DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Feuerwehrleute ausserhalb des Gebäudes in den Bronx.
Feuerwehrleute ausserhalb des Gebäudes in den Bronx.Bild: keystone

Mindestens 19 Tote wegen Wohnungsbrand in der Bronx – eine «Tragödie»

10.01.2022, 08:48

Bei einem der schwersten Brände in der neueren Geschichte New Yorks sind im Stadtteil Bronx mindestens 19 Menschen gestorben – unter ihnen neun Kinder. «Die Zahlen sind schrecklich», sagte Bürgermeister Eric Adams, der von einer «Tragödie» sprach. Es wird davon ausgegangen, dass die Zahl der Toten angesichts von über 60 grösstenteils lebensgefährlich Verletzten noch weiter steigen könnte. Als Brandursache nannte Feuerwehr-Chef Daniel Nigro ein kaputtes elektrisches Heizgerät.

«Es begann mit einer defekten elektrischen Raumheizung», so Nigro. «Das Feuer hat sich in der Wohnung ausgebreitet, die sich über zwei Etagen erstreckt.» Zudem habe die Tür des Apartments im unteren Teil des Gebäudes offen gestanden, so dass sich tödlicher Rauch im gesamten 19-stöckigen Gebäude habe ausbreiten können. Die Menschen seien in ihren Wohnungen oder im Treppenhaus von Rauch eingeschlossen gewesen. Auf jeder Etage entdeckten die Feuerwehrleute Opfer, viele davon mit schweren Rauchvergiftungen.

Einer der Bewohner des Gebäudes erzählte, wie er Menschen auf der Flucht «Hilfe, Hilfe, Hilfe» rufen hörte. Während seine Kinder unverletzt blieben, seien die Kinder seiner Nachbarin in dem Feuer getötet worden. Normalerweise bringe er sie alle jeden Morgen zur Schule, doch dies werde nun nie wieder passieren. «Was werde ich jetzt meinen Kindern erzählen?», sagte er unter Tränen. «Morgen ist ein Schultag, sie werden mich fragen, wo ihre Freunde sind.»

Der Bürgermeister von New York City, Mayor Eric Adams, spricht am Unglücksort.
Der Bürgermeister von New York City, Mayor Eric Adams, spricht am Unglücksort.Bild: keystone

Dilenny Rodriguez schilderte, wie sie Kinder schreien hörte. Sie selbst sei in ihrer Wohnung gewesen, als sie den Rauch wahrnahm. Zusammen mit ihrer Tochter habe sie im Schlafzimmer gewartet, bis schliesslich Feuerwehrleute an die Tür geklopft hätten und mit ihnen das Treppenhaus hinunter gegangen seien. «Das Schlimme war, als wir die Treppe hinuntergingen und wir eine Leiche sahen und tote Hunde. Wir konnten nichts tun», sagte sie. Sie trauere um ihre Nachbarn. «Jeder hatte seine Familie hier im Gebäude.»

Das Feuer war am Sonntagvormittag (Ortszeit) an einem nasskalten New Yorker Wintertag ausgebrochen. Nach einem Grosseinsatz von rund 200 Feuerwehrleuten konnte es in wenigen Stunden gelöscht werden. Videos in den sozialen Medien zeigten Bilder von dichtem Rauch, der durch zerborstene Fenster quillt.

Über Leitern holten Feuerwehrleute Bewohner aus dem Wohnhaus heraus. Nach Darstellung von Bürgermeister Adams suchten Feuerwehrleute auch dann noch nach Überlebenden, als ihnen schon der Sauerstoff ausgegangen war.

Stunden nach dem Feuer im Herzen der Bronx war der Unglücksort noch von Blaulicht erhellt. Hunderte Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Spezialteams setzten die Spurensuche fort. Eine angrenzende Schule wurde für die Brandopfer geöffnet, um den nun erst einmal Obdachlosen eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen. Bei dem Gebäude handelt es sich um einen Wohnblock für sozial schwache Familien mit angepassten Mieten. Die Bronx ist der ärmste Stadtteil New Yorks mit einem Einkommen seiner Bewohner weit unter dem Schnitt der US-Ostküstenmetropole.

Geborstene Fensterscheiben. Die Bewohner des Wohnblocks sind zurzeit in einer Schule untergebracht.
Geborstene Fensterscheiben. Die Bewohner des Wohnblocks sind zurzeit in einer Schule untergebracht.Bild: keystone

Das Unglück markiert einen der schlimmsten Brände in der jüngeren Geschichte von New York. 1990 waren 87 Menschen durch ein Feuer in den «Happy Land Social Club» in der Bronx ums Leben gekommen. Das Feuer wurde auf Brandstiftung zurückgeführt. Erst am Mittwoch waren bei einem Brand in einem Wohnhaus in Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania zwölf Menschen ums Leben gekommen, darunter acht Kinder. Das Feuer war im mittleren Geschoss eines dreistöckigen Wohnhauses ausgebrochen. (yam/saw/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Brand in der Notre-Dame

1 / 35
Brand in der Notre-Dame
quelle: ap/ap / christophe ena
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Stärkste Eruption seit 30 Jahren: Inseln in Tonga von Kommunikation abgeschnitten

Zwei Tage nach dem gewaltigen Ausbruch eines unterseeischen Vulkans in der Nähe des Inselreichs Tonga ist das Ausmass der Schäden in dem Südseearchipel weiter unklar. Militärflugzeuge aus Neuseeland und Australien waren am Montag unterwegs in das Gebiet, um die Lage aus der Luft zu erkunden. Die Kommunikationsverbindungen dorthin waren weiter stark beeinträchtigt – speziell auf einigen der abgelegeneren Inseln Tongas, zu denen seit der Eruption des Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai keinerlei Kontakt hergestellt werden konnte. Zu Tonga gehören etwa 170 Inseln, 36 davon sind unbewohnt.

Zur Story