Vor gut einer Woche kam es in Frankreich zu einem politischen Erdbeben. Bei den Europawahlen legte der rechtspopulistische Rassemblement National (RN) massiv zu, während Emmanuel Macrons Bündnis Ensemble abstürzte. Der Präsident kündigte im Anschluss Neuwahlen an. Auch im nationalen Parlament könnte es zum Rechtsrutsch kommen.
Die mögliche politische Wende erhitzt in Frankreich die Gemüter. Und beschäftigt auch die Nationalmannschaft, welche heute (21 Uhr) gegen Österreich ihr erstes Spiel bei der Europameisterschaft absolviert. Superstar Kylian Mbappé hatte bei seiner Pressekonferenz zum Spiel deshalb keine Lust, nur über Fussball zu sprechen. «Man sagt zwar, man solle Politik und Fussball nicht vermischen», so der Stürmer.
So setzte Mbappé zu einer Rede an, in welcher er nicht mit Kritik am umstrittenen RN zurückhielt. «Wir sind in einem extrem wichtigen Moment in der Geschichte unseres Landes», so Mbappé. «Die Extremen stehen kurz davor, an die Macht zu kommen. Und wir haben nun die Möglichkeit, die Zukunft unseres Landes zu entscheiden.»
💬 Kylian Mbappé : « Je suis contre les extrêmes, contre les idées qui divisent. » pic.twitter.com/DN3sxtDuP0
— L'ÉQUIPE (@lequipe) June 16, 2024
Mbappé betonte, wie wichtig es ihm sei, sich mit den Werten Frankreichs zu identifizieren. «Und das sind Diversität, Toleranz und Respekt». Den RN nannte der Starstürmer zwar nicht explizit. Aber auf Anfrage, ob er empfehle, gegen diesen zu stimmen, sagte Mbappé:
Weiter richtete Mbappé in seiner Rede einen Appell an die Jungen, seine Generation. Man solle unbedingt sein Wahlrecht nutzen, sagt Mbappé. Bei den Europawahlen lag die Wahlbeteiligung in Frankreich nur bei etwa 51 Prozent. Er könne das verstehen, sagt der Starstürmer. «Ich dachte auch so, als ich jünger war. Dass meine Stimme nichts verändern wird», sagt er. Dies stimme aber nicht. «Wir sind eine Generation, die den Unterschied ausmachen kann», ist Mbappé überzeugt. «Jede Stimme zählt.»
Wenn am 7. Juli die Resultate der Wahlen bekannt sein werden, läuft bei der EM die K.-o.-Phase. «Ich hoffe, dass ich dann noch immer stolz darauf sein kann, dieses Trikot zu tragen.»
Mit seinem Plädoyer knüpfte Mbappé an Aussagen seines Mannschaftskollegen Marcus Thuram an. Dieser hatte sich als erster Spieler explizit gegen den RN gestellt. «Wir müssen dafür kämpfen, dass der RN nicht durchkommt», hatte der Stürmer von Inter Mailand gefordert und von einer «sehr ernsten, sehr traurigen» Lage gesprochen. Im Anschluss hatte der französische Verband ein Communiqué veröffentlicht, in welchem er dazu anregte, Druck und politische Ausnutzung von Spielern zu vermeiden. Gleichzeitig bestätigte der Verband, Meinungsfreiheit und Aufrufe zur Stimmabgabe zu unterstützen.
Der Rassemblement National ist umstritten, weil er von manchen Expertinnen und Experten aus der Politikwissenschaft als rechtsextrem eingestuft wird. Auch deshalb protestierten am Wochenende Hunderttausende gegen den möglichen Rechtsruck.
Gewählt wird in Frankreich in zwei Runden. Die erste findet am 30. Juni statt, die zweite am 7. Juli. Umfragen zufolge könnte der RN auf rund 30 Prozent der Stimmen kommen und somit die mit Abstand stärkste Kraft im Parlament werden. Damit könnte der RN womöglich auch den nächsten Premierminister Frankreichs stellen.