Ölpreise kurz vor 100-Dollar-Marke – Expertin warnt vor Panik am Montag
«Die Schonfrist für die Trump-Regierung ist Ende der Woche ausgelaufen», sagt der Analyst Clayton Seigle am Center for Strategic and International Studies am Sonntag zur britischen Zeitung «The Guardian». Gemeint ist: Die Schonfrist der weltweiten Energiemärkte, die in der ersten Woche des Irankriegs zwar reagiert hatten, aber weniger panisch als von vielen Expertinnen und Experten erwartet.
Das dürfte jetzt vorbei sein, denn: Noch immer ist die Strasse von Hormus gesperrt, und es ist kein Ende in Sicht. Damit kommt ein Fünftel der weltweiten Öl- und LNG-Exportmengen nicht in die Welt. Die Golfstaaten müssen ihre eigenen Reserven auffüllen, anstatt Frachter zu befüllen – doch auch diese Kapazitäten sind endlich. Bisher haben daher Katar, Irak, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate Produktionsdrosselungen für Öl und Gas angekündigt, zum Teil wurde auch schon «Force Majeure» ausgerufen.
Trump sind hohe Ölpreise scheinbar egal
Es fehlen aktuell 20 Millionen Fass an Öl pro Tag am weltweiten Ölmarkt, erklärt Seigle dem «Guardian». Und es fehle an Anzeichen für eine Entspannung der Lage. «Im Gegenteil: Präsident Trump fordert eine bedingungslose Kapitulation, was ein äusserst unwahrscheinliches Szenario ist. Während Beobachter anfangs vielleicht dachten, seine Gleichgültigkeit gegenüber schmerzhaft hohen Ölpreisen sei ein Bluff, ist inzwischen klar, dass dem nicht so ist.»
Die Bank Goldman Sachs warnte daher am Freitag vor weiter steigenden Ölpreisen in der kommenden Woche. Innerhalb weniger Tage könnte die 100-Dollar-Marke pro Fass erreicht werden. Sollte die Sperrung bis Ende des Monats noch andauern, seien Preise jenseits von 150 US-Dollar realistisch.
«Wir gehen inzwischen auch davon aus, dass die Ölpreise – insbesondere für raffinierte Produkte – die Höchststände von 2008 und 2022 übertreffen würden, falls die Transportströme durch die Strasse von Hormus den gesamten März über gedämpft bleiben», zitieren mehrere Medien die Bank. 2022 kletterten die Ölpreise nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs auf 120 US-Dollar pro Fass; 2008 war der Höchststand bei 145 Dollar erreicht.
Gaspreise klettern auch
Und auch bei den Gaspreisen zeichnet sich eine turbulente Woche ab. In Katar wird die LNG-Produktion laut «Reuters» für mindestens zwei Wochen pausiert. Sollte der Konflikt in den nächsten Tagen zu einem Ende kommen, würde es mindestens genauso lange dauern, um die Produktion wieder hochzufahren. Marktbeobachter müssen daher jetzt schon davon ausgehen, dass 17 Prozent der weltweiten LNG-Verfügbarkeiten für mindestens vier Wochen ausfallen.
Am härtesten betroffen ist aktuell Asien, wo die meisten Abnehmer für Öl und Gas aus der Golfregion sind. Länder wie China, Japan und Indien schauen sich jetzt nach Alternativen auf den Weltmärkten um, was sich früher oder später auch auf europäische Preise niederschlagen wird. Energieökonomin Anne-Sophie Corbeau von der Columbia University sagte daher zum Magazin «The Economist», dass sie Panik an den Märkten erwarte, wenn sich ab Montag keine Entspannung abzeichne. Gaspreise jenseits der Marke von 90 Franken/Megawattstunde seien dann zu erwarten. Vor dem Irankrieg lagen die Grosshandelsgaspreise unter 27 Franken/MWh.
Auch andere Analysten erwarten deutliche Preisausschläge bei einer längeren Sperrung der Strasse von Hormus. Das Fachportal «Montel» befragte mehrere Beratungsunternehmen, die Preise zwischen 60 und 70 Franken/MWh erwarten, wenn die Krise noch mindestens vier Wochen andauert. Sind es eher drei Monate, seien bis zu 100 Franken/Mwh realistisch.
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