International
Venezuela

Trump will Venezuela «regieren»: Was er plant

President Donald Trump speaks during a news conference at Mar-a-Lago, Saturday, Jan. 3, 2026, in Palm Beach, Fla., as Secretary of State Marco Rubio listens. (AP Photo/Alex Brandon)
Donald Trump
Der amerikanische Präsident am Samstag während einer Pressekonferenz in Palm Beach. Im Hintergrund: Aussenminister Marco Rubio.Bild: keystone

Trump will Venezuela «regieren»: Was er plant

Zuerst sah es aus, als seien die USA nur am Diktator Nicolás Maduro interessiert, der in New York angeklagt worden ist. Doch nun zeigt sich: Der amerikanische Präsident will viel mehr.
03.01.2026, 20:3303.01.2026, 20:38
Renzo Ruf, Washington / ch media

Das amerikanische Engagement in Venezuela endet nicht mit der Verhaftung von Herrscher Nicolás Maduro. Vielmehr wollen die USA das südamerikanische Land «jetzt regieren» — und in einem ersten Schritt die lukrative Ölindustrie wieder auf Vordermann bringen. Dies gab US-Präsident Donald Trump am Samstag an einer Pressekonferenz bekannt, neun Stunden nachdem ein amerikanisches Spezialkommando Maduro aus Caracas ausgeflogen hatte.

Über die Art und Weise, wie Washington den südamerikanischen Staat mit mehr als 30 Millionen Bewohnerinnen und Bewohnern regieren werde, gab Trump nur wenig Auskunft. «Eine Gruppe» werde den Übergang vom Maduro-Regime zu einer demokratisch legitimierten Regierung ermöglichen, sagte er, und deutete dabei auf Aussenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth. Diese Übergangsphase werde wohl einige Zeit dauern, sagte Trump.

Und die USA seien jederzeit bereit, wieder mit Waffengewalt einzugreifen – schliesslich befinden sich in der Karibik Dutzende von amerikanischen Kriegsschiffen, Soldaten und Waffensystemen. An der Operation zur Verhaftung Maduros sollen sich rund 150 Flugzeuge und Helikopter beteiligt haben.

Neue Herrscherin wird vom Westen nicht anerkannt

Rubio wiederum soll sich bereits am Samstag mit der Maduro-Stellvertreterin Delcy Rodríguez unterhalten haben, die angeblich bereits den Amtseid als Präsidentin abgelegt hat. «Sie ist im Grunde bereit, alles zu tun, was wir für notwendig halten, um Venezuela wieder zu alter Grösse zu verhelfen», sagte Trump.

FILE - Venezuela's Vice President Delcy Rodriguez takes part in talks with the Russian Foreign Minister during in Moscow, March 1, 2019. (AP Photo/Pavel Golovkin, File)
Delcy Rodriguez
Venezuelas neue Präsidentin Delcy Rodríguez.Bild: keystone

Die 56-Jährige war bisher eine treue Gefolgsfrau des Regimes, das Venezuela seit rund 25 Jahren beherrscht. Sie amtiert seit August 2024 auch als Ölministerin. Ihr Aufenthaltsort ist derzeit unklar; die Nachrichtenagentur Reuters berichtete aber am Samstag, mit Bezug auf vier Quellen, dass sich Rodríguez in Russland aufhalte.

In den Augen der meisten westlichen Staaten ist die neue Präsidentin allerdings nicht die legitime Herrscherin von Venezuela. Sie beschuldigen sie und Maduro, nach der Präsidentenwahl 2018 unrechtmässig an der Macht geblieben zu sein.

Auch in der Schweiz steht Rodríguez deshalb auf der Sanktionsliste des Seco (Staatssekretariat für Wirtschaft). Bundesbern wirft ihr vor, 2018 und 2019 im Zuge der Wahl die Demokratie in Venezuela unterminiert und den Rechtsstaat ausgehebelt zu haben. Die De-facto-Herrscherin Venezuelas darf weder in die Schweiz einreisen noch unser Land durchqueren; ausserdem ist es Schweizer Banken untersagt, mit ihr Geschäftsbeziehungen einzugehen.

Über María Corina Machado, die Anführerin der Opposition und Friedensnobelpreisträgerin, sagte Trump bloss: Er sehe sie nicht an der Spitze des Landes, da sie von der Bevölkerung weder ausreichend unterstützt noch respektiert werde. Der Name des legitimen Siegers der Präsidentenwahl 2024 – Edmundo González, der im Exil in Spanien lebt – erwähnte Trump während der Pressekonferenz nicht.

USA sei an «guten Nachbarn» interessiert

Das ist bezeichnend. Trump scheint es egal zu sein, welche Person künftig an der Spitze von Venezuela steht. Ihm geht es vor allem darum, rasch wieder venezolanisches Öl zu fördern, wie er selbst sagte. Zu diesem Zweck werde seine Regierung auf die Hilfe der grossen amerikanischen Energiekonzerne zurückgreifen; Chevron ist derzeit der einzige Ölmulti, der in Venezuela operieren darf.

Der US-Präsident behauptete auch, dass dieses Ziel mit seinem Wahlspruch «America First», Amerika zuerst, problemlos vereinbar sei. Die USA seien daran interessiert, von «guten Nachbarn» umgeben zu sein und in Stabilität zu leben. Auch profitiere die amerikanische Bevölkerung von venezolanischen Ölexporten, obwohl Trump doch immer wieder behauptet, die USA sei dank seiner Reformpolitik nicht mehr auf Energieimporte angewiesen.

