International
Russland

Kremlgegner Nawalny gründet «Ein-Mann-Gewerkschaft» im Lager

Kremlgegner Nawalny gründet «Ein-Mann-Gewerkschaft» im Lager

11.08.2022, 14:5111.08.2022, 14:51

Der in einem russischen Straflager inhaftierte Kremlgegner Alexej Nawalny hat eigenen Angaben zufolge eine Gewerkschaft gegründet.

«Hallo, hier spricht Nawalny - Anführer und Gründer der Gewerkschaft von Bürgern, die im Arbeitsbereich des Gefängnissystems angestellt sind», liess der 46-Jährige am Donnerstag über sein Team auf Twitter schreiben.

Der Fall Nawalny

1 / 11
Der Fall Nawalny
Der Kremlkritiker Alexej Nawalny wurde am 20. August in ein Krankenhaus in Sibirien eingeliefert. Nawalny hatte bei einer Reise in Sibirien in einem Flugzeug unter starken Schmerzen das Bewusstsein verloren.
quelle: sda / pavel golovkin
Auf Facebook teilenAuf X teilen

Rund 600 000 Menschen würden derzeit in Russlands Gefängnissen ausgebeutet, begründete Nawalny. Er werde sich bei Bedarf gerne auch um die Belange der Wärter kümmern: «Arbeitsrechtlich gibt es zwischen uns keine Unterschiede», stelle er fest. Die Lagerverwaltung habe sein formell beantragtes Unterfangen erst für einen Witz gehalten und dann für «illegal» erklärt.

Früher habe er andere Menschen immer wieder ermutigt, Gewerkschaften zu gründen, meinte der Oppositionspolitiker, der vor rund zwei Jahren nur knapp einen Giftanschlag überlebte und nach seiner Rückkehr aus Deutschland einige Monate später unter internationalen Protest inhaftiert wurde. Also müsse er es auch tun - «selbst dann, wenn es sich um den gefährlichsten Ort dafür handelt, an dem Streiks, Ungehorsam und Versammlungen explizit verboten sind». Für einen Streik etwa riskiere man Folter, schrieb Nawalny.

Seine Mitinsassen fürchteten allerdings die Konsequenzen: «Jedes Mal, wenn ich davon spreche, sagen meine Mörder-Kumpels traurig: »Alexej, bitte lass das. Deinetwegen werden sie uns alle nie freilassen."« Deshalb sei er nun zu einer »Ein-Mann-Gewerkschaft« geworden, scherzte Nawalny - und habe so schon einige »Siege" erzielen können. So seien etwa die viel zu niedrigen Hocker in seiner Näh-Werkstatt mittlerweile durch richtige Stühle mit Lehnen ausgetauscht worden.

«Alexej ist unglaublich cool», lobte Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch den Einsatz für die Rechte der Mitgefangenen. Russlands bekanntester Oppositioneller gilt international als politischer Gefangener. Im Mai dieses Jahres bestätigte ein Gericht die neunjährige Haftstrafe wegen angeblichen Betrugs. (aeg/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Pro-Nawalny-Proteste in ganz Russland
1 / 15
Pro-Nawalny-Proteste in ganz Russland
quelle: keystone / dmitri lovetsky
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Nawalny zeigt Video von angeblichem Luxus-Palast von Putin
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
«Deutschland tut nicht genug»: Grünen-Politiker poltert wegen Schattenflotte
Mit Schiffen unter fremder Flagge will Russland Sanktionen unterlaufen. Der Chef des Europa-Ausschusses meint: Deutschland tut zu wenig gegen diese Schiffe.
Der Vorsitzende des Europa-Ausschusses im Bundestag, Anton Hofreiter, fordert den Einsatz der Bundeswehr gegen Schiffe von Russlands «Schattenflotte», die durch deutsche Seegebiete fahren. Andere Länder wie Frankreich oder Belgien hätten solche Schiffe bereits «gebordet», sagte der Grünen-Politiker im «Berlin Playbook Podcast» von Politico. «Deutschland, obwohl eine ganze Reihe Schiffe durch deutsche Seegebiete fahren, hat noch kein einziges wirklich gebordet in den letzten Monaten. Und deshalb: Nein, Deutschland tut nicht genug», kritisierte Hofreiter.
Zur Story