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Panama's President Juan Carlos Varela, right, poses for a photo with Nobel economics laureate Joseph, center, and Mark Pieth, a professor of criminal law and criminology at the University of Basel, in Panama City, Friday, April 29, 2016. The government of Panama has established a committee of independent experts to make recommendations on cleaning up the country's financial system, after leaks of documents from the Panamanian law firm Mossack Fonseca caused an international uproar over offshore accounts. The advisory group includes Stiglitz and Pieth. (AP Photo/Arnulfo Franco)

Da lächelten sie noch zufrieden: Panamas Präsident Juan Carlos Varela posiert mit Joseph Stiglitz und Mark Pieth (von rechts). Bild: Arnulfo Franco/AP/KEYSTONE

Eklat im Panama-Papers-Skandal – Bekannte Finanzexperten schmeissen den Bettel hin

Der US-Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz und der Schweizer Rechtsprofessor Mark Pieth ziehen sich aus Protest zurück.



In der Expertenkommission, die nach dem Panama-Papers-Skandal in Panama das Finanzsystem durchleuchten sollte, ist es zum Eklat gekommen: Der US-Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz und der Schweizer Rechtsprofessor Mark Pieth ziehen sich aus Protest zurück.

Pieth und Stiglitz schrieben in einer Erklärung, die sie am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters schickten, dass die Regierung Panamas die Arbeit der Experten habe einschränken wollen. So habe sie nicht zusichern wollen, dass der Schlussbericht veröffentlicht wird. Dies laufe auf Zensur hinaus, hätten sie der Regierung mitgeteilt.

Geflecht von Briefkastenfirmen

Das Gremium, das Stiglitz leitete, war im April nach dem Skandal um die sogenannten Panama Papers geschaffen worden. Dabei ging es um Millionen entwendeter und der Presse zugespielter Dokumente der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, die ein weites Geflecht von Briefkastenfirmen aufdeckten, das auch der Steuerhinterziehung diente.

Die Experten sollten Vorschläge für eine verbesserte Transparenz des südamerikanischen Finanzplatzes erarbeiten. Sie sollten unter anderem zeigen, wie in Zukunft verhindert werden kann, dass der Finanzplatz Panama für Geldwäscherei und illegale Geschäfte missbraucht wird. Im Herbst sollte die Kommission ihre Empfehlungen abgeben.

«Relativ grober Brief»

Beim ersten Treffen in Vollbesetzung Anfang Juni in New York habe die Arbeitsgruppe klargemacht, dass die Regierung sich dazu bekennen müsse, den Schlussbericht zu veröffentlichen, unabhängig vom Ergebnis, hiess es in der Erklärung von Stiglitz und Pieth.

Ende Juli hätten sie aber einen «relativ groben Brief» von der stellvertretenden Aussenministerin Panamas erhalten, sagte der Antikorruptions-Experte Pieth im Interview mit der «SonntagsZeitung», das auf Online-Seiten des Newsnet-Netzwerks erschien. «Er hielt fest, dass es alleine dem Präsidenten Panamas obliege, unsere Ergebnisse allenfalls zu veröffentlichen.»

Stiglitz und er selbst seien der Ansicht, dass «wir keine Geheimberichte schreiben», sagte Pieth, Rechtsprofessor an der Universität Basel, weiter. Wenn man einen sauberen Finanzplatz wolle, sei Transparenz das oberste Gebot.

Druck der Finanzindustrie vermutet

Die Experten hätten unter anderem gefordert, dass OECD-Anforderungen und der automatische Informationsaustausch auch tatsächlich umgesetzt würden. «Dazu gehört im Wesentlichen, dass die tatsächlichen Besitzer von Briefkastenfirmen identifiziert werden.» Das sei bei der Regierung und der Finanzindustrie kaum auf Gegenliebe gestossen.

Aus den Äusserungen der Regierung lasse sich «einzig schliessen, dass die Regierung von jenen unter Druck gesetzt wurde, die vom heutigen intransparenten Finanzsystem profitieren», liess sich Stiglitz von Reuters zitieren. Es sei erstaunlich, wie sehr die Regierung versucht habe, die Experten zu untergraben.

Kommission will weitermachen

Panamas Regierung bedauerte in einer Erklärung vom Freitag den Rückzug von Stiglitz und Pieth. Sie sprach von nicht näher definierten «internen Differenzen» und betonte erneut die Unabhängigkeit des Gremiums.

Alberto Aleman, eines der fünf verbliebenen Kommissionsmitglieder und früherer Verwaltungsbeamter in Panama, wies derweil den Vorwurf der mangelnden Transparenz zurück. Die übrigen Kommissionsmitglieder, von denen vier aus Panama stammen, würden ihre Arbeit fortsetzen.

«Der Bericht muss dem Präsidenten von Panama abgeliefert werden und der Präsident von Panama wird entscheiden, wann und in welcher Form dieser öffentlich gemacht wird», sagte Aleman.

(dsc/sda/reu)

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    Alle Leser-Kommentare
  • _kokolorix 06.08.2016 10:05
    Highlight Highlight Damit ist schon klar, dass sich überhaupt nix ändern wird. Die Reichen Säcke werden weiterhin einen Spielplatz zum bescheissen haben. Wenn ihre Namen nicht öffentlich gemacht werden, gibt es keinen Grund irgendwo Steuern zu zahlen. Ich hoffe sehr, dass die Dokumente noch jemand anderem zugänglich werden. Allein der Umfang der Unterlagen zeigt doch wie enorm und weitverbreitet das Problem ist.
  • pamayer 06.08.2016 09:54
    Highlight Highlight So, so. Also wird sich die Öffentlichkeit mit der Version 'gouvernement Panama' zufrieden geben müssen.
    Vielleicht passiert auch noch was überraschendes.
    Werden's sehen.
  • Homes8 06.08.2016 09:54
    Highlight Highlight Was anderes hätte mich echt überrascht.

    Erstaunlich, wir haben Supercomputer für alles mögliche, nur nicht um aufzuzeigen, wem was gehöhrt.
  • zombie woof 06.08.2016 09:04
    Highlight Highlight Bei Panama Papers geht es nicht um das Sparkässeli mit Geranien vor dem Fenster irgendwo auf dem Land, hier mischen ganz Mächtige mit, die nicht bereit sind, sich von irgendwelchen Experten ans Bein pinkeln zu lassen.
  • elivi 06.08.2016 08:44
    Highlight Highlight Anscheinend will die Regierung etwas verheimlichen. Der Bericht wird, egal ob veröffentlicht oder nicht, jetzt eh nicht mehr glaubwürdig sein.

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