International
Schweiz

Marine Sand Watch: Datenplattform zum heiklen Sandabbau in Küstennähe

Sand sucking boat, sand extractionship is sucking sand from the the gulf
In solchen Booten wird Sand vom Meeresboden abgesaugt.Bild: Moment RF

Plattform zeigt erstmals das gesamte Ausmass des marinen Sandabbaus

Jährlich baut die Menschheit zirka 50 Milliarden Tonnen Sand aus Flüssen und Sandbänken ab. Es ist aber relativ unklar, wie viel Sand aus dem Meer gewonnen wird. Eine neue Datenplattform möchte das nun ändern.
06.09.2023, 22:07
Mehr «International»

Vielen ist es nicht bewusst, doch Sand ist nach Wasser die meistgenutzte Ressource der Welt. In Form von Beton, Asphalt und Glas begegnen wir Sand täglich. Doch für die Körner gibt es auch andere Anwendungungsbeispiele: Die meisten Zahnpasten bestehen aus Sandstaub. Computer-Chips, einige Putzmittel sowie Solaranlagen bestehen auch teilweise aus Sand.

Entgegen der Redewendung «[…] gibt es, wie Sand am Meer» ist Sand aber nur begrenzt verfügbar und nicht jede Art Sand ist als Ressource auch geeignet. So kann mit dem meisten Wüstensand kein Beton gemischt werden, da dieser zu fein ist. Das führt zur absurden Situation, dass Wüstenstaaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate Sand importieren müssen, um ihre Bau- und Aufschüttungsprojekte umsetzen zu können.

Der grösste Teil des Sandes wird aus Flüssen oder Sandbänken gewonnen, jedoch wird in immer mehr Küstenregionen Sand direkt vom Meeresboden aufgesaugt. Diese Praktiken können bei mangelnder Vorsicht zu langfristigen Schäden an Meeresflora und -fauna führen. Die oberen Sandschichten dienen dem Meer wie eine Art Wasserfilter: Dadurch bleibt das Wasser sauber. Beim Aufsaugen wird diese Sandschicht teilweise oder gar komplett zerstört.

Aber auch geologisch kann das Aufsaugen des Sandes Folgen haben. Ganze Küstenteile könnten verloren gehen, wenn Sand von Stränden abrutscht, um den abgetragenen Sand vom Meeresboden zu kompensieren.

Datenplattform will Übersicht schaffen

UNEP/GRID-Geneva ist ein Forschungsteam, der Universität Genf, des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und des Schweizer Bundesamts für Umwelt (BAFU). Insgesamt sind 20 Umweltdatenanalysten am Forschungsteam beteiligt.

Das Team hat mithilfe von Positionsdaten tausender Schiffe und künstlicher Intelligenz versucht, die Saugschiffe ausfindig zu machen. Zum Beispiel saugt ein Schiff, das eine Strecke ohne Stopp hin- und zurückfährt, wahrscheinlich Sand auf. Pro Jahr kommen die Forschenden in ihrem Modell auf eine Fördermenge von ungefähr vier bis acht Milliarden Tonnen Sand – Tendenz steigend.

Heute, am 6. September, schaltete das Forschungsteam die Datenplattform «Marine Sand Watch» auf. Darauf werden die Daten zum marinen Sandabbau nun gesammelt und bereitgestellt. Die schon gesammelten Daten der letzten zehn Jahre werden auf der Seite auch veröffentlicht. (ear)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Sandburgen kann jeder, das hier sind wahre Kunstwerke
1 / 26
Sandburgen kann jeder, das hier sind wahre Kunstwerke
quelle: imgur
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Ups! Hier fährt ein Auto über frischen Beton
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
6 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6
Proteste vor dem Kanzleramt, abgesagte Pressekonferenz: So lief Mileis Treffen mit Scholz
Mehr als die Hälfte der Argentinier lebt unter der Armutsgrenze. Bundeskanzler Olaf Scholz mahnte den argentinischen Präsidenten Javier Milei deshalb bei seinem Besuch. Doch der hat andere Prioritäten.

Ein selbst ernannter «Anarchokapitalist» im Kanzleramt: Bei einem einstündigen Gespräch mit dem argentinischen Präsidenten Javier Milei hat Bundeskanzler Olaf Scholz am Sonntag mahnende Worte an den exzentrischen Radikalreformer gerichtet, der im Wahlkampf auch schon mal mit heulender Kettensäge auftrat. Nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Hebestreit unterstrich Scholz, dass Sozialverträglichkeit und der Schutz des gesellschaftlichen Zusammenhalts bei den harten Sparmassnahmen des Präsidenten ein wichtiger Massstab sein sollten.

Zur Story