss Israels ausgesprochen, den etwa schwedische Künstler wegen des Gaza-Krieges gefordert hatten. Die Veranstaltung soll ihren Angaben nach unpolitisch bleiben.

Das ESC-Finale findet am 11. Mai in Malmö statt. Der 68. ESC findet in diesem Jahr in Schweden statt, nachdem Sängerin Loreen den Vorjahreswettbewerb in Liverpool mit dem Lied «Tattoo» für das skandinavische Land gewonnen hat. Die EBU hatte Anfang Dezember eine Liste mit diesmal 37 teilnehmenden Rundfunkanstalten veröffentlicht – darunter auch Kan aus Israel. (sda/dpa)
1:42
Bericht: Bodenoffensive in Rafah vor Ramadan unwahrscheinlich
Israels geplante Militäroffensive auf die Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens wird einem Medienbericht zufolge aus US-Sicht sehr wahrscheinlich nicht vor dem muslimischen Fastenmonat Ramadan beginnen. Diese Einschätzung teilte ein namentlich nicht genannter ranghoher US-Beamter der «Times of Israel» mit. Wie die Zeitung am Dienstagabend berichtete, ist Israels Armee noch dabei, grössere Einsätze in der seit Wochen heftig umkämpften Stadt Chan Junis nördlich von Rafah abzuschliessen. Zugleich ist geplant, die rund 1,5 Millionen Palästinenser in Rafah in Sicherheit zu bringen, bevor das Militär dort gegen die verbleibenden Bataillone der Hamas vorgeht. Die Umsetzung eines solchen Plans samt Mechanismen zur Unterstützung der Menschen nach Unterbringung an anderen Orten nehme Wochen in Anspruch, wurde der Beamte zitiert.

Die Zeitung berichtete unter Berufung auf einen israelischen Beamten weiter, dass die Armee plane, die Zivilisten in Rafah in einem nördlich gelegenen Gebiet zwischen Chan Junis und dem Flussbett Wadi Gaza, das Nord- und Süd-Gaza voneinander trennt, unterzubringen. Sollte Israel dieses Unterfangen nicht vor dem Ramadan, der um den 10. März beginnt, in Angriff nehmen, könnte die Armee laut dem US-Beamten gezwungen sein, bis nach dem für Muslime heiligen Fastenmonat zu warten, hiess es. Ein Angriff auf Rafah während des Ramadan könnte von Muslimen in der ganzen Region als besonders provokant empfunden werden. (sda/dpa)
epaselect epa11167395 Palestinians who fled from the northern Gaza Strip and Rafah town, outside their shelters in Deir Al Balah, southern Gaza Strip, 20 February 2024. Since 07 October, up to 1.9 mil ...
Bild: keystone
1:08
Bericht: Israel baut Strasse zur Kontrolle des Gazastreifens aus
Die israelische Armee baut einem Medienbericht zufolge eine Strasse quer durch den Gazastreifen aus, um die Sicherheitskontrolle über das palästinensische Küstengebiet auf unbestimmte Zeit aufrechtzuerhalten. Das berichtete die US-Zeitung «Wall Street Journal» am Dienstag unter Berufung auf nicht namentlich genannte Verteidigungsbeamte. Die Schotterstrasse teilt den abgeriegelten Küstenstreifen südlich der Stadt Gaza von der israelischen Grenze bis zur Mittelmeerküste entlang eines Ost-West-Korridors, der seit Beginn des Krieges gegen die islamistische Hamas vor gut vier Monaten von israelischen Truppen besetzt ist.

Der Ausbau der Strasse sei Teil der israelischen Bemühungen, die Topografie des Gazastreifens neu zu gestalten, heisst es in dem Bericht. Dadurch könne sich das Militär auch nach dem Abzug der meisten Truppen weiterhin auf einer sicheren Route schnell durch das Küstengebiet bewegen. Israel kontrolliert bereits wichtige Nord-Süd-Strassen in Gaza.

