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2 Jahre Ukraine-Krieg in 34 Bildern

Russische Invasion in der Ukraine – 2 Jahre Krieg in 34 Bildern

24.02.2024, 09:5226.02.2024, 09:19
Daniel Huber
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Seit dem 24. Februar 2022 tobt in der Ukraine der blutigste Krieg in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die russische Invasion des Nachbarlandes, vom Kreml als kurze militärische Spezialoperation geplant, entwickelte sich zu einem mörderischen Abnutzungskrieg, in dem Hunderttausende Soldaten und mindestens 10'000 Zivilisten getötet wurden.

Wir blicken zurück auf die wichtigsten Geschehnisse dieser zwei Jahre.

Inhaltsverzeichnis

2022

24. Februar: Die Invasion beginnt

In this image made from video released by the Russian Presidential Press Service, Russian President Vladimir Putin addressees the nation in Moscow, Russia, on Feb. 24, 2022. Putin on Friday Dec. 8, 20 ...
Putin rechtfertigt die «besondere Militäroperation» gegen die Ukraine.Bild: Keystone

Am frühen Morgen beginnt der Krieg mit russischen Luft- und Raketenangriffen auf ukrainische Ziele; russische Truppen marschieren von mehreren Seiten ins Nachbarland ein, Luftlandetruppen greifen den Flughafen Kiew an. In einer TV-Ansprache spricht der russische Präsident Wladimir Putin von einer «besonderen Militäroperation»; die Ukraine soll «entnazifiziert» und die russischsprachige Bevölkerung geschützt werden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verhängt das Kriegsrecht, drei Tage später ordnet er die vollständige Mobilisierung des Militärs an.

24. Februar: Russland erobert Schlangeninsel

Ukrainian postage stamp, depicting a Ukrainian soldier giving Russian cruiser Moskva the finger.
https://en.wikipedia.org/wiki/Snake_Island_(Ukraine)#/media/File:Stamp_of_Ukraine_s1985.jpg
Legendär ist der Funkspruch, mit dem einer der ukrainischen Verteidiger die Russen empfängt: «Russisches Kriegsschiff, f... dich!» Die Ukraine widmet der Szene im April eine eigene Briefmarke. Bild: Wikimedia

Gleich am ersten Kriegstag erobern russische Truppen die strategisch wichtige Schlangeninsel vor der ukrainischen Schwarzmeerküste, von der aus der gesamte Schiffsverkehr im Umfeld der grössten ukrainischen Hafenstadt Odessa kontrolliert werden kann. Im Juli gelingt es der Ukraine, die Insel zurückzuerobern. Die Russen lassen grosse Bestände an Ausrüstung zurück.

2. März: Cherson erobert

FILE - Russian army soldiers stand next to their trucks during a rally against Russian occupation in Svobody (Freedom) Square in Kherson, Ukraine, on March 7, 2022. As Russian forces sought to tighten ...
Die russischen Truppen konnten die Stadt beinahe kampflos einnehmen. Bild: AP

Russische Truppen nehmen die Stadt Cherson im Süden der Ukraine ein. Die Industriestadt nahe der Dnipro-Mündung ist strategisch wichtig, vor allem wegen ihrer Nähe zur russisch besetzten Halbinsel Krim.

9. März: Belagerung von Mariupol

Ukrainian emergency workers and volunteers carry an injured pregnant woman from a maternity hospital damaged by an airstrike in Mariupol, Ukraine, on March 9, 2022. The image appears in a scene from t ...
Das Bild der schwangeren Frau in Mariupol erscheint im Film «20 Tage in Mariupol», der für den Oscar in der Kategorie «Bester Dokumentarfilm» nominiert ist. Bild: Keystone

Der Kampf um Mariupol beginnt kurz nach der Invasion der russischen Armee. Die Stadt am Asowschen Meer wird von russischen Truppen eingeschlossen und unablässig bombardiert. Am 9. März zerstört ein russischer Luftangriff eine Entbindungsklinik; die Bilder einer verletzten schwangeren Frau, die auf einer Bahre abtransportiert wird, gehen als Sinnbild der rücksichtslosen russischen Kriegsführung um die Welt.

