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People flee the scene in Barcelona, Spain, Thursday, Aug. 17, 2017 after a white van jumped the sidewalk in the historic Las Ramblas district, crashing into a summer crowd of residents and tourists and injuring several people, police said. (AP Photo/Giannis Papanikos)

Menschen flüchten nach dem Lieferwagen-Anschlag auf den Ramblas in Barcelona. Bild: AP/AP

Terror im «sicheren» Reiseland: Warum die Ruhe in Spanien trügerisch war

Seit Madrid 2004 blieb Spanien von islamistischem Terror verschont. Die Behörden aber warnten schon lange, dass neue Anschläge wie nun in Katalonien nur eine Frage der Zeit seien.



Spanien erlebt in diesem Jahr eine Invasion von Touristen. In der Metropole Barcelona sowie in den Badeorten an der Mittelmeerküste und auf den Balearen trampeln sich die Feriengäste gegenseitig auf den Füssen herum. Viele Einheimischen haben diesen Ansturm mehr als satt. In Barcelona sind Aufschriften und Graffiti wie «Tourist go home» keine Seltenheit mehr.

Ein Zufall ist dieser für die Wirtschaft erfreuliche Tourismusboom nicht. Spanien gilt als sicheres Reiseland, im Gegensatz zu Destinationen wie Ägypten, Tunesien und die Türkei. Auf den ersten Blick war diese Annahme nachvollziehbar. Seit den Bombenexplosionen in vier Vorortszügen in Madrid am 11. März 2004 blieb das Land von islamistischem Terror verschont.

FILE - In this March 11, 2004 file photo, rescue workers cover up bodies alongside a bomb-damaged passenger train, following a number of explosions in Madrid, Spain, killing 191 people and wounding more than 500 in Spain's worst terrorist attack ever. The deadly vehicle and knife attack Saturday, June 3, 2017, on London Bridge and in nearby Borough Market is the latest attack in Europe in recent years. (AP Photo/Paul White, File)

Bei den Madrider Anschlägen 2004 starben 191 Menschen. Bild: AP/AP

Mit 191 Toten ist es bis heute der blutigste Terroranschlag im Europa des 21. Jahrhunderts. Die sozialistische Regierung zog darauf die spanischen Truppen aus dem Irak ab. Damit schienen sich die Iberer vom radikalislamischen Terror «freigekauft» zu haben. Es war eine trügerische Ruhe, wie die Anschläge in Katalonien nun gezeigt haben. Spanien blieb im Visier der Dschihadisten.

1000 Personen auf dem Radar

Dabei ist man keineswegs untätig geblieben. Die Terrorabwehr wurde personell massiv aufgestockt. Mehr als 3000 Personen sind heute in diesem Bereich tätig. Sie haben mehr als 1000 Personen auf dem Radar, die als terrorverdächtig gelten. Gegen 259 Personen wurden laut der Zeitung «El Pais» Verfahren eingeleitet. 150 Kämpfer sollen nach Syrien gereist sein.

Allein 2015 wurden in Spanien 187 Terrorverdächtige verhaftet, die zweithöchste Zahl in Europa hinter Frankreich. Im Mai wurden in Madrid zwei Marokkaner festgenommen, die einen Anschlag mit einem Sattelschlepper nach dem Vorbild von Nizza geplant haben sollen. Ein ähnlicher Attentatsplan wurde im letzten Dezember im Norden des Landes vereitelt.

Es erstaunt daher nicht, dass für die spanischen Behörden ein neuer Anschlag nur eine Frage der Zeit war. Als gefährdet galten gemäss «El Pais» die beiden Exklaven Ceuta und Melilla in Nordafrika. Geheimdienstberichte warnten nach dem Anschlag auf das Ariana-Grande-Konzert in Manchester auch vor möglichen Zielen in der Hauptstadt Madrid. Und in Barcelona.

