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Venezuela

Venezuela: Das sagen die Menschen zu Maduros Entführung

Stimmung in Venezuela: «Wir freuen uns, haben aber auch viel Angst»

03.01.2026, 17:3103.01.2026, 18:06

Angst, Verwirrung, Erleichterung: Der US-Angriff auf Venezuela hat in der Nacht viele Menschen im Land aufgeschreckt. Doch mit der Nachricht, dass Präsident Nicolás Maduro von US-Kräften festgenommen wurde, verbinden sich auch viele Hoffnungen. Eine 56-jährige Frau aus dem Osten der Hauptstadt Caracas schildert der dpa, wie sie die Nacht erlebte:

«Es fing nach Mitternacht an. Wir haben in der Ferne Explosionen gehört und Lichter am Himmel gesehen. Ich dachte erst, es wären Böller oder Feuerwerk. Wir haben auch Flugzeuge und Hubschrauber gehört. Dann war es plötzlich ganz still. Nur, als wir gehört haben, dass Maduro gefasst wurde, waren Freudenschreie zu hören», so die Augenzeugin.

«Die Strassen sind menschenleer.»
Augenzeugin

«Wir freuen uns, haben aber auch viel Angst, denn wir wissen nicht, was jetzt passiert, zumal andere Köpfe der Regierung noch da sind», so die Frau weiter. «Jetzt (9 Uhr morgens Uhrzeit) sind die Strassen hier menschenleer, wie an einem Feiertag. Alles hat geschlossen, nur die Apotheke an der Ecke ist geöffnet, aber nur als Notdienst über ein kleines Fenster.»

epa12623309 A few cars drive on a street in Caracas, Venezuela, 03 January 2026. US President Donald Trump has announced that the United States has 'successfully captured' Venezuelan Preside ...
Leere Strassen in Caracas.Bild: keystone

Menschen decken sich mit Lebensmitteln ein

Laut Berichten anderer Bewohner der Hauptstadt ist die Metro ausser Betrieb, es scheint auch kein Linienbusverkehr zu geben. Der kolumbianische Sender Caracol berichtet von einem geöffneten Supermarkt in Caracas: Viele decken sich demnach mit haltbaren Lebensmitteln, Konserven und Wasser ein. Es werden immer nur Gruppen von 25 Menschen hereingelassen.

epa12623315 People queue in a supermarket to buy groceries in Maracaibo, northwestern Venezuela, 03 January 2026. US President Donald Trump has announced that the United States has 'successfully  ...
Im Nordwesten Venezuelas decken sich die Menschen mit Lebensmitteln ein.Bild: keystone

Auch aus der venezolanischen Andenstadt Mérida berichten Bewohner von fast menschenleeren Strassen. Es gebe lediglich Schlangen vor einigen Supermärkten. Aber auch bewaffnete Anhänger der Regierung auf Motorrädern seien zu sehen.

«Wir hoffen, dass jetzt alles besser wird.»

Eine junge Venezolanerin am Grenzübergang zwischen Kolumbien und Venezuela nahe Cúcuta sagte dem Sender RCN: «Wir hoffen, dass jetzt alles besser wird und dass alle, die aus Venezuela geflüchtet sind, zurückkehren können. Ich werde jetzt versuchen, so schnell wie möglich zu meiner Familie in Caracas zu gelangen.» In kolumbianischen Medien wurde spekuliert, Venezuela könne die Grenzen zum Nachbarland schliessen.

Ein 58-jähriger Mann, der sich zurzeit auf der bei venezolanischen Touristen beliebten Insel Margarita aufhält, sagt: «Ich mache jetzt die Whisky-Flasche auf, die ich für diesen Tag bereitgestellt hatte.»

Freude in Madrid, Demos auf Teneriffa

Auch in Spanien wurde gefeiert: Im Exil lebende Venezolaner haben die Gefangennahme Maduros in Madrid bejubelt. Spanische Medien schätzten ihre Zahl auf mehrere Hundert, die Freudengesänge anstimmten und zusammen das Vaterunser beteten, wie im Fernsehen zu sehen war. Viele Menschen auf dem berühmten Platz Puerta del Sol weinten vor Glück und lagen sich in den Armen.

Einige der Venezolaner äusserten sich in Interviews mit dem staatlichen spanischen TV-Sender RTVE aber auch besorgt, weil völlig unklar sei, wie es nun in dem südamerikanischen Land weitergehen könne. «Zwischen Euphorie und Vorsicht», beschrieb eine Frau ihre Reaktion. Viele äusserten auch Angst um Angehörige in der Heimat.

Venezuelans celebrate in Madrid after U.S. President Donald Trump announced that Venezuelan President Nicolás Maduro had been captured and flown out of the country on Saturday, Jan. 3, 2026. (AP Photo ...
Die Menschen feierten auf Madrids Strassen.Bild: keystone

In Spanien leben nach Angaben von RTVE fast eine halbe Million Venezolaner. Die meisten haben ihre Heimat wegen der autoritären Führung in Caracas und der prekären wirtschaftlichen und sozialen Lage verlassen.

Auf der Kanareninsel Teneriffa gab es hingegen eine kleine Kundgebung von Anhängern Maduros und seiner Regierung. Sie hielten ein Transparent mit der Aufschrift «Yankees raus aus Venezuela und der Karibik» in die Höhe. (sda/dpa)

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47 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Gina3
03.01.2026 17:38registriert September 2023
Ganz ehrlich: Wenn es die Trump-Regierung ist, die ihre Vorstellung von Demokratie nach Venezuela bringt, dann gibt es tatsächlich Grund zur Sorge!!!
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P.Rediger
03.01.2026 18:37registriert März 2018
Der Trump Regierung geht die Demokratie am A.... vorbei. Zitat Trump: "Wir werden viel Geld machen." Also werden sie Venezuela um sein Öl bringen und den Gewinn selber abschöpfen. Denen ist egal, was für eine Regierung Venezuela hat. Die muss nur kooperieren und die USA mit venezolanischem Öl einen grossen Reibach machen lassen.
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Tante Karla
03.01.2026 18:25registriert März 2024
Das Regime hatte höchstens 30% Zustimmung, ja.

Das bedeutet aber nicht, dass eine Gefangennahme von aussen legitim ist.

So sehr man den Leuten in Venezuela ein Ende der M-Regierung gönnen mag, so gefährlich ist das Prozedere eben auch.
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