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Krieg in Gaza: Die Aussagen von Hamas-Chef Sinwar im Überblick

FILE - Yahya Sinwar, head of Hamas in Gaza, chairs a meeting with leaders of Palestinian factions at his office in Gaza City, Wednesday, April 13, 2022. The Hamas officials are accused by the ICC of p ...
Der Gaza-Chef der Hamas, Yahya Sinwar, ist seit dem Angriff vom 7. Oktober 2023 auf Israel nicht mehr öffentlich gesehen worden.Bild: keystone

«Hätte nicht passieren dürfen»: Aussagen von Hamas-Chef Sinwar überraschen

Eine US-Zeitung veröffentlicht mehrere geleakte Aussagen des Hamas-Chefs in Gaza, Yahya Sinwar. Unter anderem gibt es Stellungnahmen zum Umgang mit zivilen Opfern oder dem Angriff vom 7. Oktober, welche ziemlich brisant sind. Die wichtigsten Aussagen im Überblick.
12.06.2024, 04:5712.06.2024, 13:55
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Yahya Sinwar ist der militärische Führer der Hamas im Gaza-Streifen. Seit dem Angriff der Terrororganisation auf Israel am 7. Oktober 2023 wurde er nicht mehr öffentlich gesehen. Man geht davon aus, dass er sich im Tunnel-Labyrinth der Hamas in Gaza versteckt. Der Gaza-Chef der Hamas spricht in den vom «Wall Street Journal» publizierten Aussagen über ...

Hinweis zur Herkunft der Aussagen
Veröffentlicht wurden die Aussagen vom Wall Street Journal. Der Zeitung liegen laut eigenen Angaben Dutzende solcher Dokumente mit Aussagen Sinwars vor. Unter anderem handle es sich dabei auch um Nachrichten, die der Hamas-Gaza-Chef an die Waffenstillstandsvermittler geschickt hatte. Wie die Zeitung an diese Dokumente gelangte und in welcher Form – Audio, Video oder Text – sie existieren, gab sie nicht bekannt.

... die aktuelle Lage Israels

Sinwars Ansicht nach hat die Hamas mittlerweile die Oberhand im Konflikt mit Israel gewonnen. Er sagte in den durchgesickerten Nachrichten gegenüber anderen Hamas-Führern:

«Wir haben die Israelis genau da, wo wir sie haben wollen.»

... die zivilen Todesopfer auf palästinensischer Seite

Die Aussagen mögen aufgrund der exorbitanten Opferzahlen auf der eigenen Seite paradox wirken. Doch weitere Statements geben einen Einblick in die radikale Denkweise des Hamas-Führers. In einer weiteren Botschaft an andere ranghohe Hamas-Mitglieder soll er die Toten als «notwendige Opfer» bezeichnet haben. Er verwies dabei auch auf frühere Unabhängigkeitskriege in anderen Ländern wie Algerien.

Diese Sichtweise soll Sinwar auch in früheren Wortwechseln schon vertreten haben. Als Israel im Februar eine Frist setzte, und noch vor Ramadan-Beginn mit einem Einmarsch in der Stadt Rafah drohte, habe Sinwar die politische Führung der Hamas angewiesen, keine Zugeständnisse zu machen. Er erklärte demzufolge, dass hohe zivile Opferzahlen auf palästinensischer Seite den internationalen Druck auf Israel derart anwachsen lassen würden, dass der Erzfeind gezwungen sei, den Konflikt von sich aus zu beenden.

epa11397517 Injured Palestinians at Al Awda hospital during an Israeli military operation in Al Nusairat refugee camp in the central Gaza Strip on, 08 June 2024. More than 36,000 Palestinians and over ...
Das Leid der Zivilbevölkerung in Gaza ist immens. Bisher starben rund 37'000 Menschen, über 80'000 wurden verletzt.Bild: keystone

... den Angriff am 7. Oktober

Auch zum Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober gibt es Aussagen von Sinwar – und diese sind durchaus überraschend. Der 62-Jährige gilt als Kopf hinter dem brutalen Grossangriff der Terroristen. Laut den veröffentlichten Nachrichten lief dieser aber nicht genau so ab, wie Sinwar das gerne gehabt hätte. Er zeigte sich von der Brutalität einiger seiner Krieger «überrascht». Unter anderem sagte er:

«Die Lage geriet ausser Kontrolle.»