Barcelona trauert um Terror-Opfer

Die Ermittlungsarbeit verhinderte bislang ein neues Blutbad. Spaniens Muslime gelten zudem als relativ gut integriert. Es gibt bei uns keine Ghettos wie in Frankreich, sagte ein Geheimdienst-Analyst. Ihr Bevölkerungsanteil ist mit 2,1 Prozent tiefer als in Grossbritannien, Deutschland oder Frankreich. Allerdings existieren gerade in Katalonien auch zahlreiche salafistische Gruppen.

Traum von der Rückeroberung

Für Fanatiker ist Spanien auch aus historischen Gründen ein bevorzugtes Ziel. Fast die gesamte iberische Halbinsel war im Mittelalter von den «Mauren» aus Nordafrika besetzt. Zeitweise drangen sie bis ins heutige Frankreich vor, wurden aber von den Franken über die Pyrenäen zurückgedrängt. 1492 wurden sie durch die Reconquista endgültig vertrieben.

Dschihadistische Gruppen wie der «Islamische Staat» träumen ihrerseits von der Rückeroberung Spaniens. Bereits im letzten Sommer rief der «IS» zu Angriffen auf touristische Einrichtungen auf. Spanien ist somit nur bedingt ein sicheres Reiseland. Allerdings kann man sich fragen, wo es heutzutage überhaupt sicher ist.

Über 20 Anschläge im 2017

abspielen

Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • RETO1 19.08.2017 15:50
    Highlight Highlight die offenen Grenzen Europas rächen sich nun regelmässig, wie jetzt in Spanien
  • Trevor 19.08.2017 09:20
    Highlight Highlight Und wieso haben wir dieses Chaos? Weil wir offene Grenzen haben und jeder Vollpfosten durch ganz Europa reisen kann, ohne gross kontrolliert zu werden.

    Hätte man wieder Grenzkontrollen und hätte man die Flüchtlinge und die anderen Touristen geprüft, hätte man vielleicht einen Terrorhintergrund bemerkt. Zum jetzigen Zeitpunkt möchte ich nicht wissen, was sich alles alleine in der Schweiz illegal aufhält oder kriminelle Absichten hegt. Und bei uns werden Ausländer welche jahrelang hier leben,perfekt Deutsch sprechen und sich nie was zu schulden lassen kommen haben angefeindet. Danke Politiker!
  • iNo 19.08.2017 05:40
    Highlight Highlight Terror im "sicheren" Reiseland.
    Klingt irgendwie komisch, Deutschland, Frankreich und England galten soviel ich weiss auch als "sichere" Reiseländer.
    • Bot 19.08.2017 20:40
      Highlight Highlight "Feriendestinationen" wäre wohl treffender.
  • spiritK4 18.08.2017 16:53
    Highlight Highlight Sie destabilisieren den ganzen Osten, bewaffnen ''Rebellen'', töten unschuldige Menschen und spielen uns am Ende alle aus. Und die Medien helfen dabei ordentlich mit-mit ''Fakten'' ;))
    • Chefs United 19.08.2017 14:06
      Highlight Highlight Ah... Du meinst die USA. Jetzt hab es verstanden
  • Luca Brasi 18.08.2017 16:46
    Highlight Highlight Sollten diese IS-Trottel nur auf die Idee kommen das "ehemals von Sarazenen besetzte Sizilien im Mittelalter" zu erobern, dann können sie sich auf etwas gefasst machen.
    Ein feiger und ehrloser Haufen sind sie.
    Selbst die ehemaligen Herrscher von Al-Andalus würden sich für solch erbärmliche kulturlose Barbaren schämen.
    • Nevermind 19.08.2017 00:16
      Highlight Highlight Hää? Ist das mit der Cosa Nostra abgesprochen oder steh ich grad auf dem Schlauch?
  • Denk nach 18.08.2017 13:56
    Highlight Highlight Hmmm, was die Experten im Nachhinein immer alles gewusst haben wollen...
  • Tschüse Üse 18.08.2017 12:52
    Highlight Highlight Ob Terror oder nicht, ich werde dieses Jahr meine Ferien in Spanien nicht streichen oder weniger geniessen.