15. März: Mehr als drei Millionen Flüchtlinge

Ukrainian people pass through the border crossing of Siret, northern Romania, 08 March 2022. Since Russia began its military operations in Ukraine on 24 February, some 291,081 Ukrainian refugees have  ...
Ukrainische Flüchtlinge an der rumänischen Grenze. In der Schweiz halten sich Ende 2023 rund 66'000 Flüchtlinge aus der Ukraine auf. Bild: Keystone

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) sind mehr als drei Millionen Einwohner aus dem Land geflohen. Die Zahl steigt in den folgenden Wochen weiter stark an; Ende März sind es bereits vier Millionen. Dazu kommen mehr als sechs Millionen Binnenflüchtlinge. Im Februar 2024 beläuft sich die Zahl der aus dem Land Geflohenen auf knapp 6,5 Millionen, jene der Binnenflüchtlinge auf 3,7 Millionen.

Ende März: Eroberung von Kiew und Charkiw scheitert

A destroyed tank in the city of Makariv near Kiev (Kyiv), Ukraine, 04 March 2022. Russian troops entered Ukraine on 24 February leading to a massive exodus of Ukrainians to neighboring countries as we ...
Das Wrack eines russischen Panzers bei Makariw westlich von Kiew. Bild: Keystone

Die russischen Truppen, die seit Beginn des Einmarschs vergeblich versucht haben, Kiew und Charkiw einzunehmen, werden von der ukrainischen Armee zurückgedrängt. Der «Blitzkrieg» ist damit gescheitert. Die Russen ziehen sich nach schweren Verlusten aus der Umgebung der beiden Grossstädte zurück und geben grosse Teile des eroberten Gebiets auf. Der Kreml verkündet darauf einen Strategiewechsel: Die Armee soll sich auf den Donbass in der Ostukraine konzentrieren.

2. April: Massaker von Butscha

Police work to identify civilians who were killed during the Russian occupation in Bucha, Ukraine, on the outskirts of Kyiv, before sending the bodies to the morgue, Wednesday, April 6, 2022. (AP Phot ...
Traurige Arbeit: Ukrainische Ermittler identifizieren Leichen aus Butscha. Bild: Keystone

Nach dem Rückzug der russischen Truppen bietet sich den Befreiern im Kiewer Vorort Butscha ein grausiges Bild: Zahlreiche Leichen von Zivilisten, auch Kindern, liegen auf den Strassen. Manche sind gefesselt, andere wurden offenbar im Vorbeifahren erschossen. Bis August finden Ermittler mehr als 400 massakrierte, zum Teil gefolterte Zivilpersonen. Russische Behauptungen, die Menschen seien von ukrainischen Truppen getötet worden, können durch während der russischen Besetzung gemachte Satellitenaufnahmen entkräftet werden.

14. April: «Moskwa» versenkt

Moskva (Moskwa) getroffen und versenkt, 13./14. April 2022
Die «Moskwa», hier kurz vor ihrem Untergang, ist nach dem argentinischen Kreuzer «General Belgrano», der im Falklandkrieg 1982 torpediert wurde, das grösste Kriegsschiff, das seit dem Zweiten Weltkrieg versenkt worden ist. Bild: Shutterstock

Das Flaggschiff der russischen Schwarzmeer-Flotte, der Lenkwaffenkreuzer «Moskwa», sinkt südlich von Odessa, nachdem es tags zuvor von zwei ukrainischen Seezielflugkörpern getroffen worden und in Brand geraten ist. Das russische Verteidigungsministerium behauptet, an Bord der «Moskwa» sei ein Feuer ausgebrochen, das die Munition entzündet habe. Die Besatzung sei gerettet worden.