Der Ausbau der Strasse zeige, wie sich die israelische Armee auf die nächste Phase des Krieges vorbereite, in der sie plane, sich aus bewohnten Gebieten zurückzuziehen und auf gezielte Angriffe gegen die Hamas zu konzentrieren, hiess es. Die Ost-West-Route solle so lange genutzt und patrouilliert werden, bis Israels Militäreinsätze abgeschlossen seien. Dies könne noch Monate oder sogar Jahre dauern könnte, hiess es unter Berufung auf israelische Beamte.

Israel hat nach eigenen Angaben nicht vor, den Gazastreifen dauerhaft zu besetzen. Allerdings hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu deutlich gemacht, dass Israel nach dem Krieg die «vollständige Sicherheitskontrolle» über das Gebiet behalten wolle. (sda/dpa)
18:45
Französische Fregatten schiessen Drohnen im Roten Meer ab
Zwei französische Fregatten haben im Roten Meer in der Nacht zum Dienstag zwei Drohnen abgeschossen, nachdem sie zuvor vielfältige Drohnenangriffe aus Richtung des Jemen registriert hatten. «Diese Aktionen tragen zur maritimen Sicherheit bei, vom Suezkanal bis zur Strasse von Hormus, und unterstützen die Verteidigung der Freiheit der Schifffahrt», teilte das französische Verteidigungsministerium in Paris mit. Das gleiche Ziel verfolge der am Montag beschlossene EU-Militäreinsatz zur Sicherung der Handelsschifffahrt im Roten Meer.

Deutschland hat zur Unterstützung dieses Einsatzes die Fregatte «Hessen» in die Region entsandt. Frankreich ist dort bereits seit dem 8. Dezember mit der Fregatte «Languedoc» präsent, die am 20. Januar Unterstützung von der Fregatte «Alsace» erhalten hat.

Die militant-islamistische Huthi-Miliz im Jemen nimmt im Zuge des Gaza-Krieges zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas immer wieder Schiffe im Roten Meer ins Visier. Die Miliz agiert nach eigenen Angaben aus Solidarität mit der Hamas und richtet ihre Attacken vor der jemenitischen Küste auf Frachter mit angeblicher israelischer Verbindung. Für den Welthandel gilt das Rote Meer als einer der wichtigsten Schifffahrtswege, weil es das Mittelmeer über den Suezkanal in Ägypten mit dem Indischen Ozean verbindet. (sda/dpa)
18:39
Israel: Waffenruhe würde Immunität für Babymörder bedeuten
Nach einer gescheiterten Resolution im Weltsicherheitsrat hat Israel Forderungen nach einer Waffenruhe im Gazastreifen scharf zurückgewiesen. Das absurde Wort «Waffenruhe» würde ständig erwähnt «als wäre es eine Wunderwaffe, eine magische Lösung für alle Probleme der Region», sagte der israelische UN-Botschafter Gilad Erdan am Dienstag im mächtigsten UN-Gremium. Ein Ende der Kämpfe würde Immunität für Babymörder und Vergewaltiger der Hamas gleichkommen, die sich für die internationale Ordnung nicht interessierten. «Die Hamas wird Ihre Resolutionen nicht einmal lesen», so Erdan. Zuvor hatten die Vereinigten Staaten erneut einen Resolutionsentwurf mit der Forderung nach einer sofortigen Waffenruhe im Gaza-Krieg verhindert. Die USA legten am Dienstag in New York ein Veto gegen die Beschlussvorlage von Ratsmitglied Algerien ein. Angesichts der Sorge um eine drohende israelische Militäroffensive im Gebiet um die Stadt Rafah fand der Vorschlag bei den übrigen Ratsmitgliedern breite Zustimmung: 13 der 15 Ratsmitglieder stimmten für den Entwurf, Grossbritannien enthielt sich. (sda/dpa)
Gilad Erdan, Israeli Ambassador to the United Nations, speaks during a Security Council meeting at United Nations headquarters, Tuesday, Feb. 20, 2024. (AP Photo/Seth Wenig)
Gilad Erdan
Bild: keystone
16:51
UN-Rat: Forderung nach Gaza-Waffenruhe scheitert an US-Veto
Im Weltsicherheitsrat ist ein Resolutionsentwurf mit der Forderung nach einer sofortigen Waffenruhe im Gazastreifen gescheitert.