Sowieso, die Widersprüche zwischen Trump, dem Isolationisten, und Trump, dem Herrscher über die ganze Hemisphäre, waren an der rund 60 Minuten dauernden Pressekonferenz in Palm Beach (Florida) augenfällig. So behauptete der amerikanische Präsident zuerst, dass die Militäroperation in Venezuela eigentlich nur dem Ziel gedient habe, Maduro und seiner Gattin der hiesigen Justiz zu überstellen.

Maduro muss sich vor Bundesgericht verantworten

Pam Bondi, die Justizministerin der Regierung Trump, hatte zuvor eine neue Anklageschrift gegen den venezeolanischen Herrscher veröffentlicht, in der die Ermittlungsbehörden ihn als Kopf eines Netzes von Drogenschmugglern und Gangs bezeichneten. Trump sagte, die Vorwürfe gegen Maduro seien «furchtbar» und «atemberaubend», obwohl konkrete Beweise für die Vorwürfe in der 25 Seiten zählenden Anklageschrift fehlen. Maduro wurde am Samstag auf dem Kriegsschiff Iwo Jima festgehalten. In einem nächsten Schritt soll er nun nach New York gebracht werden, wo sein Prozess dann vor einem zivilen Bundesgericht stattfinden würde.

FILE - Venezuela's President Nicolas Maduro, then Constituent National Assembly President Delcy Rodriguez, left, and first lady Cilia Flores, wave as they arrive to the National Assembly, in Cara ...
Nicolás Maduro, seine Frau Cilia Flores (r.) und Delcy Rodríguez im Jahr 2018. Bild: keystone

Dann sprach Trump aber eigentlich vor allem über das Öl in Venezuela und wie sich Amerika zurückholen wolle, was rechtmässig den USA gehöre. Dabei bezog er sich wohl auf die Verstaatlichung der venezolanischen Ölindustrie unter Maduros Vorgänger (und Förderer) Hugo Chávez vor rund 20 Jahren. Damals übernahm der staatliche Konzern Petróleos de Venezuela (PdVSA) die Mehrheit an Ölfeldern grosser ausländischer Konzerne. Trump sagte: «Wir haben die ganze Industrie aufgebaut», bevor einer seiner Vorgänger – wahrscheinlich meinte er damit seinen alten parteiinternen Widersacher George W. Bush – nichts gegen die Verstaatlichung unternommen habe. Nun werde man sich zurückholen, was man damals verloren habe, sagte Trump sinngemäss.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
40 (momoll, vierzig!) Gründe, weshalb man trotz Trump die USA immer noch lieben kann
1 / 43
40 (momoll, vierzig!) Gründe, weshalb man trotz Trump die USA immer noch lieben kann
Hey Leute. Es ist traurig. Aber wahr. Leider. Dennoch: Viele von uns werden die USA immer lieben. Und zwar aus folgenden Gründen (eine willkürliche Auswahl und in keinerlei bestimmten Reihenfolge – ausser vielleicht der Nummer Eins): ...
quelle: imgur
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Ein Angriff, wie man ihn seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt hat»
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
181 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Hernd Böcke
03.01.2026 20:55registriert Juni 2017
Es ist eine Farce, eine Schande.

Die politische Zukunft der Schweiz ist klar wie nie:


Die Europäische Union ist unser wichtigster Wirtschafts-, Sicherheits- und Wertepartner. Wer glaubt, die Schweiz könne sich dauerhaft abkoppeln, ignoriert politische Realität und wirtschaftliche Fakten.

Ein starkes Europa liegt im ureigenen Interesse der Schweiz. Das bedeutet, europäische Produkte dort zu berücksichtigen, wo es sinnvoll ist, und Politiker:innen zu wählen, die sich klar und glaubwürdig proeuropäisch positionieren – unabhängig vom politischen Spektrum
35222
Melden
Zum Kommentar
avatar
El Mussol
03.01.2026 20:48registriert Mai 2023
Rational habe ich ja gecheckt, dass Trump sich um keine Regeln, keine Gesetze und keine Ordnung und auch um kein richterliches Verbot kümmert, sondern einfach macht.
Trotzdem bin ich immer auf's Neue fassungslos, wenn er etwas tut, in welcher Grössenordnung er es tut und dass er damit einfach durchkommt...
2986
Melden
Zum Kommentar
avatar
Gurgelhals
03.01.2026 20:51registriert Mai 2015
Der Artikel ist bereits überholt, weil: Die bereits als Präsidentin vereidigte Delcy Rodriguez befindet sich in Caracas und hatte gerade einen Live TV-Auftritt mit dem Kabinett. Und es klang überhaupt nicht danach, als hätte das weitgehend intakte Regime im Sinn mit Trömp & Co. zu kooperieren.

Kurz und gut: Trömp, Rubio, Hegseth & Co. haben gelogen. Wieder einmal.

Ist aber auch wieder mal alles Trömp-typisch so unfassbar dumm: Man entführt mal kurz das Staatsoberhaupt und geht danach in den Feierabend, denn man glaubt ernsthaft, dass das alles ist, was es für einen Regimewechsel braucht.
2236
Melden
Zum Kommentar
181
Mädchen jahrelang versteckt – Prozess gegen Mutter gestartet
Gegen eine Mutter, die ihre Tochter fast ihr gesamtes Leben lang in einem Haus in Deutschland versteckt haben soll, hat ein Strafprozess in der Stadt Siegen begonnen.
Zur Story