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Krimiautor Jo Nesbø sah die Probleme in Minnesota voraus

epa12645189 Federal law enforcement officials deploy tear gas during a confrontation with community members in Minneapolis, Minnesota, USA, 12 January 2026. As part of a federal immigration crackdown  ...
Trumps ICE-Polizisten sorgen für bürgerkriegsähnliche Zustände.Bild: keystone
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Krimiautor Jo Nesbø sah die Probleme in Minnesota voraus

Jo Nesbø sticht mit seinem starken neuen Thriller «Minnesota» ins amerikanische Herz der Finsternis: Er beschreibt meisterhaft, wie gute Menschen zu Monstern werden können.
01.02.2026, 20:4301.02.2026, 20:43
Julian Schütt / ch media

Gute Thriller-Autoren erfinden Schreckensszenarien, in denen sie reale Ereignisse und Entwicklungen voraussehen. Sie sind genauer am Puls der Zeit als ihre Kolleginnen und Kollegen von der ernsten Literatur, die oft nur ihre persönlichen Probleme ausbreiten. Krimischriftsteller wollen zuerst einmal gut unterhalten und schmuggeln ihre brisanten sozialen und politischen Diagnosen wie beiläufig in die Story hinein.

Einer, der das meisterhaft beherrscht, ist der 65-jährige norwegische Thriller-Gott Jo Nesbø. Mit seinem jüngsten Roman «Minnesota» (2025), der soeben auf Deutsch erschien, sticht er ins amerikanische Herz der Finsternis. Er, der teilweise in den USA aufgewachsen ist und sich immer wieder dort aufhält, erzählt davon, was die aktuellen Ereignisse im Bundesstaat Minnesota und speziell in Minneapolis ermöglicht hat.

ICE-Truppen treten wie Trumps Gestapo auf

Seit einem Monat macht die Abschiebebehörde ICE ihrem Schimpfnamen als Trumps Gestapo alle Ehre. In diesem Januar erschossen ICE-Agenten zwei unbescholtene US-Bürger. In Razzien gegen Immigrierte geht die Behörde äusserst brutal vor. Sogar einen fünfjährigen Jungen steckte sie ins Gefängnis. Erst nach heftigen Protesten zog der US-Präsident einen Kommandanten aus Minneapolis ab. Auch konservative Stimmen in den Vereinigten Staaten haben Angst vor einem Bürgerkrieg und diktatorischen Verhältnissen.

«Auch gute Menschen können Monster werden»: Autor Jo Nesbø.
«Auch gute Menschen können Monster werden»: Autor Jo Nesbø.bild: Eva Manhart

Jo Nesbø ist überzeugt, dass Demokratie und Meinungsfreiheit in Trumps USA keinen hohen Stellenwert mehr besitzen. Gewalt sei in viel grösserem Ausmass präsent als in Europa. Im Roman lässt er einen Einwohner von Minneapolis sagen: Nach dem, was in der Stadt vorgefallen sei, «ist hier nichts mehr so wie früher».

Unter Trump kriegt die Mittelklasse «auf die Fresse»

Er meint die Ermordung des schwarzen Einwohners George Floyd durch einen Polizisten im Jahr 2020. Das Ereignis habe die Stadt, in der viele Immigrierte leben, «zerrissen» und die Menschen extrem polarisiert. Dann sei gleich die Covid-Pandemie gekommen. In den 80ern litt die Stadt bereits an der Crack-«Pest». Hinzu kommt, dass längst nicht mehr nur die Ärmsten und Wehrlosen «auf die Fresse» kriegen, wie es im Buch heisst, sondern auch die Mittelklasse, die einst «das Rückgrat dieses Landes waren, jetzt der Dreck in der Mitte sind».