Die USA legten am Dienstag in New York ein Veto gegen die Beschlussvorlage von Ratsmitglied Algerien ein. Angesichts der Sorge um eine drohende israelische Militäroffensive im Gebiet um die Stadt Rafah fand der Vorschlag bei den übrigen Ratsmitgliedern breite Zustimmung: 13 der 15 Ratsmitglieder stimmten für den Entwurf, Grossbritannien enthielt sich. Die USA hatten bereits vorher angekündigt, ein Veto einlegen zu wollen. Israels enger Verbündeter hatte in den vergangenen Tagen versucht, eine Abstimmung des algerischen Texts zu verhindern - eigenen Angaben zufolge, um wichtige Verhandlungen zur Freilassung von Geiseln zwischen Israel und der islamistischen Terrororganisation Hamas nicht zu gefährden. Washington ging es Beobachtern zufolge aber auch darum, mit einem Veto nicht als Wegbereiter einer zunehmend in der Kritik stehenden Kriegsführung Israels gesehen zu werden. US-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield hatte das amerikanische Vorgehen direkt vor der Abstimmung im mächtigsten UN-Gremium verteidigt. Die Verabschiedung einer Resolution hätte dazu führen können, dass sich «die Kämpfe zwischen Hamas und Israel ausweiten». Es gehe darum, die Hamas dazu zu zwingen, sich auf einen Deal mit Israel einzulassen. «Manchmal braucht harte Diplomatie mehr Zeit, als einem von uns lieb ist», so Thomas-Greenfield. Sie verstehe den Wunsch des Rates, dringend zu handeln.
epa11168114 United States Ambassador Linda Thomas-Greenfield cats her veto vote as Members of the United Nations Security Council vote on a US-proposed draft resolution, which calls for a temporary ce ...
Bild: keystone
In den vergangenen Monaten hatten die USA mehrfach Vetos eingesetzt, um Israel vor Resolutionen des Sicherheitsrates zu schützen. Die Blockadehaltung der USA sorgte bei der grossen Mehrzahl der 15 Ratsmitglieder zuletzt zunehmend für Frust. Nach Angaben eines hochrangigen Vertreters wurden die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen deutlich emotionaler. Wenn die USA ein Veto einlegten, müssten sie «die Verantwortung für alles übernehmen, was danach passiert», hatte ein hochrangiger Vertreter im Rat vor der Abstimmung gesagt. «Wenn Rafah passiert, gibt es kein Zurück.»

In Rafah bereitet sich die israelische Armee auf eine Invasion vor, um nach eigenen Angaben die verbliebenen Hamas-Bataillone zu zerschlagen und dort vermutete Geiseln zu befreien. Die israelische Regierung hat aber noch keinen Einsatzbefehl erteilt. Ein militärisches Vorgehen in der südlichsten Stadt des Gazastreifens ist höchst umstritten, weil sich dort auf engem Raum 1,5 Millionen Palästinenser drängen, von denen die meisten vor den Kämpfen in anderen Teilen des Küstengebiets bereits geflohen waren.

Benny Gantz, Minister in Israels Kriegskabinett, hatte am Sonntag deutlich gemacht: «Die Welt muss wissen und die Hamas-Führer müssen wissen, dass die Kämpfe weitergehen und sich auf Rafah ausweiten werden, wenn unsere Geiseln bis zum Ramadan nicht zu Hause sind».

Ob die internationalen Vermittler bis zum Beginn des muslimischen Fastenmonats am 10. März eine Feuerpause und die Freilassung von Geiseln aushandeln können, ist jedoch ungewiss.

