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Russland rüstet sich für jahrzehntelange Kriegswirtschaft

Russland rüstet sich angeblich für jahrzehntelange Kriegswirtschaft

Der militärisch-industrielle Komplex sei die Lokomotive der russischen Wirtschaft, heisst es.
07.06.2024, 07:5107.06.2024, 12:19
ulf mauder, dpa
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Kremlchef Wladimir Putin schwört sein Land nach mehr als zwei Jahren seines Angriffskrieges gegen die Ukraine auf einen Ausbau der Kriegswirtschaft ein. Putin will sich an diesem Freitag bei einer Rede und einer Fragerunde zur wirtschaftlichen Lage in Russland und zur globalen Politik äusseren.

Russia's President Vladimir Putin arrives to meet Bosnian Serb political leader Milorad Dodik prior to their talks on the sidelines of the St. Petersburg International Economic Forum in St. Peter ...
Wladimir Putin am 6. Juni in St. Petersburg, Russland.Bild: keystone

Putin habe eine ganze Liste von Anweisungen für die Entwicklung des Rüstungssektors unterschrieben, um noch mehr Waffen und Munition zu produzieren, sagte der erste Vizeregierungschef Denis Manturow auf dem 27. St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum (SPIEF). Bei einer Veranstaltung, in der es um Rüstungsfragen ging, betonten Teilnehmer, dass Russland schneller und zu einem Viertel der Kosten im Westen Waffen und Munition produziere.

Das Land stelle sich auf eine jahrzehntelange Kriegswirtschaft ein, hiess es. Die Zahl der Unternehmen – auch im privaten Bereich – sei in den vergangenen beiden Kriegsjahren explosionsartig angestiegen. «Es gibt inzwischen mehr als 850 davon», sagte Manturow.

«Heute ist der militärisch-industrielle Komplex die Lokomotive der Wirtschaft», sagte angesichts grosser Geschäftsabschlüsse auch der Ökonom Pjotr Fradkow, Vorsitzender der Promsvyazbank und Sohn von Michail Fradkow, dem ehemaligen Regierungschef und Direktor des Auslandsgeheimdienstes SWR.

Rede zur wirtschaftlichen Lage

An dem jährlichen Wirtschaftstreffen in St. Petersburg, das seit Mittwoch läuft und an diesem Samstag endet, nehmen Vertreter und Unternehmer Dutzender Länder teil, darunter auch aus den USA und vielen EU-Staaten, aus China und Südamerika.

Auch Taliban-Vertreter sind anwesend, nachdem Moskau angekündigt hatte, deren Status als Terrororganisation in Russland zu beenden – und mit den Machthabern in Afghanistan zu kooperieren.

Putin hatte immer wieder angekündigt, eine neue Weltordnung aufbauen zu wollen – ohne Vormachtstellung der USA. Das Wirtschaftsforum steht in diesem Jahr unter dem Motto «Grundlagen der multipolaren Welt – die Bildung neuer Stellen für Wachstum».

Wachstum dank Kriegswirtschaft

Der Kremlchef hatte zur Eile getrieben, in seinem Krieg die nötigen Rüstungsgüter zeitnah zu produzieren, solange der Westen der Ukraine wegen eigener Engpässe nicht rasch die zugesagten Waffen und Munition liefern könne. Auch dank der Kriegswirtschaft erwartet die russische Führung ein Wirtschaftswachstum in diesem Jahr um die 2,8 Prozent.

Allein für den Haushaltsposten Verteidigung gibt der Kreml in diesem Jahr umgerechnet etwa 110 Milliarden Euro aus. Hinzu kommen weitere 34 Milliarden Euro für die Bereiche nationale Sicherheit und Sicherheitsorgane. Insgesamt sind das 38,6 Prozent aller Ausgaben des russischen Etats oder 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In Militär und Sicherheitsorgane investiert Russland damit erstmals mehr Geld als in Sozialausgaben.

(saw/sda/dpa)

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164 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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John Galt
07.06.2024 08:18registriert November 2014
Für diesen Plan bekommt Putin sicher den Nobelpreis für Wirtschaft (oder die russische Version davon).
Warum ist vor ihm noch nie jemand auf die Idee gekommen, die Wirtschaft auf der Basis von Rüstungsgütern aufzubauen, und diese mittels inländischer Nachfrage wachsen zu lassen.

Was kann da schon schief gehen?
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Gier
07.06.2024 08:35registriert Oktober 2023
Wenn der so weitermacht, steuert Putin auf ein Nordkorea 2.0 zu.
Das wird für die russische Bevölkerung nicht gut enden.
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maylander
07.06.2024 08:23registriert September 2018
Das hat während des kalten Krieges mit einem viel grösserem Wirtschaftsraum nicht funktioniert. Das Ganze ist ein Strohfeuer auf Kosten der Zukunft. Die Öl und Gasindustrie wird massiv leiden wenn westliche Technologie ausbleibt. Am Ende wird Russland eine marode Infrastruktur uns viele minderwertige Waffen haben.
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