Wladimir Putin gaukelt der Welt etwas vor. Die russischen Staatsfinanzen sind grundsolide, trotz der hohen Belastung durch den Krieg. Westliche Analysten sind grösstenteils darauf hereingefallen. Sie sehen nur, was Putin sie sehen lässt, die offiziellen Zahlen. Diese erwecken den Eindruck von «überraschend widerstandsfähigen» Finanzen. Putin der Unbesiegbare.
Doch im Verborgenen hat Putin heimlich Schulden angehäuft. Ein neuer Bericht zerrt diese «versteckten Kriegsschulden» nun ans Licht. In der «Financial Times» fasst Experte Martin Sandbu dessen Erkenntnisse so zusammen:
Die Analyse stammt vom Russland-Analysten Craig Kennedy. Früher arbeitete Kennedy für US-Topbanken, heute an der Eliteuniversität Harvard. In seinem Bericht beschreibt Kennedy, wie Putin sein Kartenhaus geschaffen hat, wie es einstürzen und seinen Nimbus unter sich begraben könnte.
Errichtet hat Putin sein Kartenhaus schon am zweiten Kriegstag. Damals liess er ein Gesetz verabschieden, das die russischen Banken zwang, für seine Kriegswirtschaft zu arbeiten. Seither entscheiden sie nicht mehr, welchem Unternehmen sie ihre Kundengelder anvertrauen. Sie müssen ihre Kredite nun so vergeben, wie es Putin für seinen Krieg haben will.
Die Banken taten wie geheissen. Ab Mitte 2022 verschuldeten sich russische Unternehmen in «beispiellosen» Umfang – um total 415 Milliarden Dollar. Welche Unternehmen wie viel bekamen, konnte Kennedy nicht herausfinden, wohl aber welche Branchen. So schätzt er, wie viel Geld ungefähr in die Rüstung floss: 210 bis 250 Milliarden Dollar.
Das ist auch für Russland viel Geld: Etwa gleich viel, wie Putin im offiziellen staatlichen Verteidigungshaushalt hat. Putin finanziert also seinen Krieg etwa zur Hälfte versteckt vor westlichen Augen und zur Hälfte über die offiziellen Staatsfinanzen, die irgendwie überraschend widerstandsfähig wirken. Putin der Zauberer.
Doch Putin kann die verdeckten Schulden nicht aus der Welt schaffen. Sie sind so gross, dass sie Folgen für die gesamte Bevölkerung haben. 2024 begann Russlands Zentralbank, Putin zu warnen. Seine Schuldenwirtschaft könne eine hohe Inflation und systemische Finanzkrise auslösen.
Die Inflation dürfte letztes Jahr fast 10 Prozent betragen haben. Um so viel stiegen die Konsumentenpreise also durchschnittlich, doch es gab noch spektakulärere Beispiele. Butter etwa ist um 25 Prozent teurer und zum beliebten Ziel von Ladendieben geworden. Putin musste sich dafür sogar rechtfertigen:
Doch es dürfte genau so sein. Putin gibt viel zu viel Geld aus für seinen Krieg, über den Staat oder verdeckt über die Banken. Die Wirtschaft kommt nicht mehr mit. Umso mehr, als sie wegen der Sanktionen viele Vorprodukte gar nicht kaufen kann. Was sie noch kaufen kann, muss sie wegen des schwachen Rubels viel teurer bezahlen. Auch Arbeitskräfte sind knapp oder teurer: Tausende sind geflüchtet, in der Ukraine am kämpfen, tot oder verwundet zurückgekehrt.
Die Inflation könnte Putin gefährlich werden. Der Historiker Harold James hat schon 2023 darauf hingewiesen, dass Inflation russischen Herrschern wiederholt zum Verhängnis wurde. Die Menschen würden sich gegen Regierungen wenden, die ihre Versprechen brechen, und stabiles Geld sei eines der ältesten Versprechen. James wagte die Prognose:
Russland-Analyst Kennedy glaubt, die Inflation sei für Putin das kleinere Übel, eine systemische Finanzkrise das grössere. Inflation wirke schleichend, Finanzkrisen hingegen wie Erdbeben: plötzlich, unvorhersehbar, mit grosser Zerstörungskraft.
Eine Finanzkrise könne durch die hohen Leitzinsen von 21 Prozent ausgelöst werden, welche Russlands Zentralbank zur Bekämpfung der Inflation durchsetzen muss. Unternehmen, die für den Krieg arbeiten, erhalten zwar weiterhin günstige Kredite. Inflation hin oder her. Putin befiehlt, die Banken spuren. Doch alle anderen Unternehmen zahlen weit mehr als den Leitzins von 21 Prozent, ächzen unter dieser Last – und könnten bald zusammenbrechen.
«Grosse Unternehmen» könnten in eine «Überschuldung» geraten, warnte die Zentralbank deshalb. Gefährdet wirkt etwa der Gasförderer Gazprom, einer der grössten Arbeitgeber in Russland. Gazprom hat mit dem europäischen Export sein Hauptgeschäft verloren, 2023 einen Rekordverlust erlitten und hohe Schulden zu Zinsen von über 21 Prozent aufgenommen. Laut «Financial Times» erwägt es nun drastische Schritte: am Hauptsitz etwa 40 Prozent aller Stellen zu streichen.
Was Putin laut Kennedy in erster Linie droht, ist jedoch kein Umsturz. Auch wenn die Finanzkrise tatsächlich ausbricht, könnte er das nötige Geld beschaffen, um all die wackligen Unternehmen zu stützen und die Löcher in ihren Bilanzen zu füllen. Er würde die Steuern drastisch erhöhen und noch mehr Schulden machen. Er täte es ungern, aber er täte es und das Volk würde sich wohl fügen.
Doch der Anschein der Unbesiegbarkeit, den Putin so sorgsam pflegt, wäre dahin. Der Westen bekäme vorgeführt, dass Russland unter der Last des Kriegs leidet, dass seine Staatsfinanzen brüchig sind, dass die westlichen Sanktionen wirken. Eine russische Finanzkrise würde zeigen, worüber Putin sich schon lange im Klaren sei: Wenn der Westen seine Ressourcen entschlossen einsetze, könne Russland nicht gewinnen.
Wenn sich diese Erkenntnis durchsetze, werde Putins Position arg geschwächt sein in den Verhandlungen mit der Ukraine und dem Westen, schreibt Kennedy. Und Martin Sandbu von der «Financial Times» meint:
(aargauerzeitung.ch)
Eben WENN aber man zögert weiter und stärkt damit Putin
Aber wer sind die Gläubiger, bei denen Putin diese 250 Milliarden an Schulden anhäufen konnte?
Sind das Grossbanken?
Dass Russland jetzt an Stagflation zugrunde gehen könnte, ist nur EINE Seite dieses neuesten Finanz-Skandals, beinahe erfreulich, da damit ja auch "Putin der Schreckliche" aus dem Weg geräumt werden kann.
Die ANDERE, äusserst unangenehme Folge könnte aber ein Finanz-Crash BEI UNS sein, wieder einmal von geldgierigen "Bankstern" herbeigeführt...