Über einen eigenen amerikanischen Resolutionsentwurf wurde im Weltsicherheitsrat zunächst nicht abgestimmt. Der Text enthält Passagen, die eine Distanzierung der USA gegenüber dem israelischen Militäreinsatz andeuten. So heisst es unter anderem mit Bezug auf israelische Rafah-Pläne, dass «eine derart grosse Bodenoffensive unter den gegenwärtigen Umständen nicht durchgeführt werden» dürfe. Auch enthält der Text die Forderung nach einer «vorübergehenden Waffenruhe in Gaza so bald wie möglich».

Die Schweiz bedauere das Abstimmungsergebnis, teilte das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Dienstagabend mit.

Die Schweiz habe die Resolution unterstützt, hiess es weiter. Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen habe man betont, dass der Aufruf zu einem sofortigen humanitären Waffenstillstand in Gaza im Einklang mit der kollektiven Verpflichtung des Sicherheitsrats stehe. Man könne nicht zulassen, dass Hunderttausende belagerte Zivilisten dem Hunger und den Epidemien überlassen würden, ohne angemessene Sicherheitsgarantien - sei es für die Bereitstellung humanitärer Hilfe oder für ihren eigenen Schutz.

Bei den Verhandlungen über den Resolutionsentwurf habe sich die Schweiz massgeblich dafür eingesetzt, dass die Forderung nach der sofortigen und bedingungslosen Freilassung aller Geiseln, die Einhaltung des Völkerrechts und der Schutz der Zivilbevölkerung im Resolutionstext verankert werden.

Der Bund rief die Konfliktparteien auf seiner Website weiter auch dazu auf, die im Dezember und November 2023 verabschiedeten Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats zur Lage vor Ort unverzüglich umzusetzen.

Dringend erforderlich seien die sofortige Freilassung der Geiseln, ein humanitärer Waffenstillstand, der ungehinderte Zugang für humanitäre Hilfe nach Gaza sowie die vollständige Einhaltung des humanitären Völkerrechts und der Menschenrechte durch alle Parteien. Auf dieser Grundlage sollte dann auf einen politischen Dialog hingearbeitet werden, mit dem Ziel einer Zwei-Staaten-Lösung. (sda/dpa)
16:37
US-Veto: UN-Resolution mit Forderung nach Gaza-Waffenruhe scheitert
epa11167399 Palestinian children who fled with their families from the northern Gaza Strip and Rafah town, outside their shelters in Deir Al Balah, southern Gaza Strip, 20 February 2024. Since 07 Octo ...
Bild: keystone
Im Weltsicherheitsrat ist ein Resolutionsentwurf mit der Forderung nach einer sofortigen Waffenruhe im Gazastreifen gescheitert. Die USA legten am Dienstag in New York ein Veto gegen die Beschlussvorlage von Ratsmitglied Algerien ein. (sda/dpa)
22:57
WHO: Deutlich mehr unterernährte Kinder im Gazastreifen
Im Zuge des Krieges im Gazastreifen ist die Zahl der unterernährten Kinder nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO stark angestiegen. Untersuchungen im Norden der Region hätten ergeben, dass dort 15,6 Prozent der Kinder – oder jedes sechste Kind unter zwei Jahren – akut unterernährt seien. «Davon leiden fast 3 Prozent unter schwerer Auszehrung, der lebensbedrohlichsten Form der Unterernährung», teilte die WHO am Montag mit. Da die Daten im Januar erhoben wurden, dürfte die Situation laut der Organisation gegenwärtig noch schlimmer sein. Insgesamt seien die Zahlen gegenüber der Zeit vor dem Krieg um ein Vielfaches angestiegen.

Ähnliche Untersuchungen in Rafah im südlichen Gazastreifen hätten ergeben, dass dort 5 Prozent der Kinder unter 2 Jahren akut unterernährt sind. Im Süden ist mehr humanitäre Hilfe verfügbar als im Norden. Deshalb wertet die WHO die Zahlen als klaren Beweis dafür, dass der Zugang zu Hilfsgütern notwendig ist und dazu beitragen kann, die schlimmsten Folgen von Hunger zu verhindern. Im Zuge des Gaza-Krieges ist in den Gazastreifen wesentlich weniger humanitäre Hilfe gelangt als zuvor. (sda/dpa)
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