Sowohl unter den Immigrierten als auch unter den Weissen hoffen zwar viele auf den amerikanischen Traum, doch der erfülle sich vorwiegend für die Reichen und Mächtigen, die immer reicher und mächtiger werden. Wie Nesbø im Roman schreibt, würden die USA, was den amerikanischen Traum angeht, «ziemlich weit abgeschlagen auf der Liste der sozialen Mobilität rangieren», noch hinter ehemaligen Ostblock-Ländern.

epa12678540 Federal officers use pepper spray on protesters as they confront police following a fatal shooting in Minneapolis, Minnesota, USA, 24 January 2026. Tensions rose in the city after federal  ...
Zerrissene USA: Trumps ICE-Schergen gehen brutal gegen die Zivilbevölkerung vor.Bild: EPA

Der Erzähler ist ein norwegischer Schriftsteller, der viel mit Nesbø gemeinsam hat und eine fiktive Mordserie in Minneapolis recherchiert, die 2016 stattfand, als noch alle glaubten, Hillary Clinton werde gegen das Grossmaul Donald Trump siegen. Minnesota wählt seit 50 Jahren verlässlich demokratisch, auch Minneapolis wird von einem Demokraten regiert. Dennoch gibt es viele, vor allem Weisse, die konservativ und rassistisch denken.

Als eine der grössten Freiheiten gilt in Minnesota das Recht auf Waffenbesitz. Die National Rifle Association RFA ist allmächtig. Der Bürgermeister von Minneapolis ist im Roman ihr grösster Lobbyist und schafft es, dass die gigantische Jahreskonferenz der RFA in der Stadt abgehalten wird. Allerdings hat es der Serienmörder genau auf Waffenhändler und -lobbyisten abgesehen, und es verdichten sich die Indizien, dass er an der Jahreskonferenz einen Anschlag auf den Bürgermeister plant.

Wie und warum Polizisten die Kontrolle verlieren

Das ist unglaublich spannend und atmosphärisch dicht erzählt. Aber noch mehr zieht einen in den Bann, wie der Autor Polizisten beschreibt, die völlig die Kontrolle verlieren. Sie schlagen schnell zu, wieder und wieder, bis das Nasenbein des Opfers gebrochen ist. Und noch auf den zusammengesackten Körper prügeln sie ein, bis das Blut aus dem Gesicht pumpt. Erst dann wird der Polizist von den Kollegen weggezogen.

Nesbø zeigt, wie und warum die Gewalt unter Beamten eskaliert. Private Desaster und Polizeiarbeit geraten durcheinander. Rivalitäten und rassistische Vorurteile im Corps führen dazu, dass man einander torpediert statt unterstützt. Manche fühlen sich von Trump bestätigt, der schon im Wahlkampf 2016 den Standpunkt vertrat, die Polizei müsse bei Verhaftungen härter zu Werke gehen. Zudem stecken etliche Beamte mit Kriminellen unter einer Decke. Wer wissen will, wie aus guten Menschen Monster werden können – im brillanten Thriller «Minnesota» von Jo Nesbø erfährt man es.

Jo Nesbø: Minnesota. Kriminalroman. Ullstein, 416 Seiten. (bzbasel.ch)

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Minnesota Proteste gegen ICE
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Minnesota Proteste gegen ICE
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18 Kommentare
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Steibocktschingg
01.02.2026 21:11registriert Januar 2018
Es gibt noch ein anderes Buch von einem Krimiautor, in dem er schon vor Jahren das Chaos eines nicht kontrollierbaren Präsidenten, der per Dekret regiert und das Land an den Rand eines Bürgerkriegs bringt, thematisiert hat: Das Washington-Dekret von Jussi Adler-Olsen

Nur: Während der Präsident dort irgendwann zur Vernunft kam, zurücktrat und sich den Konsequenzen seines Handelns stellte wird das in Realität nicht passieren, weil genau dieses Chaos das Ziel ist...
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slnstrm
01.02.2026 21:05registriert August 2023
Warum Menschen so was tun? Der Anfang ist immer die Entmenschlichung. Sie nannten z.B. Japaner Lice oder Rats, Vietnamesen Gooks oder Charlie... Sobald etabliert, darf man alles tun und da gibt es dann den Prozentsatz der das ausserordentlich geniesst...
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Spektralist
01.02.2026 21:58registriert August 2025
Die Einleitung ist ja hanebüchener Unsinn, bei aller Liebe. Ein Thriller ist einfach nur ein Geschichte (Buch oder Film), der starke Spannung darstellen, bzw. erzeugen soll.
Das Genre "Thriller" hat in keiner Weise (ausser vielleicht des Subgenres "Politthriller") etwas mit dem "Voraussehen realer Ereignisse und Entwicklungen" zu tun.
Und was, bitte, soll die Bezeichnung "Thriller-Gott", ausser der Glorifizierung, derer ein Artikel ohne "Kommentar"-Kennzeichnung nun wirklich nicht würdig ist?
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