Yahya Sinwar ist der militärische Führer der Hamas im Gaza-Streifen. Seit dem Angriff der Terrororganisation auf Israel am 7. Oktober 2023 wurde er nicht mehr öffentlich gesehen. Man geht davon aus, dass er sich im Tunnel-Labyrinth der Hamas in Gaza versteckt. Der Gaza-Chef der Hamas spricht in den vom «Wall Street Journal» publizierten Aussagen über ...
Sinwars Ansicht nach hat die Hamas mittlerweile die Oberhand im Konflikt mit Israel gewonnen. Er sagte in den durchgesickerten Nachrichten gegenüber anderen Hamas-Führern:
Die Aussagen mögen aufgrund der exorbitanten Opferzahlen auf der eigenen Seite paradox wirken. Doch weitere Statements geben einen Einblick in die radikale Denkweise des Hamas-Führers. In einer weiteren Botschaft an andere ranghohe Hamas-Mitglieder soll er die Toten als «notwendige Opfer» bezeichnet haben. Er verwies dabei auch auf frühere Unabhängigkeitskriege in anderen Ländern wie Algerien.
Diese Sichtweise soll Sinwar auch in früheren Wortwechseln schon vertreten haben. Als Israel im Februar eine Frist setzte, und noch vor Ramadan-Beginn mit einem Einmarsch in der Stadt Rafah drohte, habe Sinwar die politische Führung der Hamas angewiesen, keine Zugeständnisse zu machen. Er erklärte demzufolge, dass hohe zivile Opferzahlen auf palästinensischer Seite den internationalen Druck auf Israel derart anwachsen lassen würden, dass der Erzfeind gezwungen sei, den Konflikt von sich aus zu beenden.
Auch zum Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober gibt es Aussagen von Sinwar – und diese sind durchaus überraschend. Der 62-Jährige gilt als Kopf hinter dem brutalen Grossangriff der Terroristen. Laut den veröffentlichten Nachrichten lief dieser aber nicht genau so ab, wie Sinwar das gerne gehabt hätte. Er zeigte sich von der Brutalität einiger seiner Krieger «überrascht». Unter anderem sagte er:
Damit seien in erster Linie «einzelne Banden gemeint, welche Zivilistinnen und Kinder als Geiseln nahmen». Die Geiselnahme von Frauen und Kindern sei demzufolge nicht geplant gewesen. Sinwar weiter:
Noch immer sollen über 100 Geiseln in Gaza gefangen gehalten werden. Wie viele davon noch am Leben sind, ist nicht bekannt. Kürzlich sorgte eine verheerende Befreiungsaktion der israelischen Armee für Schlagzeilen. Zwar wurden vier Geiseln befreit, jedoch starben während der Kämpfe mit der Hamas auf palästinensischer Seite zahlreiche Zivilisten. Die Angaben zu den Opferzahlen variieren zwischen unter 100 (laut Israel) und bis zu 274 (laut Hamas).
Weitere Aussagen zeigen auch, dass Sinwar nicht mit allem einverstanden war und ist, was andere ranghohe Hamas-Mitglieder machen. So hatte er unter anderem ein Treffen zwischen der politischen Führung der Hamas in Gaza mit anderen palästinensischen Gruppen als «beschämend und empörend» kritisiert. Er führte aus:
Die Aussage deutet womöglich darauf hin, dass Sinwar es als zu früh erachtet, Überlegungen zu einer Nachkriegsordnung in Gaza anzustellen. Denn er erklärte weiter:
Es wird zudem deutlich, dass Sinwar fest davon überzeugt ist, auf dem richtigen Weg zu sein, und dass sein Plan aufgeht:
Er zog diesbezüglich einen historischen Vergleich, der tief blicken lässt:
Kerbela ist eine Stadt in der Wüste im Zentrum des Irak. Sie hat eine historisch immens wichtige Bedeutung für den Islam und gilt als Synonym für einen der dunkelsten Momente in der Geschichte der Religion. Im 7. Jahrhundert wurde dort der letzte Enkel und mit ihm über 30 Nachfahren des Propheten und Religionsbegründers Mohammed ermordet. Der Vorfall gilt als Moment der Entstehung des politischen Islam.