    Wenn s passiert dann passierts
    • Triumvir 18.08.2017 14:37
      Highlight Highlight Das finde ich die absolut richtige Einstellung Raembe! Denn wenn wir uns von Angst leiten lassen, haben die Dschihadisten gewonnen. Sie wollen genau das und nichts anderes. Wir lassen uns aber unsere Lebensweise nicht nehmen. Btw. ich habe meine Ferien selber in den letzten paar Jahren an vielen Anschlagsorten verbracht. Angefangen von Bali, Nizza, Paris, London, Ramblas in Barcelona etc. etc. Der Hass und Terror wird dies auch künftig nicht verhindern können.
    • FrancoL 18.08.2017 15:00
      Highlight Highlight @Raembe, völlig richtig, denn man versucht krampfhaft eine Logik in den Zielen zu suchen, wohl um die Bevölkerungen zu beruhigen. Doch es gibt keine übergeordnete Logik und somit lauert die Gefahr überall und um dieser Gefahr nicht nachzugeben soll man sich nicht ducken, sondern leben, denn LEBEN ist die einzige Antwort gegen den Terrorismus.
    • maxi 18.08.2017 15:03
      Highlight Highlight das gefühl ist trotzdem anderst...3 tage nach dem anschlag in stockholm war ich das. wir haben unsere reise auch nicht abgesagt oder umgebucht. aber es ist nicht das selbe.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Maria B. 18.08.2017 12:49
    Highlight Highlight Wie man immer wieder eindrücklich sieht (auch in Deutschland und Frankreich etc) nützen diese personellen Aufstockungen für Beobachtung und Überwachung von muslimischen Migranten nur sehr wenig - es gibt trotzdem zahlreiche Attentate auf "Ungläubige", ganz so, wie es da und dort im Koran ausdrücklich und belobigend propagiert wird. Facts.

    Ob Europa das nun jahrzehntelang ohne massive Gegenmassnahmen dulden und diese Gräuel weiter als "Einzeltaten" beurteilend wehrlos hinnehmen wird? Ein Kontinent, wo man in manchen europäischen Ländern noch immer die Gratis-Abgabe dieses "heiligen Buches" mit der integrierten Gebrauchsanweisung toleriert. Solche falsch verstandene Toleranz ist ein Zeichen dekadenter Selbstaufgabe, das wütend macht, denn sie ist ein posthumer Schlag ins Gesicht der Terroropfer :-( !
    • Uf em Berg 18.08.2017 14:12
      Highlight Highlight Dass bisher ein Anschlag verhindert werden konnte, zeigt, dass die Massnahmen Wirkung zeigen. Eine 100%ige Sicherheit wird es nie geben. Totale Überwachung von allen ist weder möglich, noch ein Zeichen des Respekts gegenüber den Opfern.
    • Pedro Salami 18.08.2017 14:50
      Highlight Highlight Gerade in Barcelona wurde in jüngster Vergangenheit zwei Attentate vereitelt. Natürlich gibt es keine 100% Sicherheit und das war garantiert auch nicht der letzte Anschlag in unseren Breitengraden. Was nicht bedeuten soll, man solle diese Arschlöcher nicht bekämpfen. Und schon gar nicht kuschen. Stark das Zeichen heute Vormittag in der Ramblas. Von Spanier und Touristen.
    • FrancoL 18.08.2017 15:05
      Highlight Highlight Man kann natürlich auch wie Du argumentieren; 2-3 verhinderte Anschläge sind weniger als ein ausgeführter Anschlag. Das ist dann was genau? ich würde sagen eine dümmliche Annahme. Es werden weit mehr Anschläge verhindert als dass Anschläge mit Erfolg ausgeführt werden. Wenn man noch in Betracht zieht dass die Sicherheitsbehörden eher tiefe Zahlen von vereitelten Anschlägen angeben, um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen, kann man sagen dass diese Aufwendungen sich mehr als nur lohnen.

      Mit dieser Einstellung Maria könnte jegliche Vorsorge als unnötig betrachten.
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