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In den USA und Europa gewinnt die QAnon-Bewegung immer mehr Unterstützer, so auch hier im Bild in Rumänien.
In den USA und Europa gewinnt die QAnon-Bewegung immer mehr Unterstützer, so auch hier im Bild in Rumänien.Bild: keystone

«Sie mögen mich»: Facebook löscht QAnon-Accounts – Trump umgarnt sie

Facebook löscht hunderte Accounts von QAnon-Verschwörungstheoretikern. Trump hingegen verpasst eine Chance, sich von ihnen zu distanzieren.
20.08.2020, 08:03

Was ist passiert?

Nach Twitter geht auch Facebook gegen die amerikanische Verschwörungsmythen-Bewegung QAnon vor. Man habe 790 Gruppen, 100 Seiten und 1500 Anzeigen mit Verbindung zu QAnon entfernt, teilte das weltgrösste Online-Netzwerk am Mittwoch mit. Zudem seien bei 1950 Facebook-Gruppen und 10'000 Accounts der Foto-Plattform Instagram Einschränkungen verhängt worden.

Facebook sehe Bewegungen, «die Gewaltakte befürworten, die zeigen, dass sie Waffen haben und andeuten, dass sie diese auch einsetzen würden», erklärte das Online-Netzwerk.

Facebook betonte zugleich, dass auch 980 Gruppen bei dem Online-Netzwerk für Aufrufe zu Unruhen entfernt worden seien. Einige davon würden mit dem Namen Antifa mit Verbindung gebracht, hiess es. Unter anderem US-Präsident Donald Trump bezeichnet Antifa-Gruppen als Drahtzieher jüngster Plünderungen in amerikanischen Städten.

Twitter hatte bereits vor knapp einem Monat mehr als 7000 Accounts, die QAnon-Unterstützern zugerechnet wurden, dauerhaft gesperrt.

Was sagt Trump dazu?

US-Präsident Donald Trump hat eine Gelegenheit verstreichen lassen, sich von Anhängern des rechten QAnon-Verschwörungsmythos zu distanzieren. «Wie ich verstehe, mögen sie mich sehr, was ich zu schätzen weiss», sagte Trump am Mittwoch auf einer Pressekonferenz im Weissen Haus.

Er wisse zwar nicht viel über die Bewegung. Er habe aber gehört, dass sie an Popularität gewinne. Und: «Ich habe gehört, dass es Leute sind, die unser Land lieben.»

Von einer Reporterin speziell darauf angesprochen, dass die QAnon-Anhänger glaubten, er rette die Welt «vor einem satanischen Kult aus Pädophilen und Kannibalen», sagte Trump: «Ich habe das nicht gehört. Aber soll das etwas Schlechtes sein oder etwas Gutes? Wenn ich helfen kann, die Welt vor Problemen zu retten, bin ich bereit dazu.»

Seine Regierung rette die Welt bereits vor «radikaler linker Philosophie», die Amerika zerstören wolle. «Und wenn dieses Land fällt, folgt der Rest der Welt.»

Wer oder was ist QAnon?

QAnon-Anhänger glauben, dass Trump ihren Kampf gegen eine «globale Elite» anführt – einer Gruppe von überwiegend linksliberalen Politikern, Geschäftsleuten und Promis, die heimlich das Weltgeschehen lenken. Ihre zentralen Thesen spinnen sie sich aus angeblichen Insider-Informationen eines hochrangigen Mitarbeiters im Weissen Haus zusammen, dem viel zitierten «Q».

Die QAnon-Bewegung liebt Trump (im Bild: Ein QAnon-Unterstützer an einer Trump-Ralley in Wilkes-Barre, 2018).
Die QAnon-Bewegung liebt Trump (im Bild: Ein QAnon-Unterstützer an einer Trump-Ralley in Wilkes-Barre, 2018).Bild: keystone

In Internetforen kursieren unzählige Gerüchte, die sich auf angebliche Aussagen von Q berufen. Die Vorwürfe gegen den politischen Gegner reichen von Satanismus bis Kindesmissbrauch. Auch die «Pizzagate»-Erzählung lebt in der QAnon-Bewegung fort. 2016 wurde im US-Präsidentschaftswahlkampf von Trump-Anhängern die Verschwörungstheorie gestreut, wonach in einer Pizzeria in Washington ein Kinderpornoring agiere, in den auch die Kandidatin Hillary Clinton verwickelt sei.

QAnon-Anhänger glauben, weltweit würden Kinder in Gefangenschaft gehalten, um aus ihrem Blut für eine satanistische Elite eine angebliche «Verjüngungsdroge» zu gewinnen. Politiker, Konzernchefs und Promis würden in unterirdischen Tunnelsystemen Kinder missbrauchen, sie essen und ihr Blut trinken. Das Kinderhilfswerk Unicef versorge sie dabei mit Kindern.

Prominente wie der deutsche Vegan-Koch Attila Hildmann, Sänger Xavier Naidoo oder zuletzt Robbie Williams verbreiten die teils antisemitische QAnon-Propaganda auch in Europa. Es erstaunt nicht, dass auch in der Schweiz und in Deutschland an Corona-Demonstrationen QAnon-Symbole zu sehen sind. Bei uns ist die Bewegung derzeit noch ein Sammelbecken für radikale Impfgegner, Esoteriker, Libertäre und Rechtsradikale. Über Plattformen wie Facebook, YouTube, WhatsApp und Telegram diffundieren die Verschwörungsmythen aber in die Gesellschaft. Ausgerechnet Menschen, die seit Jahren vor einer Pandemie warnten, etwa Microsoft-Mitgründer Bill Gates, wurden so für die QAnon-Anhänger zum Feindbild.

(jaw/sda/dpa)

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