International
Ukraine

Brandanschlag: Unbekannte setzen OSZE-Fahrzeuge in umkämpfter Ostukraine in Brand

OSZE-Fuhrpark: Die zerstörten Fahrzeuge in Donezk. 
OSZE-Fuhrpark: Die zerstörten Fahrzeuge in Donezk. Bild: ALEXANDER ERMOCHENKO/EPA/KEYSTONE

Brandanschlag: Unbekannte setzen OSZE-Fahrzeuge in umkämpfter Ostukraine in Brand

09.08.2015, 11:1009.08.2015, 14:23

Bei einem Brandanschlag auf OSZE-Fahrzeuge in der ostukrainischen Separatistenhochburg Donezk haben Unbekannte vier gepanzerte Wagen zerstört. Trotz des schweren Zwischenfalls blieben die OSZE-Beobachter in der Konfliktregion, teilte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa am Sonntag mit. 

Zum Angriff auf den Fuhrpark kam es in der Nacht. Die OSZE-Beobachtermission sprach von einem Brandanschlag. Die vier auf einem Hotelparkplatz abgestellten Geländewagen brannten vollständig aus. Wer hinter dem Anschlag steckte, war zunächst unklar. Der ukrainische Militärsprecher Alexander Motusjanyk erklärte, Komplizen der prorussischen Rebellen hätten den Anschlag als Reaktion auf die «unvorteilhaften Informationen» verübt, die die OSZE in jüngster Zeit über die Separatisten veröffentlicht habe.

Ukraine

Die prorussischen Rebellen machten dagegen auf ihrer Internetseite «ukrainische Saboteure» für die «Provokation» verantwortlich. Ihr Vertreter Denis Puschilin kündigte eine Verstärkung der Schutzmassnahmen für die Vertreter der Mission an, um derartige Vorfälle künftig zu verhindern. 

Seit einigen Wochen häufen sich Angriffe auf Vertreter der OSZE-Mission, die die Umsetzung der Vereinbarungen von Minsk überwachen sollen. Nachdem ein OSZE-Vertreter Ende Juli unter gezielten Beschuss geraten und leicht verletzt worden war, hatte der stellvertretende Missionsleiter, der Schweizer Alexander Hug, angekündigt, die Einsätze in dem Krisengebiet zu überprüfen. 

Die OSZE überwacht die Lage in dem Kriegsgebiet mit mehr als 500 Mitarbeitern. Regierungseinheiten und prorussische Aufständische berichteten unterdessen erneut von Toten bei Gefechten – trotz einer Waffenruhe. 

Spurensicherung an den zerstörten OSZE-Fahrzeugen.
Spurensicherung an den zerstörten OSZE-Fahrzeugen.Bild: ALEXANDER ERMOCHENKO/REUTERS

14 Künstler auf schwarze Liste

Gegen den Protest Russlands stufte die prowestliche Regierung in Kiew 14 ausländische Künstler als Gefahr für die nationale Sicherheit ein, darunter den französischen Schauspieler und Wahl-Russen Gérard Depardieu. Ebenfalls auf der Liste stehe etwa der in Donezk geborene Duma-Parlamentarier und Sänger Iosif Kobson, der als Unterstützer der Separatisten gilt, teilte das Kulturministerium in Kiew mit.

Unklar war zunächst, ob damit auch Filme und Tonaufnahmen verboten sind. Depardieu, der auch einen russischen Pass hat, war bereits mit einem Einreiseverbot belegt worden. Der ukrainische Geheimdienst prüft derzeit eine «schwarze Liste» mit über 500 ausländischen Künstlern. 

Der Menschenrechtsbeauftragte beim Kreml, Michail Fedotow, kritisierte in Moskau, die Ukraine habe «jedes Mass und Ziel verloren». Der russische Parlamentarier Franz Klinzewitsch von der Regierungspartei Geeintes Russland verurteilte die Liste als Bestrafung kritischer Menschen. «Ihre ganze Schuld besteht darin, dass sie sagen, was sie denken», sagte er der Agentur Tass zufolge. (sda/dpa/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
«Ich wollte nur noch sterben»: Wie die Dürre den Menschen in Äthiopien alles nimmt
Immer kürzere Regenzeiten, immer längere Dürreperioden: Im südlichsten Teil Äthiopiens wächst kaum mehr etwas. Für die Menschen, die mehrheitlich von der Viehhaltung leben, ist das eine grosse Herausforderung. Dass sie trotzdem bleiben, hat auch mit der Schweiz zu tun.
«Ich wollte nur noch sterben», sagt Elema Wario, eine 56-jährige Frau, als ich sie in ihrer kleinen fensterlosen Lehmhütte etwas ausserhalb von Dubuluk im Süden Äthiopiens treffe. Hier lebt sie seit der letzten grossen Dürre, die Ende 2021 einsetzte und fast zwei Jahre anhielt. Rund 3,3 Millionen Nutztiere – Kühe, Schafe, Ziegen, Kamele – verhungerten in dieser Zeit in Borana, dem südlichsten Zipfel Äthiopiens. 90 Prozent des ganzen Viehbestandes.
Zur Story