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Türkei bombardiert wegen PKK den Nordirak – Kritik aus Bagdad

epa09847075 Turkish President Recep Tayyip Erdogan gives a press conference at the end of a Group of Seven (G7) Leaders meeting at the Alliance headquarters in Brussels, Belgium, 24 March 2022. EPA/ST ...
Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan im März 2022.Bild: keystone

Türkei bombardiert den Nordirak – in Bagdad passt das nicht allen

Die Türkei bombardiert wieder PKK-Stützpunkte im Nordirak. Das sei alles abgesprochen, heisst es aus Istanbul. In Bagdad regt sich aber Widerstand.
19.04.2022, 20:3819.04.2022, 20:38

Was ist passiert?

Im jahrzehntelangen Konflikt zwischen der Türkei und der kurdische Arbeiterpartei PKK ist es zu neuen Entwicklungen gekommen. Am Montag startete Istanbul eine neue militärische Offensive mit dem Namen «Klauen-Verschluss».

Die Luftwaffe habe unter anderem Verstecke, Tunnel und Munitionsdepots bombardiert, teilte das Verteidigungsministerium am Montag mit. Dabei seien Kampfjets, Hubschrauber und bewaffnete Drohnen eingesetzt worden. Zudem seien Bodentruppen im Einsatz.

Das türkische Militär hat bereits mehrmals Einsätze gegen die PKK im Irak und gegen die Kurdenmiliz YPG in Syrien geführt. Andere Staaten stellen die Rechtmässigkeit solcher Einsätze in Frage. So bezweifelte jüngst der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags in Berlin, dass solche Einsätze mit dem Völkerrecht vereinbar sind.

In der Schweiz ist die PKK nicht verboten. Seit 2008 geht der Bundesrat aber restriktiver mit dem Thema um: So verhängte er ein Geldsammelverbot für die Organisation und forderte die Kantone auf, Informationen über die Organisation zu beschaffen. 2018 wurde zudem in einem Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts bestätigt, dass die Schweiz einem Kurden Asyl verweigern darf, wenn er mutmasslich einer Unterorganisation der Arbeiterpartei PKK angehört.

Wie begründet die Türkei die Angriffe?

Die Türkei begründete die Offensive mit dem Schutz vor Terrorangriffen und dem Recht auf Selbstverteidigung.

Die PKK steht in der Türkei, Europa und den USA auf der Terrorliste und unterhält Stellungen in der Südosttürkei und im Nordirak. Ihr Hauptquartier liegt in den nordirakischen Kandil-Bergen. Der jüngste Angriff konzentrierte sich nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums auf die Regionen Metina, Zap und Awaschin-Basjan im Nordirak.

FILE - Turkish President Recep Tayyip Erdogan speaks during a press conference, in Ankara, Turkey, Tuesday, March 22, 2022. Erdogan has reiterated that Ukraine and Russia appear to be making progress  ...
Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan traf sich kürzlich mit Masrur Barsani. Bild: keystone

Der Einsatz sei mit «Freunden und Verbündeten» koordiniert wurden, hiess es weiter. Details dazu wurde nicht genannt. Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan unterhält gute Beziehungen zum Präsidenten der kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak, Masrur Barsani. Am Freitag hatten sich die beiden Politiker in Istanbul getroffen.

Wie reagiert der Irak?

In der irakischen Hauptstadt Bagdad kam die Militäroffensive nicht gut an. Stellungnahmen gab es von Muqtada al-Sadr, der im irakischen Parlament die grösste Fraktion stellt, und vom irakischen Aussenministerium selbst. Beide widersprechen damit der türkischen Darstellung, wonach der Einsatz mit «Freunden und Verbündeten» koordiniert worden sei.

Der Politiker Muqtada al-Sadr sagte, dass sein Land nicht länger schweigen wolle, wenn die Türkei Teile des Iraks ohne Grund bombardiere. Falls vom irakischen Boden eine Gefahr ausgehe, müsse Istanbul zuerst mit der irakischen Regierung sprechen. Ein Sprecher des irakischen Aussenministeriums kritisierte die Türkei für die Verletzung der irakischen Souveränität: Das Land sei nicht der Ort, wo fremde Mächte ihre Konflikte austragen dürften.

(pit/sda)

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