Schon 2022 hat Russland damit begonnen, Männer aus Afrika für seinen Angriffskrieg anzuwerben. In diesen Wochen scheint das Engagement dieser Söldner gegen die Ukraine aber neue Ausmasse anzunehmen. Ein jüngst in den sozialen Medien verbreitetes Videointerview mit einem Kriegsgefangenen aus Somalia beleuchtet hierzu die Hintergründe.
Der Kriegsgefangene Adil, der sich als 28-jähriger IT-Student aus der Hauptstadt Mogadischu ausgibt, erzählt, wie er unter Vorspiegelung falscher Tatsachen durch die russischen Rekrutierungsbehörden an die vorderste Front in der Ukraine geschickt worden ist. Zuvor habe seine militärische Ausbildung bloss wenige Wochen betragen.
Ohne klare Anweisungen durch die Offiziere seien die ersten Tage an der Front die «schlimmsten seines Lebens» gewesen. Ursprünglich als Lohnarbeiter mit einem Touristenvisum nach Russland gekommen, fühlte sich der Somalier durch die vielen Rekrutierungsplakate in Russland angesprochen. Die Aussicht auf einen russischen Pass und die hohe monatliche Entlöhnung versprachen ein Leben «wie ein König».
Jetzt, nach der Gefangennahme durch ukrainische Truppen, ruft er seine afrikanischen Landsleute dazu auf, nicht in russische Kriegsdienste zu treten. Es lohne sich nicht, dafür Leben und Gesundheit aufs Spiel zu setzen.
Wenngleich seinem von der ukrainischen Armee verbreiteten Aufruf propagandistische Absichten zugrunde liegen, so deckt sich der Erfahrungsbericht des Somaliers mit weiteren Informationen aus jüngster Zeit. Verschiedene Quellen beschreiben, wie Russland seine Werbeaktivitäten im In- und Ausland verstärkt hat, um die horrenden Verluste aus den jüngsten Angriffsoperationen auszugleichen.
Wie die US-Nachrichtenagentur «Bloomberg» vor Wochenfrist berichtete, ist der Kreml sogar dazu übergegangen, Tausende Gastarbeiter und ausländische Studenten zum Kriegsdienst zu zwingen, indem er ihnen mit dem Entzug der Aufenthaltsbewilligung und Ausweisung droht. Für eine Unterschrift unter den Militärkontrakt wird auch reichlich materielle Entschädigung in Aussicht gestellt.
Gemäss einer Meldung des ukrainischen Militärgeheimdienstes verspricht Russland neu Angeworbenen 2000 US-Dollar Handgeld und einen monatlichen Sold von 2200 US-Dollar, was ein Mehrfaches üblicher russischer Löhne darstellt. Der Armeevertrag wird zudem mit kostenloser Krankenversicherung und russischen Pässen für den Söldner und dessen Familie garniert.
Wenn derlei Konditionen bereits eine Verlockung für die rund 35'000 afrikanischen Studenten in Russland darstellen, dann üben sie in Afrika erst recht eine Anziehungskraft aus. Insbesondere in Ruanda, Burundi, Kongo und Uganda liefen die russischen Rekrutierungsbemühungen momentan auf Hochtouren, will man dem ukrainischen Militärgeheimdienst Glauben schenken.
Schon früher in diesem Jahr berichtete «Bloomberg», wie sich der Kreml zum Ziel gesetzt habe, für sein aus der aufgelösten Wagner-Söldnertruppe hervorgegangenes «Afrikakorps» 20'000 Soldaten zu rekrutieren. Das Ziel dieser neuen Söldnerarmee sei es, Russlands militärische und wirtschaftliche Interessen in Burkina Faso, Libyen, Mali, der Zentralafrikanischen Republik und Niger zu forcieren.
Jetzt scheint aber ein Teil davon, wenn nicht sogar das ganze Afrikakorps, an die ukrainische Front verlegt worden zu sein, um die dortigen Verluste auszugleichen. Das britische Verteidigungsministerium schrieb bereits Ende Mai, entsprechende Einheiten seien in der Gegend von Woltschansk, nordöstlich von Charkiw, beobachtet worden.
Laut diesen Angaben werden die Afrikaner gemeinsam mit den russischen Z-Sturmtruppen bei den verlustreichen Angriffen an vorderster Linie eingesetzt. Die in der Offensive gegen Charkiw festgestellte Einheit umfasse über 2000 Offiziere und Soldaten und sei unmittelbar dem russischen Verteidigungsministerium unterstellt. Viele von ihnen hätten als Wagner-Söldner bereits Kampferfahrung in Syrien, Libyen, Burkina Faso und Niger gesammelt.
Die britischen Analysten sehen es als «gesichert» an, dass Putins Afrikakorps seit diesem April von seinen ursprünglichen Aufgaben in Afrika entbunden worden ist, um an die ukrainische Front geschickt zu werden. Gleichzeitig vermelden die ukrainischen Behörden eine auffällige Anzahl von Ausländern unter den Kriegsgefangenen in jüngster Zeit, insbesondere Afrikaner und Nepalesen.
Der führende russische Oppositionspolitiker Mikhail Khodorkowsky geisselt den Kriegseinsatz von afrikanischen Söldnern als «moderne Form der Sklaverei». Wenn anstelle von Russen diese «entbehrlichen» Soldaten an der Front fallen, habe das für den Kreml gleich mehrere Vorteile: Nicht nur hätten die Behörden dann keine Probleme mit trauernden Familien, sondern es lohne sich auch finanziell für die Staatskasse.
An die Hinterbliebenen getöteter Wagner-Söldner musste die russische Regierung laut Khodorkowsky bisher 1,2 Milliarden US-Dollar an Witwen- und Waisenrenten entrichten. Würden hingegen afrikanische und asiatische Söldner an der Front getötet, gingen ihre Familienangehörigen leer aus.
RU nützt die prekären Verhältnisse in den afrik. Ländern schamlos aus. Das Geld werden sie sicher brauchen können, aber wie steht es mit der Motivation, der Ausbildung, der Kommunikation? RU setzt einfach weiter auf Masse – bös' gesagt auf weiteres "Kanonenfutter".
Und in ein paar Monaten herrscht in der UA dann wieder Winter: Wer es bis dahin geschafft hat, wird dann noch mit weiteren Problemen konfrontiert sein. Ein RU-Pass nützt dann auch nichts.
RU nähert sich langsam, aber sicher, dem Ende.