Putin nimmt den nächsten Staat ins Visier
Das kleine Land Armenien hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter an den Westen angenähert. So fand etwa der Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft in der vergangenen Woche erstmals in der Hauptstadt Eriwan statt. Damit entfernt sich die Kaukasusrepublik zunehmend von der einstigen Schutzmacht Russland.
Dieser Umstand dürfte Kremlchef Wladimir Putin sauer aufstossen – und könnte dazu führen, dass Moskau versucht, sich in die armenische Innenpolitik einzumischen. Hinweise darauf gibt ein bisher geheimes Dokument, über das das schwedische Magazin «Blankspot» berichtet. Das Papier mit dem Titel «Programm für die Arbeit in der Anti-Paschinjan-Richtung für 2026» beschreibt Massnahmen, um die Unterstützung für die Regierung von Ministerpräsident Nikol Paschinjan zu verringern.
So plane Russland etwa die Ausweitung pro-russischer Inhalte in sozialen Netzwerken wie Facebook, TikTok, Instagram und YouTube. Die Reichweite entsprechender Inhalte solle von bislang rund einer Million auf bis zu drei Millionen Aufrufe pro Tag steigen.
Armenien fordert Unterstützung von der EU
Ausserdem ist laut dem Bericht vorgesehen, die Zahl regierungsfeindlicher Meinungsführer im Netz deutlich auszubauen. Einzelne oppositionelle Kandidaten sollten demnach bei ihrer Online-Präsenz unterstützt werden. Das Papier erwähnt zudem sogenannte «False-Flag»-Kampagnen in sozialen Medien sowie koordinierte Kommentaraktionen gegen Mitglieder der Regierungspartei «Civil Contract».
Die armenische Regierung hatte bereits Ende 2025 Unterstützung der Europäischen Union gegen mögliche russische Einflussnahme angefordert. EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas erklärte laut «Blankspot», dieselben Netzwerke, die zuvor in Moldau aktiv gewesen seien, arbeiteten inzwischen auch in Armenien.
Datensatz wohl durch Hack erbeutet
Im April hatte der Facebook-Konzern Meta nach eigenen Angaben rund 70 gefälschte Konten und Seiten in Armenien gelöscht. Zudem verwiesen Cybersicherheitsexperten zuletzt auf mutmassliche Phishing-Angriffe aus Russland.
Der schwedische Sicherheitsexperte Patrik Oksanen sagte dem Magazin, das Dokument passe zu bekannten Mustern russischer Einflussoperationen. Ziel sei weniger klassische Propaganda als vielmehr die Förderung von Misstrauen, Polarisierung und politischer Resignation.
«Blankspot» schreibt, das brisante Dokument sei Teil eines Datensatzes, der bei einem Hackerangriff auf eine Person aus dem Umfeld russischer Geheimdienste gesichert worden sei. Der Mann soll in Armenien an politischen Veranstaltungen teilgenommen und sich wiederholt öffentlich gegen eine Annäherung des Landes an den Westen ausgesprochen haben.
Ministerpräsident steht unter Druck
Bei der Wahl im Juni tritt Paschinjans Partei «Civil Contract» unter anderem gegen die neue Partei «Starkes Armenien» des russisch-armenischen Unternehmers Samwel Karapetjan an. Umfragen sehen die Regierungspartei derzeit weiterhin vorn.
Paschinjan steht innenpolitisch jedoch unter Druck. Nach der Offensive Aserbaidschans in Bergkarabach im Jahr 2023 mussten mehr als 100'000 Armenier aus der Region fliehen. Kritiker werfen der Regierung zudem vor, angekündigte Reformen seit dem Machtwechsel 2018 nur teilweise umgesetzt zu haben.
Am 7. Mai kündigte Paschinjan an, nicht an den Feierlichkeiten zum russischen «Tag des Sieges» in Moskau teilnehmen zu wollen.
Verwendete Quellen:
- blankspot.se: Confidential document reveals: Russia seeks to influence Armenia's election (Englisch)

