Wie es 2026 mit den Kriegen und Konflikten weitergeht
Donald Trump wäre gerne ein grosser Friedensstifter. Faktisch aber hat er seit seinem erneuten Amtsantritt im letzten Januar schon häufiger militärische Gewalt eingesetzt als in seiner gesamten ersten Amtszeit. Und die Friedensabkommen, die er mit Pomp inszenierte, waren häufig für die Galerie. Keiner dieser Konflikte konnte wirklich beigelegt werden.
Insgesamt war es ein ziemlich trübes Jahr. Zwischen Israel und Iran kam es zum seit langer Zeit befürchteten Krieg, auch wenn er mit zwölf Tagen kurz war. Im Ukraine-Krieg, der sich mehr oder weniger vor unserer Haustüre abspielt, sprechen weiterhin die Waffen. Und China droht der Insel Taiwan immer unverblümter mit einer gewaltsamen «Wiedervereinigung».
Wird wenigstens 2026 alles besser? Es gibt keinen Grund zu übertriebenem Optimismus. Hier ein Überblick über die wichtigsten Konflikte und wie es weitergehen könnte:
Ukraine
Als Wladimir Putin den Einmarsch in die Ukraine befahl, glaubte er an einen schnellen Sieg. Demnächst geht der Krieg in sein fünftes Jahr. Militärisch scheint Russland im Vorteil zu sein, doch ein entscheidender Durchbruch ist nicht in Sicht. Donald Trump möchte den Krieg beenden. Das Problem ist, dass er sich zu oft auf die Seite des Aggressors schlägt.
Das zeigte sich kurz vor Jahresende beim angeblichen ukrainischen Drohnenangriff auf Putins Residenz bei Nowgorod. Obwohl die Beweislage dubios ist, liess sich Trump einmal mehr einseifen. Faktisch will der russische Machthaber wohl die Annäherung zwischen Trump und Wolodymyr Selenskyj torpedieren und den Friedensprozess sabotieren.
Putin sieht sich im Vorteil. Seine Kompromissbereitschaft ist nur vorgetäuscht. In Wirklichkeit dürfte er darauf hoffen, dass Trump sich entnervt zurückzieht und das Problem auf die Europäer abschiebt. Es ist eine riskante Wette. Falls es aber dazu kommt, und das ist nicht undenkbar, wird der Krieg vermutlich den Beginn des sechsten Jahrs erleben.
Nahost
Der Waffenstillstand im Gaza-Krieg und die Freilassung der letzten israelischen Geiseln sind der bislang grösste und einzige zählbare Erfolg von Trumps Friedensbemühungen. Doch die Fortsetzung gestaltet sich schwierig, und das Leid der Zivilbevölkerung setzt sich fort. Israels ultrarechte Regierung würde den Krieg gegen die Hamas wohl gerne wieder aufnehmen.
Für Regierungschef Benjamin Netanjahu ist es eine Gratwanderung, denn er darf Donald Trump und die USA auch nicht verärgern. Im Weissen Haus verfolgt man seine Aktivitäten gemäss Axios mit Misstrauen. Das zeigt der Streit um das Westjordanland, das Netanjahus rechtsextreme Koalitionspartner weiter besiedeln und annektieren möchten.
Ein neuer Gaza-Krieg ist wenig wahrscheinlich, aber die Umsetzung des Friedensplans bleibt anspruchsvoll. Möglich hingegen ist eine erneute Eskalation mit Iran und seinem «Ableger», der Hisbollah im Libanon. Das Regime in Teheran ist angeschlagen, doch ob die Unruhen zum Jahreswechsel seinen Sturz herbeiführen können, bleibt fraglich.
Zaghafter Optimismus ist dafür im Fall von Syrien erlaubt. Zwar kommt es immer wieder zu Gewaltausbrüchen, und das Verhältnis zwischen den Volksgruppen bleibt fragil. Doch ein neuer Bürgerkrieg ist entgegen manchen Befürchtungen bislang ausgeblieben. Insgesamt aber wird die Region 2026 ein Pulverfass bleiben, wie sich zuletzt im Jemen zeigte.
Venezuela
Donald Trump scheint sich auf die Zeiten zurückbesinnen, in denen die USA Lateinamerika als ihren «Hinterhof» betrachteten, in dem sie nach Belieben schalten und walten konnten. Abgesehen hat er es auf Venezuela und den autokratischen Machthaber Nicolás Maduro. Unter dem Vorwand des Drogenhandels strebt der US-Präsident dessen Entmachtung an.
In der Nacht auf Samstag kam es zur Eskalation, mit US-Luftangriffen auf die Hauptstadt Caracas und der Festnahme von Maduro. Donald Trump geht mit seinem aggressiven Vorgehen ein Risiko ein. Grosse Teile seiner MAGA-Basis ticken isolationistisch und haben genug von den US-Einmischungen in aller Welt.
Taiwan
Chinas Machthaber Xi Jinping strebt die «Wiedervereinigung» mit der Insel an, wenn nötig mit Gewalt. Unterstrichen hat er dies mit dem Manöver zum Jahresende, das faktisch einer Seeblockade Taiwans entsprach. Mit jeder militärischen Übung scheint China die Schlinge um den freiheitlich-demokratischen Stachel in seinem Fleisch stärker zuziehen zu wollen.
Manche Beobachter halten eine Invasion für unvermeidlich, vielleicht nicht im nächsten Jahr, dafür aber 2027, wenn die Volksbefreiungsarmee ihren 100. Geburtstag feiert. Ausserdem findet der 21. Parteitag der Kommunistischen Partei statt. Bis dann will China bereit sein für einen militärischen Angriff auf Taiwan. Es sind ungemütliche Perspektiven.
Diverse
Kriegerische Konflikte gibt es derzeit in vielen Regionen, besonders aber in Afrika. Im Sudan liefern sich die reguläre Armee und die Rapid Support Forces (RSF) einen grausamen Bürgerkrieg mit Massakern auf beiden Seiten. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Auch im Ostkongo gehen die Kämpfe trotz eines im Beisein von Trump unterzeichneten Abkommens weiter.
Der Kaschmir-Konflikt zwischen den «feindlichen Brüdern» Indien und Pakistan ist 2025 wieder einmal in einem kurzen Krieg eskaliert. Ein weiterer, seit Jahrzehnten schwelender Grenzstreit zwischen Thailand und Kambodscha ist ebenfalls in Gewalt ausgeartet. In beiden Fällen kam es zu einer Waffenruhe, doch wirklich gelöst sind die Konflikte nicht.
