Hegseth macht Figur aus Kinderserie «Franklin» zu Kriegshelden – Verlag protestiert
Donald Trump und seine Regierung verteidigen jetzt sogar mit Kinderbuchfiguren ihre Politik. Dabei machen sie auch vor unerlaubten Kopien nicht halt. Das amerikanische Verteidigungsministerium hat zum Beispiel ohne Genehmigung des kanadischen Verlages Kids Can Press eine beliebte Zeichentrickfigur für Kriegswerbung verwendet. Die Schildkröte «Franklin» wird in einem veränderten Kinderbuch-Titelbild nun verwendet, um Abschiebungen und das harte Vorgehen gegen mutmassliche Drogendealer der Öffentlichkeit zu rechtfertigen.
Verteidigungsminister Pete Hegseth – der sich seit Neuestem offiziell «Kriegsminister» nennt – postete ein Bild, das die Schildkröte «Franklin» der kanadischen Autorin Paulette Bourgeois in einem Militärhubschrauber zeigt. Sie schiesst von dort auf ein Boot mit mutmasslichen Drogenschmugglern. Die amerikanische Küstenwache und das US-Militär haben mehrfach Boote in internationalen Gewässern zerstört, die angeblich Drogen schmuggelten. Bislang kamen dabei 90 Menschen ums Leben.
For your Christmas wish list… pic.twitter.com/pLXzg20SaL
— Pete Hegseth (@PeteHegseth) December 1, 2025
Verlag: «Verurteilen unbefugte Verwendung aufs Schärfste»
Der kanadische Verlag hat sich über die Verwendung der Schildkrötenfigur beschwert. «Franklin» sei eine beliebte kanadische Ikone, die Generationen von Kindern inspiriert habe und für Freundlichkeit, Empathie und Inklusivität stehe. «Wir verurteilen jede herabwürdigende, gewalttätige oder unbefugte Verwendung von 'Franklins' Namen oder Bild, die diesen Werten direkt widerspricht, aufs Schärfste», hiess es laut Nachrichtenagentur dpa.
Der kanadische Sender CBS News hat die US-Regierung um eine Stellungnahme gebeten. In einer Erklärung sagte Sean Parnell, Sprecher des Pentagon: «Wir bezweifeln, dass Franklin die Schildkröte Drogenkartelle einbeziehen oder die Freundlichkeit und Empathie von Drogenterroristen loben möchte.»
Franklin is helping write the next chapter of America. You can too!
— U.S. Department of Justice (@TheJusticeDept) December 11, 2025
We’re looking for patriotic legal professionals to serve as Deportation Judges. Your work will have generational consequences.
Apply today!https://t.co/hLJZoubvzB pic.twitter.com/IuYLfLfYEU
Trumps Ministerien sind von solcher Kritik wenig beeindruckt. Das Wohnungsbauministerium zeigte auf der Plattform X ein Bild der Schildkröte, wie sie am Telefon Migranten der Einwanderungsbehörde ICE meldet. Das Justizministerium nahm Franklin als Vorlage für einen Buchdeckel, in dem Franklin als Abschieberichter gezeigt wird.
Film mit Tom Hanks und Figur Grinch ebenfalls verwendet
Auch vor Filmen macht die Trump-Propaganda nicht halt. Der beliebte Weihnachtsfilm «Der Polarexpress» – im Original mit Tom Hanks – wurde vom Weissen Haus für eine weitere Attacke gegen Ausländer genutzt. Auf dem Originalposter steht ein kleiner Junge zur Weihnachtszeit staunend vor einer Dampflokomotive auf der Fahrt zum Nordpol. In der Version des Weissen Hauses werden Migranten aufgefordert, mit dem «Deportationsexpress» – einem Flugzeug – das Land zu verlassen. Sogar die Weihnachtsfigur Grinch muss als Migrant herhalten, der den Amerikanern nach Ansicht der US-Regierung die Gesundheitsversorgung stiehlt.
Die Musikerin Sabrina Carpenter verwehrt sich dagegen, dass ihre Songs für Clips gegen Einwanderer verwendet werden. «Dieses Video ist bösartig und widerwärtig. Beziehen Sie mich oder meine Musik niemals in Ihre unmenschliche Agenda mit ein», schrieb sie auf der Plattform X. Wenige Tage später erschien der nächste Clip, in dem sie diesmal auch zu sehen ist.
Das Weisse Haus teilte dem Portal «The Hill» mit: «Wir entschuldigen uns nicht dafür, dass wir gefährliche Kriminelle, illegale Mörder, Vergewaltiger und Pädophile aus unserem Land abschieben. Jeder, der diese kranken Monster verteidigt, muss dumm sein».

