In der Nacht auf Freitag steigen Donald Trump und Joe Biden zum ersten Mal im aktuellen Wahljahr gemeinsam in den Ring. Das weckt Erinnerungen an vergangene Fernseh-Debatten. Einige davon haben den Ausgang der Wahlen wahrscheinlich massgeblich beeinflusst.
In einem offenen Brief in der «New York Times» warnt Hillary Clinton, ein TV-Duell gegen den Ex-Präsidenten sei verschwendete Zeit. Sie wird es wissen: Die Demokratin ist die einzige Person, die bereits mit beiden aktuellen Kandidaten debattiert hat. Das Rennen um die Präsidentschaft verlor sie im Jahr 2016 gegen Donald Trump.
Das erste Duell zwischen Clinton und Trump war gemäss dem Medienforschungsunternehmen Nielsen die meistgesehene Präsidentschaftsdebatte der Geschichte.
Besonders viel böses Blut gab es während des zweiten Duells. Das Video, in dem der Republikaner damit angab, er könne Frauen begrapschen, hatte erst gerade die Runde gemacht. Clinton sagt dazu, Trump sei «missbräuchlich gegenüber Frauen». Im selben Duell schwor der heutige Ex-Präsident der Demokratin, die Untersuchungen gegen sie fortzusetzen, weil sie während ihrer Zeit als Aussenministerin ein privates E-Mail-Konto benutzte. «Sperrt sie ein» wurde ein beliebter Ruf während Wahlkampf-Veranstaltungen des Republikaners.
Die zweite Debatte zwischen Präsident George H. W. Bush, dem Demokraten Bill Clinton und dem parteilosen Ross Perot fand im etwas aufgelockerten Townhall-Format statt. Dieses wurde von Clinton, dem damaligen Gouverneur des Bundesstaates von Arkansas, vorgeschlagen. Ihm habe das Format auch am meisten genutzt, weil er sympathischer schien als seine Gegner, so die Analysen.
Der wohl berühmteste Moment: Während eine Wählerin eine Frage zur Staatsverschuldung stellte, wurde Präsident Bush dabei gefilmt, wie er auf seine Uhr schaute. Die Geste wurde als «gelangweilt» und «ohne Bezug zur Wählerschaft» gewertet.
Das Aussehen ist wichtig - auch bei der Wahl des nächsten Präsidenten. Das zeigte die erste TV-Debatte zwischen Präsidentschaftskandidaten überhaupt im Jahr 1960. Der amtierend Vizepräsident Richard Nixon trat damals gegen den weniger bekannten demokratischen Senator John F. Kennedy an. Der altbackene Nixon weigerte sich, für den Fernsehauftritt Make-up zu tragen. Die Folge: Er sah müde und alt aus. Hinzu kam, dass sein grauer Anzug ihn mit dem Hintergrund verschwimmen liess.
Kennedy hingegen sah jung und in seinem schwarzen Anzug «mysteriös» aus, wie es später hiess. Auswertungen nach der Debatte liessen darauf schliessen, dass diejenigen, die das Duell am TV verfolgten, Kennedy als Gewinner sahen. Radiohörerinnen und -hörer empfanden Nixon als besser. Die unterschiedliche Wahrnehmung könnte jedoch auch damit erklärt werden, dass Radiohörer zu dieser Zeit tendenziell konservativer waren als Fernsehzuschauer.
Laut dem Medienforschungsunternehmen Nielsen wurden nie mehr Haushalte bei einer Präsidentschaftsdebatte erreicht, als bei dieser ersten Debatte.
Nach 1960 dauerte es ganze 16 Jahre, bis sich Kandidaten für ein Duell wieder vor die Kameras trauten. (aargauerzeitung.ch)