Damit seien in erster Linie «einzelne Banden gemeint, welche Zivilistinnen und Kinder als Geiseln nahmen». Die Geiselnahme von Frauen und Kindern sei demzufolge nicht geplant gewesen. Sinwar weiter:

«Die Leute wurden da hineingezogen, und das hätte nicht passieren dürfen.»

Noch immer sollen über 100 Geiseln in Gaza gefangen gehalten werden. Wie viele davon noch am Leben sind, ist nicht bekannt. Kürzlich sorgte eine verheerende Befreiungsaktion der israelischen Armee für Schlagzeilen. Zwar wurden vier Geiseln befreit, jedoch starben während der Kämpfe mit der Hamas auf palästinensischer Seite zahlreiche Zivilisten. Die Angaben zu den Opferzahlen variieren zwischen unter 100 (laut Israel) und bis zu 274 (laut Hamas).

... Spannungen in der Hamas

Weitere Aussagen zeigen auch, dass Sinwar nicht mit allem einverstanden war und ist, was andere ranghohe Hamas-Mitglieder machen. So hatte er unter anderem ein Treffen zwischen der politischen Führung der Hamas in Gaza mit anderen palästinensischen Gruppen als «beschämend und empörend» kritisiert. Er führte aus:

«Solange noch Kämpfer im Einsatz sind und wir den Krieg nicht verloren haben, sollten solche Kontakte sofort beendet werden.»

... die Zukunft des Konflikts

Die Aussage deutet womöglich darauf hin, dass Sinwar es als zu früh erachtet, Überlegungen zu einer Nachkriegsordnung in Gaza anzustellen. Denn er erklärte weiter:

«Wir verfügen über die Kapazitäten, die Kämpfe noch Monate lang fortzusetzen.»

Es wird zudem deutlich, dass Sinwar fest davon überzeugt ist, auf dem richtigen Weg zu sein, und dass sein Plan aufgeht:

«Wir müssen auf demselben Weg weitermachen, den wir begonnen haben.»

Er zog diesbezüglich einen historischen Vergleich, der tief blicken lässt:

«Oder lasst es ein neues Kerbela werden.»

Kerbela ist eine Stadt in der Wüste im Zentrum des Irak. Sie hat eine historisch immens wichtige Bedeutung für den Islam und gilt als Synonym für einen der dunkelsten Momente in der Geschichte der Religion. Im 7. Jahrhundert wurde dort der letzte Enkel und mit ihm über 30 Nachfahren des Propheten und Religionsbegründers Mohammed ermordet. Der Vorfall gilt als Moment der Entstehung des politischen Islam.

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223 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Sarah.J.M.
12.06.2024 05:39registriert April 2024
Die Aussagen erinnern irgendwie an Hitler's Reden und Sprüche in der letzten Phase des Krieges, wo der Realitätsverlust die Realitätsverweigerung endgültig überholt hat. Auch hier schiebt der 'Führer' in seinem Bunker noch Einheiten auf der Karte rum, welche schon lange nicht mehr exisiteren, opfert die Zivilisten für seinen Wahn und hält krankhaft an seiner Ideologie fest.
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Radio Eriwan
12.06.2024 06:18registriert Dezember 2022
Aber Hamas-Fans und Antisemiten werden auch dazu irgendwelche Relativierungen und Whataboutismus erfinden.
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Juana
12.06.2024 06:11registriert Mai 2024
Ist es überraschend, dass Terroristen auf Kosten des Lebens eigener Mitmenschen Politik machen? Sie töten alle, ob Freund oder Feind. Nur verwöhnte Jugendliche die sich als werdende Akademiker fühlen , demonstrieren ihr Manko an wissen und Bildung. Sie besetzen Universitäten und wählen rechtsnationale. Das ist der Niedergang jeglicher Zivilisation; eben dumm, manipulierbar und ungebildet.
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