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«Räuberische Rekrutierung»: Russland holt offenbar Söldner aus Syrien in die Ukraine

Die USA hatten davor gewarnt, nun macht Putin Berichten zufolge ernst: Hunderte syrische Kämpfer sollen die russischen Truppen im Krieg gegen die Ukraine unterstützen. Die ersten sind wohl bereits eingetroffen.
01.04.2022, 21:1402.04.2022, 22:09
Marianne Max / t-online
Ein Artikel von
t-online

Hunderte syrische Kämpfer sind offenbar auf dem Weg, um sich Russlands Kampf gegen die Ukraine anzuschliessen. Das berichtet die «New York Times». Demnach sei bereits ein erstes Kontingent zur militärischen Ausbildung in Russland eingetroffen.

Kämpfer der syrischen Armee nahe Aleppo (Symbolbild): Russland hat offenbar Hunderte Söldner aus Syrien rekrutiert.
Kämpfer der syrischen Armee nahe Aleppo (Symbolbild): Russland hat offenbar Hunderte Söldner aus Syrien rekrutiert.Bild: keystone

Wie ein westlicher Diplomat und Verbündeter der syrischen Regierung gegenüber der Zeitung ausführt, handele es sich dabei um etwa 300 Kämpfer, die schon einmal an der Seite russischer Truppen kämpften – jedoch in ihrem eigenen Land. Sie wollten sich nach Angaben von Verantwortlichen für die Söldnertruppen, die anonym bleiben wollen, nun dafür revanchieren, dass Moskau dem syrischen Machthaber Bashar al-Assad im Bürgerkrieg gegen die Rebellen geholfen habe.

1'200 Dollar für sechs Monate Kampf

Die rund 300 Soldaten, die sich bereits in Russland aufhalten, stammen demnach von der 25. Division der syrischen Armee, den sogenannten Tiger Forces. Ihnen seien für ihren sechsmonatigen Einsatz je Monat 1'200 Dollar angeboten worden, plus 3'000 Euro Bonus, wenn sie anschliessend nach Syrien zurückkehrten. Sollten sie nicht lebend aus dem Krieg zurückkehren, so würden ihre Familien einmalig 2'800 Dollar und 600 Dollar monatlich erhalten.

>> Hier geht's zu unserem Ukraine-Ticker.

«Was wir sehen, ist räuberische Rekrutierung», sagt Sorcha MacLeod, die Vorsitzende der Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen zum Einsatz von Söldnern, zur «New York Times». Die russische Regierung würde die wirtschaftliche Lage der syrischen Bevölkerung ausnutzen.

Russlands Einsatz in Syrien

2015 hatte Russland in den Bürgerkrieg Syriens eingegriffen. Kampfjets bombardierten Städte und Dörfer, die sich unter Kontrolle der Aufständischen befanden. Offiziell sollten sie islamistische Terroristen bekämpfen. Tatsächlich trafen sie jedoch vor allem die Zivilbevölkerung. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International dokumentierte die russischen Attacken, bei denen demnach auch Streumunition eingesetzt wurde.

Ähnlich wie offenbar jetzt auch in der Ukraine bombardierte die russische Armee Krankenhäuser, Bäckereien, Wohnhäuser und Schulen, berichtet Amnesty International. Auch die notwendige Infrastruktur – Kraftwerke, Strom- und Wasserversorgung – wurden massiv beschädigt. Über 24'000 Zivilisten kamen nach Angaben der Organisation Airwars durch russisches Militär ums Leben

Der elf Jahre währende Krieg hat Spuren hinterlassen. Die Wirtschaft ist noch immer stark beeinträchtigt. Viele Menschen finden keine Arbeit. Für manche ein Ausweg: der Dienst an der Waffe als Söldner. 

Russlands «räuberische Rekrutierung»

Wegen des Krieges in der Ukraine fühlten sich einige aus Loyalität gegenüber Machthaber Bashar al-Assad dazu verpflichtet, an der Seite Russlands zu kämpfen, so Bassam Alahmad, der Leiter von Syrians for Truth and Justice, gegenüber der «New York Times». Die Interessenvertretung hat den syrischen Söldnerhandel untersucht. 

In Syrien wird nicht nur die eigene Flagge, sondern auch die russische (rechts) geschwungen.
In Syrien wird nicht nur die eigene Flagge, sondern auch die russische (rechts) geschwungen.Bild: EPA/EPA

Im Allgemeinen aber sei Geld die Motivation. Vielen würde zudem versprochen, dass sie nicht am direkten Kampfgeschehen mitwirken müssten, sondern Aufgaben wie die Bewachung von Militärbasen oder Tanklagern übernehmen könnten.

Russlands «Schattenarmee»

Bereits Anfang März warnte das US-Verteidigungsministerium davor, dass Russland versuche, syrische Kämpfer anzuwerben. Am Dienstag meldete dann die britische Regierung, dass im Osten der Ukraine bereits Söldner der russischen Wagner-Armee eingesetzt seien. 

Die als Russlands «Schattenarmee» bekannte Armee wird mit Krisenregionen wie Syrien, Libyen, der Zentralafrikanischen Republik und zuletzt auch Mali in Zusammenhang gebracht. Ihr werden schwere Vergehen gegen die Menschenrechte vorgeworfen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Verwendete Quellen:

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So leidet die russische Bevölkerung unter dem Ukraine-Krieg

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So leidet die russische Bevölkerung unter dem Ukraine-Krieg
quelle: keystone / anatoly maltsev
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49 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Swen Goldpreis
01.04.2022 21:26registriert April 2019
Biden hat schon recht: Putin muss weg!
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G. Nötzli
01.04.2022 22:03registriert Juni 2015
Endlich dämmert es allen, dass Russland ein Schurkenstaat ist…

Putin muss weg
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Liebu
01.04.2022 21:42registriert Oktober 2020
Es scheint ja super um Putins Kämpfer bestellt zu sein, wenn überall Personal für seine Armee mobilisiert werden muss. Sei es um Deserteure zurückzutreiben oder auch für an die Front.
Es sind nur menschliche Verbrauchsartikel, um die eigenen Verluste tiefer zu halten und vor der eigenen Bevölkerung besser da zu stehen. Sie werden benutzt, da sie in ihrer Heimat keine andere Alternative haben.
Das Leid dadurch wird nicht kleiner, nur wird es andernorts belastet.
Falls das wirklich stimmt, zeigt es aber, dass nicht mit einem baldigen Ende des Wahnsinns gerechnet werden darf.
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