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Ukraine

Ukraine-Krieg: 220'000 tote russische Soldaten bisher

epa11720654 People walk past an electronic screen with an image depicting Russian soldier and the slogan 'Unity leads to victory' in downtown Moscow, Russia, 14 November 2024. About 190,000  ...
«Einheit führt zum Sieg» – ein Plakat in der Moskauer Innenstadt im November 2024.Bild: keystone

Neuster Bericht: 220'000 russische Soldaten starben bislang in der Ukraine

Der Ukraine-Krieg dauert seit fast drei Jahren an – mit einer grossen Anzahl an Toten auf beiden Seiten. Ein unabhängiger Bericht schätzt nun ein, wie hoch die russischen Verluste in der Ukraine wirklich sind.
13.01.2025, 15:44
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Der Russland-Ukraine-Krieg zieht sich mittlerweile über fast drei Jahre hin. Trotz harter Gegenwehr der Ukrainer verzeichneten die russischen Angreifer in den letzten Wochen und Monaten immer wieder leichte Geländegewinne. Jüngst haben russische Streitkräfte die ostukrainische Stadt Kurachowe eingenommen, unter Druck gerät zunehmend auch die strategisch wichtige Stadt Prokrowsk im ostukrainischen Donbass. Russland nimmt dafür erhebliche Verluste bei Mensch und Material in Kauf.

Wie viele russische Soldatinnen und Soldaten dem Krieg bislang genau zum Opfer gefallen sind, ist schwer einzuschätzen. Gemäss den ukrainischen Streitkräften haben die Russen bislang 809'760 Soldatinnen und Soldaten verloren. Diese Zahlen können jedoch nicht unabhängig verifiziert werden.

Im vergangenen Juni behauptete Präsident Wladimir Putin, das Verhältnis der «unwiederbringlichen Verluste» zwischen Russland und der Ukraine liege bei eins zu fünf zugunsten Moskaus. Die russische Regierung veröffentlicht selbst jedoch keine offiziellen Daten zu ihren Verlusten.

88'000 identifizierte russische Opfer

Etwas Licht ins Dunkel versucht das unabhängige, russische Medienportal Mediazona in Zusammenarbeit mit der BBC zu bringen. Die Investigativjournalistinnen und -journalisten durchforsten Postings in sozialen Medien und Todesanzeigen in Zeitungen, begutachten Datenbanken für Erbangelegenheiten sowie Sterberegister und stützen sich auf Informationen von Hinterbliebenen. So versuchen sie, sich ein eigenes Bild vom Sterben in der Ukraine zu machen – unabhängig von offiziellen Zahlen der Kriegsparteien oder von Geheimdienstberichten.

Laut ihres neusten Berichts sind bis Ende 2024 insgesamt 88'055 getötete russische Soldaten auf der Grundlage von Open-Source-Daten identifiziert worden. Die Fachleute gehen jedoch davon aus, dass diese Zahl nur einen Bruchteil der tatsächlichen Verluste abbildet – schätzungsweise 45 bis 65 Prozent. Auf Basis dieser Daten liegt die tatsächliche Zahl der russischen Gefallenen zwischen 135'000 und 196'000, so der BBC-Bericht.

Die Opferzahl erhöht sich gar noch weiter, wenn auch noch diejenigen der Streitkräfte der von Russland annektierten Oblasten Luhansk und Donezk sowie der paramilitärischen Einheiten und ausländischen Söldner hinzugezählt werden. Dann liegt die Zahl der Gefallenen gemäss der BBC gar zwischen 156'000 und 220'000.

Über 6000 tote Elitesoldaten

Die 88'055 identifizierten Todesopfer haben die Experten der BBC und von «Mediazona» minutiös nach Truppengattung aufgeschlüsselt. Demnach befinden sich darunter insgesamt 6083 Elitesoldaten. Betroffen sind besonders die Luftlandetruppen (3162 Tote), Marinesoldaten (1247), Spezialeinheiten des Militärgeheimdienstes GRU (577), Militärpiloten (267) sowie Angehörige der Geheimdienste FSB und FSO (114).

Diese Verluste treffen Russlands militärische Schlagkraft empfindlich, da Elitekämpfer oft Schlüsselrollen an der Front übernehmen und ihre Ausbildung oft langwierig und teuer ist. Allein die Schulung eines GRU-Offiziers dauert mehrere Jahre und kostet Hunderttausende Rubel. Angesichts der hohen Verluste und der langwierigen Rekrutierung und Ausbildung drohen Russlands Eliteeinheiten langfristig geschwächt zu werden.

Auch bei den Offizieren haben die russischen Streitkräfte gemäss dem Bericht erhebliche Verluste erlitten. Bis Januar 2025 starben 4595 russische Befehlshaber in der Ukraine. Diese Verluste sind ebenfalls schwer zu ersetzen, denn die Ausbildung zum Offizier dauert in der russischen Armee üblicherweise rund vier Jahre.

Etwa 300 Nordkoreaner im Ukraine-Krieg gestorben
Im Kampf gegen die Ukraine sollen Südkoreas Nachrichtendienst NIS zufolge bisher rund 300 nordkoreanische Soldaten gestorben sein. Weitere 2700 Soldaten aus Nordkorea seien zudem verwundet worden, sagte der Abgeordnete Lee Seong Kweun laut Südkoreas amtlicher Nachrichtenagentur Yonhap. Lee hatte zuvor an einer nicht-öffentlichen parlamentarischen Anhörung mit Vertretern des NIS teilgenommen.

Demnach führt der Nachrichtendienst die hohen Verluste nordkoreanischer Truppen auf deren «mangelndes Verständnis der modernen Kriegsführung zurück». Ebenfalls behauptete der NIS dem Bericht zufolge, dass die nordkoreanischen Soldaten von Russland dazu aufgefordert werden, im Ernstfall einer Kriegsgefangenschaft durch Suizid zuvorzukommen.

Nordkorea hat Russland rund 12'000 Soldaten zum Kampf gegen die Ukraine zur Verfügung gestellt. Diese kämpfen nun mit russischen Uniformen und Waffen in der Region Kursk. Der NIS kooperiert seitdem eng mit dem ukrainischen Geheimdienst. (sda)
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139 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Jobara64
13.01.2025 15:16registriert Dezember 2024
Putin hat nicht soviel Menschenleben und Material "investiert“ sowie wirtschaftliche Einbussen in Kauf genommen, um nun mit Trump einen schnellen Deal zu machen und/oder Friedenstauben hochsteigen zu lassen. Er will die gesamte Ukraine!

Falls dieser Kreml-Bösewicht in eine Trump‘sche "Zwischenlösung" einwilligt, dann nur um durch einen Pseudo-Frieden Zeit zu gewinnen, um später nochmals anzugreifen.

Wie auch immer es weitergeht. Man darf der russischen Regierung nicht mehr vertrauen. Eine hochgefährliche Bande.
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walk the line
13.01.2025 14:41registriert Oktober 2024
220'000 in drei Jahren.

Das macht ca. 1,5 Tote pro erobertem km2.

Russland: Wohin willst du?
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butlerparker
13.01.2025 14:33registriert März 2022
Lieber Herr Reich, angenehmer Artikel, nur
"Allein die Schulung eines GRU-Offiziers dauert mehrere Jahre und kostet Hunderttausende Rubel."

500.000 Rubel = ca. 4.500 €, also das Gehalt von 3.-4 Monaten. Eher doch $ als Rubel oder? Sonst ergäbe das wenig Sinn
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