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Ukraine-Krieg: Selenskyj zeigt sich vor neuer ukrainischer Rakete

November 15, 2024, Kiev, Kyiv Oblast, Ukraine: Ukrainian President Volodymyr Zelenskyy, takes questions from Colombian students during a live stream event with university students marking Internationa ...
Wolodymyr Selenskyj. Der ukrainische Präsident zeigte sich bei einer Ansprache neben einem neuen Waffenmodell.Bild: IMAGO / ZUMA Press Wire

Selenskyj zeigt sich vor neuer ukrainischer Rakete

Wegen des Iran-Kriegs rückt der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine in den Hintergrund. Jetzt rüstet die Ukraine selbst auf – und enthüllt eine neue Waffe.
14.04.2026, 15:1214.04.2026, 15:12
Nilofar Breuer / t-online
Ein Artikel von
t-online

«Jede neue ukrainische Entwicklung bringt uns dem Frieden ein Stück näher.» Unter diesem Titel stand die Ansprache des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, die er am Montag anlässlich des Feiertags der Beschäftigten der ukrainischen Rüstungsindustrie hielt. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge zeigte er sich dabei erstmals öffentlich neben einer neuen, in der Ukraine entwickelten Flugabwehrrakete.

Wie unter anderem das Verteidigungsportal «Defence Blog» berichtet, waren neben Selenskyj mehrere Waffensysteme zu sehen, darunter die Artillerierakete Vilkha, die bodengestützte Marschflugrakete Neptune, eine Areion-Raketendrohne und ein bisher unbekanntes Modell, das ohne offizielle Benennung in der Videobotschaft auftauchte. Auch die ukrainischen Behörden hätten weder technische Details noch einen Namen des Luftabwehrsystems mitgeteilt, heisst es in dem Bericht weiter.

Zuvor gezeigte Ausstellungsmodelle, die etwa auf Verteidigungsmessen präsentiert wurden, legen laut «Defence Blog» jedoch nahe, dass es sich bei der Rakete wahrscheinlich um das Modell Koral handelt. In Selenskyjs Videobotschaft seien charakteristische Merkmale dieser Rakete erkennbar gewesen. Dazu zählten der Motor, der Suchkopf, Impulskorrekturtriebwerke, das Trägheitsnavigationssystem und ein berührungsloser Funk- oder Laser-Annäherungszünder.

Koral greift wohl jüngste Lehren der Luftkriegsführung auf

Auch das Militärportal «The War Zone» vermutet hinter dem präsentierten Modell eine Koral-Rakete. Die Autoren verweisen darauf, dass der Plan, eine solche Rakete zu entwickeln, seit einiger Zeit bekannt sei. Konkret bezieht sich das Portal auf eine Vorstellung des Modells Koral durch das ukrainische Rüstungsunternehmen Luch im Jahr 2021, also noch vor Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022. Bereits zu diesem Zeitpunkt bestand in der Ukraine Bedarf an einem Flugabwehrsystem dieser Klasse, heisst es in dem Bericht.

Dabei habe das Unternehmen angegeben, dass das Modell eine Reichweite von 30 bis 50 Kilometern haben werde. Diese Angabe sei später auf 100 Kilometer korrigiert worden, wodurch es sich nicht mehr um eine Mittel-, sondern um eine Langstreckenrakete handelt. «The War Zone» zufolge nannte Luch zu diesem Zeitpunkt ein Gewicht von 300 Kilogramm mit einem 25-Kilogramm-Sprengkopf. Die Geschwindigkeit betrage demnach 3'600 Kilometer pro Stunde, vor allem gegen ballistische Ziele könne die Rakete eingesetzt werden.

Laut «Defence Blog» könnte Koral ältere Luftabwehrsysteme aus der Sowjetzeit ersetzen. Im Gegensatz zu ihnen spiegle Koral die Lehren aus der modernen Luftkriegsführung wider. Die Reaktionszeit, Manövrierfähigkeit sowie moderne Sensoren seien dabei entscheidend.

Ukraine hält Details zu Koral geheim

Weitere Details zur Koral-Rakete hält die Ukraine bislang geheim. So hat Kiew bislang nicht bekanntgegeben, ob die Rakete in Serienproduktion gegangen ist, Tests durchlaufen hat oder gar bereits operativ im Einsatz ist. Dass sich Selenskyj nun mit der Rakete zeige, weise jedoch zumindest darauf hin, dass die Konzeptionsphase abgeschlossen sei, schreibt «Defence Blog».

Russlands Militär hat seine Raketen- und Drohnenangriffe auf ukrainische Städte und kritische Infrastruktur zuletzt weiter verstärkt, was die verfügbaren bodengestützten Luftabwehrsysteme stark beansprucht. Angesichts des anhaltenden Kriegs im Nahen Osten fürchtet Kiew zudem, dass die Partnerländer die Lieferungen von Luftabwehrsystemen an die Ukraine nicht in ausreichendem Masse aufrechterhalten könnten. Laut «The War Zone» ist es offensichtlich, dass die Ukraine eine Boden-Luft-Rakete wie Koral in ausreichender Stückzahl benötigt, um den wiederholten russischen Angriffen trotzen zu können.

Auch Selenskyj selbst deutete am Montag eine weitere Aufrüstung durch eigene Waffensysteme an: «Die Ukraine verfügt über eigene Langstreckenraketenwaffen. Nicht nur in der Entwicklung, sondern als echte Einsatzbereitschaft, die bereits wirkt», betonte der ukrainische Präsident und fuhr fort: «Flamingo und Ruta, Peklo und Neptune, Palianytsia und Vilkha – wir können bereits stolz auf all das sein, aber wir werden hier sicher nicht stehen bleiben.» Dies seien nur die ersten Schritte, so Selenskyj: «Die Industrie wird wachsen, und der Feind wird es spüren.»

Quellen:

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