Wie sich der Frontverlauf in der Ukraine in den letzten 12 Monaten verändert hat
Genau vier Jahre dauert der russische Angriffskrieg auf die Ukraine nun schon an. Zwar gibt es immer wieder Friedensverhandlungen, doch an der Front wird unter hohen Verlusten auf beiden Seiten weiterhin erbittert um jeden Quadratmeter Boden gekämpft. Aus Wladimir Putins Traum, mit einem Blitzkrieg die gesamte Ukraine in wenigen Tagen einzunehmen, ist längst ein zermürbender Abnutzungskampf für Mensch und Material geworden.
Die aktuelle Lage
Russland hat seit Kriegsbeginn im Februar 2022 fast die komplette Oblast Luhansk sowie grosse Teile der Oblaste Donezk, Saporischschja und Cherson erobert. Seit 2014 ist zudem die Halbinsel Krim komplett in russischer Hand. Der Kreml hat diese ukrainischen Regionen bereits 2022 formell annektiert. Seither fordert Putin den kompletten Rückzug der ukrainischen Truppen aus den noch nicht besetzten Teilen dieser Gebiete.
Die militärische Lage bleibt für die Ukraine verzwickt. Im Donbass hat Russland seinen langsamen, aber stetigen Vormarsch in den letzten Wochen unentwegt fortgesetzt. Trotz harter Gegenwehr der ukrainischen Streitkräfte konnten die Russen im Dezember 2025 die strategisch wichtige Stadt Pokrowsk unter ihre Kontrolle bringen. Und auch auf anderen Frontabschnitten bei Saporischschja und Slowjansk herrschen erbitterte Kämpfe.
Wie gross (oder klein) die russischen Gebietsgewinne in den vergangenen zwölf Monaten waren, zeigt ein Blick auf die Daten der ukrainischen OSINT-Plattform Deep State UA, die auf Grundlage öffentlich zugänglicher Quellen die aktuellen Frontverläufe kartiert. Demnach hat Russland seit dem 24. Februar 2025 eine Fläche von 4188 Quadratkilometern erobert.
Die russischen Gebietsgewinne der letzten 12 Monate:
Das entspricht ungefähr zweimal der Fläche des Kantons St. Gallen oder 0,7 Prozent der Gesamtfläche der Ukraine. Insgesamt hält Russland vier Jahre nach Kriegsbeginn 116'521 Quadratkilometer oder 19,2 Prozent des ukrainischen Territoriums besetzt. Rund sieben Prozent – die Krim und ein Teil des Donbass – standen bereits vor Beginn des russischen Angriffskrieg im Februar 2022 unter russischer Kontrolle.
Die Lage bei Pokrowsk
Besonders schmerzhaft war für die Ukraine der Fall von Pokrowsk im Dezember 2025. Die Stadt ist ein zentraler Verkehrsknotenpunkt im westlichen Teil der Region Donezk, über den wichtige Strassen- und Bahnverbindungen für Nachschub, Truppenbewegungen und Evakuierungen laufen. Wer die Stadt kontrolliert, kontrolliert auch die Logistik im Donbass und kann von dort weitere militärische Aktionen planen.
Noch immer ist die Lage rund um Pokrowsk aber unübersichtlich. Gemäss Berichten des US-Thinktanks Institute for the Study of War (ISW) rückten ukrainische Kräfte zuletzt wieder auf die Stadt vor. Zugleich greift die russische Armee aber Ortschaften rund um die Stadt an.
Möglich gemacht haben soll die neuen ukrainischen Gegenangriffe das Abschalten des Satellitennetzwerks Starlink durch Elon Musk für die russischen Truppen. Laut russischen Militärbeobachtern ist die Verbindung seit dem 5. Februar unterbrochen. Starlink wird eine wichtige Funktion bei der Kommunikation und Drohnensteuerung der Truppen auf beiden Seiten zugeschrieben.
Der ukrainische Festungsgürtel
Doch längst nicht überall gibt es ukrainische Erfolgsmeldungen. In der Region Luhansk rücken die Russen langsam, aber stetig vor. Das Ziel ist dort, den ukrainischen Festungsgürtel bestehend aus den Städten Slowjansk, Kramatorsk, Druschkiwka und Kostjantyniwka zu durchbrechen. Derzeit versuchen die russischen Truppen diesen mit Vorstössen aus dem Raum Pokrowsk in Richtung Norden und aus dem Raum Lyman in Richtung Süden einzukesseln.
Noch halten die ukrainischen Verteidiger aber dagegen. Wichtig bleibt für sie die finanzielle und militärische Unterstützung ihrer Bündnispartner. Die USA haben diese unter Präsident Donald Trump fast komplett eingestellt, dafür ist Europa in die Bresche gesprungen. Neue Waffenlieferungen sind geplant und dringend nötig. Denn gegen eine schlecht ausgerüstete ukrainische Armee wird Russland immer mehr die Oberhand gewinnen.
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