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Ukraine-Krieg: Russland verliert so viele Artilleriekanonen wie noch nie

Russland verliert Artillerie am laufenden Band

25.09.2023, 16:3925.09.2023, 17:12
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Laut Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums haben die Verteidiger in der letzten Woche 230 russische Artilleriekanonen zerstört. Das ist der höchste Wert seit Kriegsbeginn. Die bisherige Rekordmarke lag bei 229 Kanonen und wurde zwei Wochen zuvor aufgestellt. Insgesamt verloren die Invasoren in den vergangenen drei Wochen 651 der wichtigen Kanonen – im Durchschnitt über 30 pro Tag.

Die Bedeutung dieser Rückschläge kann nicht genug herausgestrichen werden. Denn für die Verteidigung der besetzten Gebiete sind sie von enormer Wichtigkeit. Laut Dan Rice, einem ehemaligen Berater des ukrainischen Generals Waleri Saluschni, ist Artillerie für 80 Prozent der Verluste auf beiden Seiten verantwortlich: «Dies ist ein gigantisches Artillerie-Duell.»

Wöchentliche russische Verluste von Artilleriekanonen

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Die intensivsten Kampfhandlungen finden aktuell um das Dorf Verbove an der Südfront statt. Laut verschiedenen Quellen versuchen ukrainische Truppen, in den Nordwestzipfel der Siedlung einzudringen. Trotz hoher Verluste kommt die Ukraine dabei Schritt für Schritt vorwärts. Videos aus der umliegenden Gegend zeigen erbitterte Grabenkämpfe, die an die grausamen Bilder des Ersten Weltkriegs erinnern.

Verbove (blau eingekreist) befindet sich an der Südfront.
Verbove (blau eingekreist) befindet sich an der Südfront.bild: deep state map

Trotz des hohen Drucks der Ukraine versuchen russische Einheiten bei Robotyne immer wieder Gegenoffensiven zu lancieren. Eine Taktik, die laut dem jüngsten Bericht des ISW bei ukrainischen wie auch bei russischen Militärexperten für Stirnrunzeln sorgt. Denn die dafür eingesetzten kampferprobten Truppen werden in der Regel aufgerieben, ohne zuvor Wirkung erzielt zu haben. Ein Rückzug mit einer Neuordnung wäre laut Experten zu diesem Zeitpunkt sinnvoller. Das bereitwillige Opfern von Eliteeinheiten würde laut dem ukrainischen Militärbeobachter Konstiantin Maschowets nur Sinn ergeben, wenn Russland damit auf Zeit spielt: Zeit, um sich für einen grossen Gegenschlag zu organisieren, oder Zeit, um neue Verteidigungslinien aufzubauen.

Ein mobiles russisches Artilleriegeschütz, das von Drohnen zerstört wurde.
Ein mobiles russisches Artilleriegeschütz, das von Drohnen zerstört wurde.bild: screenshot

Die Spekulationen des Instituts für Kriegsstudien (ISW) gehen noch einen Schritt weiter: Moskau habe angeordnet, um jeden Preis die Stellungen zu halten. Ziel sei es, die eigene Kampagne als Erfolg darstellen zu können – und die ukrainische als Fehlschlag. Mit diesem Narrativ soll die westliche Unterstützung der Ukraine untergraben werden. Wer am Ursprung dieser Strategie steht, ist umstritten. Das ISW spekuliert, sie könne gar eine Folge von Putins Mikromanagement sein.

Eine andere Theorie besagt, Verteidigungsminister Schoigu habe von Putin eine Frist von einem Monat erhalten, um die ukrainische Offensive zu stoppen. Schoigu versuche nun, koste es, was es wolle, mit Gegenangriffen zum Lucky Punch zu kommen.

In this photo taken from video released by Russian TV Pool on Tuesday, April 18, 2023, Russian President Vladimir Putin, centre, attends a meeting with commander of the grouping of troops "Dnepr& ...
Teplinski (l.) neben Putin und Oleg Makarewitsch (r.)Bild: keystone

Wenig Freude am verlustreichen und erfolglosen Vorpreschen haben die betroffenen Einheiten. Das ISW zitiert einen russischen Militärblogger, der schon fast panisch die Situation um Verbove und die schlechte Moral russischer Einheiten beschreibt. Das US-Analyseportal wittert dabei eine taktische Übertreibung – um Michail Teplinski mehr Handlungsspielraum zu verschaffen.

Teplinski, der als Stellvertreter Gerassimows das Oberkommando über den Ukrainekrieg faktisch übernommen hat, ist bei Ultranationalisten und Armeeangehörigen sehr beliebt. Auch der verstorbene Wagner-Chef Prigoschin äusserte sich stets lobend über ihn. Teplinski nimmt, wie einst auch Prigoschin, kein Blatt vor den Mund und kritisiert seine Vorgesetzten im Kreml mitunter scharf. Er ist deshalb Verteidigungsminister Schoigu ein Dorn im Auge. Die Schlacht geht auch auf dem politischen Parkett weiter.

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140 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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amore
25.09.2023 16:51registriert Februar 2014
Gut so. Putin hätte die Wahl: alle Geräte aus der Ukraine auf das eigene Staatsgebiet zurückzuziehen. Und damit verlöre er nichts mehr. Nicht einmal russische Soldaten.
Hey! Es wäre doch so einfach.
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Tugium
25.09.2023 16:55registriert Oktober 2017
Hoffentlich nur noch eine Frage der Zeit bis die Südfront kollabiert🙏🏻 Wenn man jeden Tag so die Berichte über den desolaten Zustand der russischen Armee liest wohl eher früher als später.
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Jonas der doofe
25.09.2023 16:48registriert Juni 2020
Hoi Toggi

Sind das verifizierte Zahlen über die Artillerieverluste? Gibts dazu einen Link?
Was ist das Total seit Kriegsbeginn? 5000 oder 10000?
Ich kann das schlecht einordnen irgendwie.
Wieviele solcher Geschütze hat Russland?
Wieviele produzieren sie neu pro Woche?

Wäre toll, wenns dazu noch mehr Infos hätte.
Danke
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