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Schweden warnt vor Krieg – Russland reagiert mit Spott

Schweden warnt vor Krieg – und wird von Russland verspottet

Hochrangige Sicherheitsbeamte fordern die schwedische Bevölkerung auf, sich für einen möglichen Krieg zu wappnen – Russland hat dafür nur Spott übrig.
11.01.2024, 20:01
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«Es könnte einen Krieg in Schweden geben», lauteten die Worte des schwedischen Ministers für Zivilschutz, Carl-Oskar Bohlin, bei der jährlich stattfindenden Sicherheitskonferenz «Folk och Försvars» (Volk und Verteidigung) am vergangenen Sonntag.

Angesichts des andauernden Ukrainekriegs und des Nato-Beitritts Schwedens, der für dieses Jahr erwartet wird, fordert er die schwedische Bevölkerung auf, sich für eine mögliche militärische Auseinandersetzung zu wappnen:

«Ich möchte eine Tür öffnen: Eine Tür, die häufig durch die Anforderungen und Herausforderungen des Alltags blockiert und verstopft ist. Eine Tür, die viele Schweden vielleicht ihr ganzes Leben lang verschlossen gehalten haben. Eine Tür zu einem Raum, in dem wir mit einer wichtigen Frage konfrontiert werden: Wer bist du, wenn der Krieg kommt?»
Carl-Oskar Bohlin, Schwedens Minister für Zivilschutz

Alle Schwedinnen und Schweden sollen sich dieser Frage stellen. Bohlin wolle damit keine Angst verbreiten, sondern Bewusstsein für die aktuelle Situation schaffen. Die Bevölkerung müsste sich auf den «Worst Case», also einen Krieg mit Russland, vorbereiten, bevor es zu spät sei.

Der Minister äussert die Sorge, dass die Modernisierung des schwedischen Zivilschutzes nicht schnell genug vorankomme. Deshalb solle jeder und jede mit den entsprechenden Vorbereitungen beginnen – Zeit könne ihre «wertvollste, nicht erneuerbare Ressource» sein.

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Carl-Oskar Bohlin ruft die schwedische Bevölkerung dazu auf, sich auf einen möglichen Krieg vorzubereiten.Bild: keystone

Als eine der Vorbereitungsmassnahmen nennt Bohlin das Bereitstellen von Notfallplänen und Ressourcen durch die Gemeinden, um die Versorgung mit Wasser, Strom und Lebensmitteln im Ernstfall sicherzustellen. Ausserdem solle sich jeder Einzelne mental darauf vorbereiten, wie es ist, ohne Handy oder Heizung auszukommen.

Wie das Ganze in der Praxis aussehen könnte, erklärt Anna-Maria Axelsson, Präsidentin der Organisation «Schwedens zivile Verteidigung», im schwedischen Fernsehen: Man könne zum Beispiel versuchen, die heizbare Wohnfläche auf einen Raum zu reduzieren, oder testen, ob man ein Wochenende lang ohne Strom auskommt.

Die Schweden werden zudem aufgefordert, sich einer freiwilligen Hilfsorganisation anzuschliessen. Im Fall der Krise könnte es zu einer zivilen Wehrpflicht für Feuerwehrleute, Rettungspersonal und andere Fachleute kommen.

Oberbefehlshaber der Armee schliesst sich der Warnung an

Bohlins Rede schlägt Wellen: Auch Micael Bydén, der Oberbefehlshaber der schwedischen Armee, ruft die Bevölkerung im Fernsehen zur Kriegsvorbereitung auf. Er vergleicht die Situation mit der Ukraine, die sich jahrelang auf einen möglichen Krieg seitens Russland vorbereitet habe.

«Schauen Sie sich die Nachrichten aus der Ukraine an und stellen Sie sich die einfachen Fragen: Wenn das hier passiert, bin ich darauf vorbereitet? Was sollte ich tun? Habe ich alles bereit?» Je mehr Menschen sich diesen Fragen stellen und sich vorbereiten würden, «desto stärker wird unsere Gesellschaft sein».

Auch der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson äusserte sich bei der Sicherheitskonferenz zur Lage: «Es ist wirklich ernst», betont er und ruft das Volk seinerseits dazu auf, sich zu wappnen.

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Ulf Kristersson betonte am vergangenen Montag den Ernst der Lage.Bild: IMAGO / TT

Aus Russland kommt nur Spott

Die Aussagen aus Stockholm machten wohl auch in Russland die Runde. Berichten zufolge reagierte der russische Senator Alexej Puschkow mit Häme.

«Schweden ist eines der ersten Länder in Europa, was den Grad der antirussischen Paranoia angeht», schrieb er laut der Nachrichtenseite «Euroactiv» auf Telegram. «Offenbar versucht man auf diese Weise, Schweden eine geopolitische Bedeutung zu verleihen, die es nicht hat. Manchmal hat man den Eindruck, dass einige schwedische Militärangehörige, aber auch Journalisten, fast vom Krieg träumen.»

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185 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Voraus denken!
11.01.2024 20:15registriert März 2022
Es ist richtig und wichtig, dass man den Terrorstaat Ruzzland als Gefahr anschaut und sich entsprechend vorbereitet.

Wichtiger als die klassische Kriegsvorbereitung wäre allerdings, dass wir Europäer (inkl. der Schweiz!) uns endlich konsequent von Ruzzland lossagen und ALLE Geschäftsbeziehungen (direkt und indirekt) mit den Ruzzen beenden.
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SCL - Maulwurf
11.01.2024 20:36registriert März 2021
Die Schweden machen es richtig und sensibilisieren die Bevölkerung. Niemand kann die Russen aktuell richtig einschätzen.
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Fernrohr
11.01.2024 20:25registriert Januar 2019
Jetzt bin ich auch überzeugt, dass Russland einen Krieg entfesseln will. Wenn eine der friedliebendsten Nationen sich rüstet, doch ein russischer Politiker mit Häme von der eigenen Propaganda, die täglich allen Ruzzen vorgesetzt wird, davon ablenkt, dann befürchte ich das Schlimmste.
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