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International
Russland

Biden spricht vom «Armageddon» – die Gründe für die düstere Rede

Biden spricht vom «Armageddon» – warum er wegen Putin derart düstere Worte wählt

US-Präsident Joe Biden warnt seinen russischen Amtskollegen in eindringlichen Worten vor einem Atomkrieg. Damit will er vermeiden, dass Wladimir Putin in der Ukraine weiter eskaliert.
07.10.2022, 20:31
Renzo Ruf, Washington / ch media

Joe Biden ist alt, bald feiert der US-Präsident seinen 80. Geburtstag. Das ist eine Binsenwahrheit, erklärt aber vielleicht, warum der 1942 geborene Politiker immer wieder auf alte Beispiele zurückgreift, um aktuelle Probleme zu beschreiben.

President Joe Biden speaks at the Volvo Group Powertrain Operations facility in Hagerstown, Md., Friday, Oct. 7, 2022. (AP Photo/Julio Cortez)
Joe Biden bei seiner Rede vom Freitag.Bild: keystone

So verglich Biden in der Nacht auf Freitag die Drohung des russischen Präsidenten Wladimir Putins, nötigenfalls im Ukraine-Krieg taktische Atomwaffen einzusetzen, mit der Kubakrise im Jahr 1962. Seit der Konfrontation zwischen den beiden damaligen Supermächten USA und Sowjetunion habe sich die Welt glücklicherweise nie mehr am Rande des Abgrundes befunden, sagte Biden vor Geldgebern seiner Demokratischen Partei in New York.

Putin aber scherze nicht, wenn er davon spreche, auf den Schlachtfeldern der Ukraine nötigenfalls biologische Waffen oder eine Atombombe einzusetzen. Die Konsequenzen einer solchen Entscheidung wären fatal, sagte der US-Präsident. Und weiter: «Ich glaube nicht, dass es möglich ist, Atomwaffen einzusetzen, ohne dass dies in einem Armageddon enden würde», einer Entscheidungsschlacht mit biblischen Ausmassen.

Amerikanische Streitkräfte nicht im Alarmzustand

Man kann diese Aussagen als ultimative Warnung verstehen, von einem amerikanischen Politiker, dessen Denken stark durch den Kalten Krieg geprägt wurde. Oder vielleicht war es bloss eine spontane Aussage von Biden, der in seinen öffentlichen Stellungnahmen zu Putin häufig die rhetorische Keule schwingt. So nannte er seinen russischen Amtskollegen auch schon einen Mörder.

epa10229378 Russian President Vladimir Putin attends an informal annual summit of the Commonwealth of Independent States (CIS) heads of state at the Konstantin Palace presidential residence in Strelna ...
Wladimir Putin wurde von Joe Biden auch schon als «Mörder» bezeichnet.Bild: keystone

Tatsache ist: Die amerikanischen Streitkräfte befinden sich aktuell nicht im Alarmzustand. Das Verteidigungsministerium rechnet nicht mit einem unmittelbar bevorstehenden Einsatz von Kernwaffen. So sagte der Pentagon-Sprecher diese Woche: Das Säbelrasseln des russischen Präsidenten sei zwar «leichtsinnig und unverantwortlich», die amerikanischen Streitkräfte besässen aber «keine Informationen», die eine Anpassung der Strategie, mit der die USA andere Nuklearstaaten vom Einsatz von Atomwaffen abschrecken will, notwendig machen würden. Eine Sprecherin Bidens sagte am Freitag, an dieser Einschätzung habe sich nichts geändert.

Washington aber scheint Angst vor einer blamablen Niederlage der russischen Streitkräfte in der Ukraine zu haben, und davor, dass Putins Führungsrolle unter Beschuss kommen könnte. So wollen amerikanische Geheimdienste eine gewisse Unruhe im Kreml wahrgenommen haben; ein enger Berater des russischen Präsidenten soll ihn direkt kritisiert haben. Auch kommen die Streitkräfte zunehmend unter Druck, weil sie die Offensive der Ukrainer nicht stoppen können.

Washington genehmigt neue Waffenlieferungen an die Ukraine

In seiner Rede sprach Biden deshalb auch über eine diplomatische Lösung des von Russland angezettelten Krieges. «Wir versuchen herauszufinden», sagte der US-Präsident sinngemäss, wie Putin das Gesicht wahren könnte. Diese Aussage kann man auch als Signal an Moskau verstehen, dass Washington nicht an einem Sturz des russischen Herrschers interessiert sei.

Amerika habe kein Interesse an einer direkten Konfrontation mit Russland, hatte Biden zu Kriegsbeginn verkündet. Zwar unterstützt Washington den ukrainischen Verbündeten mit Waffen - vorige Woche stockte das nationale Parlament die entsprechenden Geldmittel um 12 Milliarden Dollar auf.

Aber diese Rüstungsmittel dürfen die Ukrainer nur dazu einsetzen, um besetzte Gebiete zu befreien. Vergeltungsschläge in Russland, zum Beispiel der Mord an der Tochter eines bekannten russischen Propagandisten, befürworten die USA nicht. Auch deshalb lehnt es Biden weiterhin ab, die Ukraine mit Kurzstreckenraketen des Typus ATACMS zu beliefern, die eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern besitzen. Eine hochrangige Pentagon-Vertreterin sagte diese Woche: «Wir glauben», dass mit den bestehenden Waffen «die überwiegende Mehrheit der Ziele» erreicht werden könne, «einschliesslich auf der Krim». Denn die Krim, die gehöre zur Ukraine. (aargauerzeitung.ch)

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32 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Zeit_Genosse
07.10.2022 21:29registriert Februar 2014
Das was in den Medien kolportiert wird, ist nicht das was effektiv verdeckt passiert. Eine Spekulation jagt die andere. Und Medien bleibt nichts übrig als zu entscheiden was sie davon bringen wollen. Somit weiss kaum jemand was wirklich wo abgeht. Und selbst das kann sich stetig ändern. Chaos gesäht, Chaos überall. Und ich weiss nichts!
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Einer mit interkantonalem Migrationshintergrund
07.10.2022 21:44registriert April 2021
Solange DefCon nicht angehoben wird, geht mir das nervige Geplapper um Kernbomben ziemlich am A* vorbei. Besonders das exzessive, testosterongeschwängerte Rumgockeln von Putler.
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Dan Rifter
07.10.2022 21:45registriert Februar 2015
Armageddon ist Vladimir doch Wurst.

Die anderen Menschen auf diesem Planeten täten aber gerne weiterleben.

Es gibt nur eine Lösung.. einer muss Initiative übernehmen
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«Twitter-Files» laut Weissem Haus ein «Ablenkungsmanöver»
Das Weisse Haus wertet die jüngste Veröffentlichung interner Twitter-Dokumente mit Blick auf den Sohn von US-Präsident Joe Biden als Ablenkungsmanöver.

Die Sprecherin des Weissen Hauses, Karine Jean-Pierre, sagte am Montag, es sei ein interessanter «Zufall», dass die Unterlagen «voll alter Nachrichten» ausgerechnet zu einer Zeit veröffentlicht würden, in der Twitter mit «sehr ernsten Fragen über das wachsende Ausmass von Wut, Hass und Antisemitismus auf seiner Plattform» konfrontiert sei – und Fragen dazu, wie der Konzern dies geschehen lasse. «Das ist ein Ablenkungsmanöver», sagte sie.

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