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Joe Biden kritisiert Trump im ersten Interview nach seinem Rücktritt

Joe Biden Interview BBC, 7. Mai 2025
Joe Biden hat im ersten Interview seit seinem Ausscheiden aus dem Weissen Haus seinem Nachfolger Donald Trump «modernes Appeasement» gegenüber Wladimir Putin vorgeworfen. Bild: BBC

Biden attackiert Trump: «Was zum Teufel ist hier los?»

07.05.2025, 10:4307.05.2025, 16:24

Joe Biden hat Donald Trump in seinem ersten Interview seit seinem Auszug aus dem Weissen Haus im Januar «modernes Appeasement» gegenüber Russland vorgeworfen. Ausserdem äusserte er gegenüber der BBC die Befürchtung, dass Europa «das Vertrauen in die Sicherheit Amerikas» verlieren könnte.

Vergleich zum 2. Weltkrieg

Wladimir Putin glaube, dass Russland historische Rechte auf die Ukraine hätte, sagte Biden der BBC. Und jeder, der glaube, der russische Präsident würde aufhören, wenn Kiew, wie kürzlich von Trump vorgeschlagen, Territorium abtrete, «ist einfach dumm», so Biden.

In seiner Rede in Delaware anlässlich des 80. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs bezeichnete Biden Trumps Haltung als «modernes Appeasement» und bezog sich damit auf die Versuche des britischen Premierministers Neville Chamberlain, Adolf Hitler in den 1930er Jahren zu beschwichtigen.

Der britische Premierminister Arthur Neville Chamberlain, links, und Adolf Hitler bei ihrem Treffen im Bad Godesberger Hotel Dreesen. Was die beiden am 22. September 1938 hier im Streit um das zu Tsch ...
Der britische Premierminister Arthur Neville Chamberlain, links, und Adolf Hitler bei ihrem Treffen im Bad Godesberger Hotel Dreesen 1938.Bild: AP

Biden befürchtet, dass Europa das Vertrauen in die «Sicherheit Amerikas und die Führung Amerikas» verlieren und dass ein Abbruch der Beziehungen zwischen den USA und Europa unter Trump «die moderne Weltgeschichte verändern» würde. Es sei eine «grosse Sorge», dass das Atlantische Bündnis im Sterben liege.

«Jede Generation muss für den Erhalt der Demokratie kämpfen, jede.»
Joe Biden

Den Kampf um den Erhalt der Demokratie «[...] haben wir in den letzten 80 Jahren gut hinbekommen. Und ich mache mir Sorgen, dass wir das Verständnis für die Folgen dieser Entwicklung verlieren», sagt Joe Biden.

Denn die USA sei die einzige Nation, welche in der Lage sei, die Menschen zusammenzubringen und die «Welt zu führen». Die Führer der europäischen Nationen würden sich nun fragen: «Was soll ich jetzt tun? ... Kann ich mich auf die Vereinigten Staaten verlassen? Werden sie da sein?»

«Unter der Würde Amerikas»

Biden sagt gegenüber der BBC, dass er das aussergewöhnliche Treffen zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Oval Office «unter der Würde Amerikas» finde.

«Was zum Teufel ist hier los? Welcher Präsident redet schon so? So sind wir nicht»
Joe Biden

Er verurteilte unter anderem auch Trumps Forderung, die USA sollten den Panamakanal zurücknehmen, Kanada zum 51. amerikanischen Staat machen und Grönland beschlagnahmen. «Was zum Teufel ist hier los? Welcher Präsident redet schon so? So sind wir nicht», so Biden. Um Freiheit, Demokratie und Chancen solle es doch in den USA gehen, nicht um Beschlagnahmung.

Aber wie schätzt Biden sein eigenes Vorgehen in der Ukraine ein? Kritiker haben ihm vorgeworfen, er habe zu lange gezögert, Kiew die für seine Verteidigung benötigten Waffen zu liefern und die Beschränkungen für deren Einsatz aufzuheben. Biden kontert: «Wir haben ihnen alles gegeben, was sie für ihre Unabhängigkeit brauchten, und wir waren darauf vorbereitet, aggressiver zu reagieren, falls Putin sich wieder bewegen sollte.»

Und was war mit dem späten Rückzieher der Kandidatur?

Biden trat weniger als vier Monate vor der Wahl im November zurück und liess damit seiner Nachfolgerin Kamala Harris nur wenig Zeit zur Vorbereitung. Hätte Biden früher gehen sollen? «Wir sind zu einem Zeitpunkt ausgestiegen, als wir eine gute Kandidatin hatten», so Biden gegenüber der BBC.

«Ich denke, es war die richtige Entscheidung. Ich denke, dass ... es war einfach eine schwierige Entscheidung.» (les)

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