Taliban kassieren bei Asienflügen mit – Tickets teils massiv verteuert
Krieg in der Ukraine, Krieg im Iran – die aktuellen Konflikte hinterlassen auch im Reiseverkehr ihre Spuren. Der russische Luftraum ist für europäische Fluggesellschaften seit mehr als drei Jahren gesperrt, Flüge über den Persischen Golf sind Anfang März ebenfalls unmöglich geworden. Die alternativen Routen von Europa nach Asien sind deutlich länger, ausserdem treiben die steigenden Kerosinpreise die Kosten für Flugtickets nach oben.
«Taliban kassieren bei Urlaubsflügen mit»
Aber nicht nur der teure Treibstoff lässt die Preise ansteigen. Ein weiterer Grund sind nach Recherchen des Magazins «Spiegel» auch die erhöhten Überfluggebühren der Taliban. Die politischen Führer Afghanistans hätten gemerkt, «wie dringend der Westen diesen Korridor braucht», schreibt «Spiegel»-Redakteur Martin U. Müller in einem Linkedin-Beitrag. «Die Taliban kassieren jetzt an europäischen Urlaubsflügen mit. Das ist keine Pointe, das ist Realität. Wer heute mit einer westlichen Fluglinie nach Tokio oder Bangkok fliegt, überquert mit hoher Wahrscheinlichkeit den Luftraum von Kabul», so Müller.
Um genau zu sein, führt dieser schmale Korridor, mit dem europäische Fluggesellschaften beide Sperrräume gleichzeitig umgehen können, über die Türkei, Georgien, Aserbaidschan, Turkmenistan, Afghanistan, Pakistan und Indien. «Der Streifen Himmel ist heute so frequentiert wie nie seit dem Abzug westlicher Streitkräfte 2021», heisst es. Die Zahl der täglichen Überflüge habe sich bereits 2025 auf rund 280 verfünffacht. «Die Taliban haben die gestiegene Frequenz bemerkt und die Überfluggebühren für den Luftraum von Kabul mit ihrer Machtübernahme erhöht», so der «Spiegel» weiter.
Tickets wurden sechsmal teurer
Das macht sich beim Endverbraucher stark bemerkbar. Die Ticketpreise auf zentralen Strecken von Asien nach Europa sind laut Daten der Alton Aviation Consultancy vom März gegenüber dem Vormonat um bis zu 560 Prozent gestiegen:
- Bangkok nach Frankfurt: von 410 auf 2484 Euro
- Hongkong nach London: von 435 auf 2872 Euro
- Sydney nach London: von 634 auf 3354 Euro
Für Reisende, die ihre Sommerferien in Asien verbringen wollten, ist die Lage kompliziert. Europäische Fluggesellschaften und Reiseanbieter stecken in der Zwickmühle. Einzig die Turkish Airlines gelten als Gewinner, da Istanbul sich aus der Sanktionsoffensive heraushielt und ausserdem geografisch ideal für Flüge Richtung Osten liegt. Auch chinesische Fluglinien dürfen den russischen Luftraum nutzen, wickeln ihren Verkehr aber kaum über deutsche Flughäfen ab.

