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Eine bosnisch-muslimische Frau auf dem Areal der Gedenkstätte.
Eine bosnisch-muslimische Frau auf dem Areal der Gedenkstätte.
Bild: keystone

«Die Trauer sitzt immer noch tief» – Gedenken an Völkermord von Srebrenica vor 25 Jahren

11.07.2020, 16:4011.07.2020, 18:00

Bei einer Trauerfeier in der Opfergedenkstätte Potocari haben Bosnien-Herzegowina und politische Vertreter aus aller Welt des Massakers von Srebrenica vor 25 Jahren gedacht.

Hinterbliebene der Opfer, bosnische Spitzenpolitiker und ausländische Diplomaten legten Blumen am Denkmal nieder. Hohe ausländische Staatsgäste konnten wegen der Corona-Pandemie nicht kommen – dafür gab es Video-Botschaften, etwa von UN-Generalsekretär António Guterres, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, dem deutschen Bundespräsidenten Walter Steinmeier und US-Aussenminister Mike Pompeo.

Die Bundesräte Simonetta Sommaruga und Ignazio Cassis haben am Gedenktag des Massakers von Srebrenica vor 25 Jahren an die über 8000 Opfer erinnert.

Das sagt die Schweizer Bundespräsidentin
Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga sprach am Samstag via Videobotschaft an einer Gedenkfeier zum Völkermord in Srebrenica. Eine solche Gräueltat dürfe sich niemals wiederholen. «Es ist ein Vierteljahrhundert vergangen seit dem Massaker von Srebrenica», so Sommaruga in ihrer Ansprache auf Englisch. «Die Trauer sitzt immer noch tief». Sommaruga gedachte den über 8000 Opfern sowie all jenen, die zurückgelassen wurden. Es sei wichtig, mit der Aufarbeitung der Geschehnisse und der Wahrheitssuche weiterzumachen. «Die heutige Gedenkfeier ist ein erneuter Aufruf an uns alle, dafür zu sorgen, dass sich solche Gräueltaten niemals wiederholen können.»
Jeder Staat müsse seine Aufgabe wahrnehmen, seine gesamte Bevölkerung zu schützen. Dies sei nur möglich, wenn Toleranz, der Respekt für Minderheiten und die Rechtsstaatlichkeit gefördert würden.​

Bei dem Massaker im ostbosnischen Srebrenica waren vom 11. Juli 1995 an etwa 8000 muslimische Männer und Jungen von bosnisch-serbischen Verbänden ermordet worden. Die im Bosnienkrieg (1992-1995) verübte Gräueltat gilt als der erste Völkermord auf europäischem Boden seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945.

Die Vorsitzende des Opferverbandes Mütter von Srebenica, Munira Subacic, forderte auf der Gedenkfeier Gesetze in Bosnien, die die Leugnung des Völkermords unter Strafe stellen. «Ohne Wahrheit und Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden», sagte sie.

Das Internationale Jugoslawien-Tribunal in Den Haag (ICTY) verurteilte die zwei Hauptdrahtzieher des Massakers, den damaligen bosnisch-serbischen Präsidenten Radovan Karadzic und den damaligen bosnisch-serbischen Armeeführer Ratko Mladic wegen Völkermords zu langen Haftstrafen. Spitzenpolitiker im serbischen Landesteil von Bosnien, der Republika Srpska, leugnen den Genozid bis heute.

Internatinonale Gemeinschaft machte sich mitschuldig

Auch Bundesrat Ignazio Cassis äusserte sich am (heutigen) Gedenktag in einem Gastkommentar in der «Neuen Zürcher Zeitung». Die kollektive Trauerverarbeitung durch die strafrechtliche Verfolgung der Täter sei von grosser Bedeutung.

Diese schaffe Gerechtigkeit für die Opfer und ermögliche die kollektive Auseinandersetzung mit dem Geschehenen. Deshalb setze sich die Schweiz mit Nachdruck dafür ein, dass die Unabhängigkeit der internationalen Strafjustiz gewährleistet bleibt.

Mitschuldig habe sich aber auch die internationale Gemeinschaft gemacht, die passiv zugeschaut habe, wie eine vielfältige Gesellschaft in Europa gewaltsam gespalten worden sei, so der Aussenminister. Das Massaker sei deshalb auch ein Mahnmal für die Mitverantwortung der internationalen Gemeinschaft.

Der Aufarbeitungsprozess sei auch für die Schweiz von grosser Bedeutung, da sie gesellschaftlich und geografisch eng mit dem Westbalkan verbunden sei. Rund eine halbe Million Menschen mit Wurzeln in dieser Region lebten heute «bei uns und mit uns», schreibt Cassis. Es sei deshalb im Interesse der Schweiz, einen Beitrag an die Stabilität und die Entwicklung der Region zu leisten.

Die Schweiz hat bereits mehrere mutmassliche Kriegsverbrecher an ihren Heimatstaat ausgeliefert.

(sda/dpa)

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