20. Mai: Mariupol fällt

Smoke rises from the Metallurgical Combine Azovstal in Mariupol during shelling, in Mariupol, in territory under the government of the Donetsk People's Republic, eastern Ukraine, Saturday, May 7, ...
Das umkämpfte Asowstal-Werk in Mariupol. Bild: Keystone

Mit der Kapitulation der letzten knapp 2000 Verteidiger des Asowstal-Werkes in Mariupol erlischt der letzte Widerstand in der ukrainischen Hafenstadt. Mariupol ist eine Trümmerwüste, kaum ein Gebäude ist noch intakt.

3. Juli: Russischer Vormarsch im Osten

In this photo provided by the Luhansk region military administration, burned car and damaged residential buildings are seen in Lysychansk, Luhansk region, Ukraine, early Sunday, July 3, 2022. Russian  ...
Lyssytschansk nach der Eroberung durch russische Truppen.Bild: AP Luhansk region military admin

Russische Truppen nehmen die Städte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk ein. Damit steht die Region Luhansk im Donbass vollständig unter russischer Kontrolle. Die Besatzer geben in den eroberten Gebieten russische Pässe aus und führen den Rubel als Zahlungsmittel ein.

5./6. August: AKW Saporischschja beschossen

A Russian serviceman guards in an area of the Zaporizhzhia Nuclear Power Station in territory under Russian military control, southeastern Ukraine, May 1, 2022. The head of the U.N. nuclear watchdog s ...
Das AKW Saporischschja liegt etwa 55 Kilometer südwestlich der gleichnamigen Hauptstadt der Oblast Saporischschja. Bild: AP Photo/File

Das grösste Atomkraftwerk Europas, das vor dem Krieg fast ein Viertel des ukrainischen Strombedarfs deckte, ist seit Anfang März von russischen Truppen besetzt. Es ist das erste Mal, dass ein AKW beschossen wird. Immer wieder kommt es zu Kriegshandlungen in der Nähe der Reaktorblöcke, was die Angst vor einer Atomkatastrophe weckt. Anfang August zerstören Raketen eine Hochspannungsleitung, ein Reaktor muss notabgeschaltet werden. Im September werden die letzten Reaktorblöcke vom Netz genommen, was die Gefahr einer Kernschmelze verringert.

6. September: Ukrainische Gegenoffensive beginnt

epa10202102 A heavily damaged Russian tank in the Kupiansk Raion district, Kharkiv Oblast, 23 September 2022, where a recent counter-offensive by Ukrainian forces led to the withdrawal of Russian troo ...
Zerstörter russischer Panzer bei Kupiansk. Den Ukrainern fallen beim Vormarsch grosse Bestände an Munition und Waffen in die Hände, die von den Russen zurückgelassen werden. Bild: EPA

Die Ukraine zieht im Süden vor Cherson Truppen zusammen, worauf die Russen ihre ohnehin geschwächten Verbände im Norden und im Donbass weiter ausdünnen, um Verstärkungen nach Cherson zu verlegen. Doch die wirkliche ukrainische Gegenoffensive stösst bei Charkiw im Norden vor und durchbricht die russischen Linien auf breiter Front. Bis die Offensive Anfang Oktober zum Stehen kommt, können die ukrainischen Truppen die Russen aus der Umgebung von Charkiw vertreiben und grosse Geländegewinne in den Oblasten Donezk und Luhansk erzielen.

21. September: Putin ordnet Teilmobilmachung an

epa10254974 Russian President Vladimir Putin (C) and Deputy Commander of the Airborne Troops Anatoly Kontsevoy (2-R) inspect the progress of mobilized servicemen's training at a training range of ...
Putin inspiziert im Oktober den Fortschritt der Ausbildung von neu mobilisierten Rekruten. Bild: EPA SPUTNIK POOL

Um den drohenden Verlust der eroberten ukrainischen Gebiete abzuwenden, ordnet Putin mit sofortiger Wirkung eine «Teilmobilmachung» an. 300'000 Reservisten sollen eingezogen werden.

5. Oktober: Russland annektiert ukrainische Gebiete

Annexion der vier ukrainischen Oblaste Luhansk, Donezk, Saporoschja und Cherson durch die Russische Föderation, Oktober 2022.
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123342587
Die Karte zeigt die vier annektierten Gebiete sowie die bereits 2014 annektierte Krim. Die angegliederten Oblaste (Grenzen violett gestrichelt) stehen zu diesem Zeitpunkt nicht vollständig unter russischer Kontrolle (hellrot). Karte: Wikimedia/Basque mapping

Putin unterzeichnet die Gesetze zur Eingliederung der vier ukrainischen Oblaste Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja in die Russische Föderation, nachdem die Duma die Verträge ratifiziert hat. Die Angliederung erfolgt nach Scheinreferenden im russisch besetzten Teil der Gebiete. Völkerrechtlich gilt die Annexion als nichtig; sie wird von der UNO nicht anerkannt und als illegal betrachtet.

8. Oktober: Explosion auf der Krim-Brücke

epa10364888 A firefighter helicopter pours water on fire on a collapsed part of the Kerch Strait bridge in Crimea, 08 October 2022. EPA/STRINGER
Die Krim-Brücke nach der Explosion. Sie ist eine strategisch wichtige Verbindung zwischen Russland und der annektierten Halbinsel Krim, über die russische Truppen im Süden der Ukraine versorgt werden. Bild: EPA

Bei einer Explosion stürzen zwei Teilstücke der 19 Kilometer langen Krim-Brücke bei Kertsch ein, die Russland und die Krim verbindet. Während Moskau die Ukraine beschuldigt, einen Terroranschlag ausgeführt zu haben, nimmt Kiew nicht offiziell Stellung dazu.

9. November: Cherson befreit

epa10302065 Ukrainians who lived in Kherson and left it due to the Russian occupation, celebrate in downtown of the South Ukrainian city of Odesa, 12 November 2022. Ukrainian troops came into Kherson  ...
Bewohner von Cherson feiern den Abzug der russischen Truppen aus der Gebietshauptstadt. Bild: EPA

Das vermeintliche Ablenkungsmanöver der ukrainischen Armee im Süden entpuppt sich als tatsächliche Offensive: Die ukrainischen Truppen stossen bis zum Dnipro vor. Die russischen Truppen ziehen sich schliesslich unter dem Druck des ukrainischen Vormarsches zurück und geben Cherson am 9. November auf. Damit schwinden die Möglichkeiten für Russland, die Ukraine vom Schwarzen Meer abzutrennen.

16. Dezember: Raketenhagel auf Kiew

epa11047957 Ukrainian rescuers work at the site of a rocket attack on a civilian warehouse in Kyiv (Kiev), Ukraine, 29 December 2023, amid the Russian invasion. At least 16 people have died and dozens ...
Nicht nur die Energieinfrastruktur wird in Kiew schwer getroffen: Dieses Lagerhaus liegt nach einem russischen Raketenangriff in Schutt und Asche. Bild: EPA

Wie bereits im Oktober greift Russland die Energieinfrastruktur der Ukraine mit Raketen an, wobei besonders die Hauptstadt Kiew getroffen wird. Dort, aber auch in anderen Regionen, kommt es zu langen Stromausfällen. Die ukrainische Regierung wirft Russland «Terror» vor – das Ziel sei, die Ukraine in Dunkelheit und Kälte zu stürzen.

2023

11. Januar: Putin degradiert «General Armageddon»

RUSSIA - DECEMBER 31, 2022: Army Gen Sergei Surovikin L, commander of the joint group of forces in the special military operation area, and Valery Gerasimov, Chief of the General Staff of the Russian  ...
Surowikin (l.) muss Gerassimow Platz machen. Bild: www.imago-images.de

Der russische Präsident Putin nimmt eine wichtige Rochade in der Armeeführung vor: Verteidigungsminister Sergei Schoigu entzieht General Sergei Surowikin den Oberbefehl über die Invasionsarmee in der Ukraine, den dieser seit Oktober 2022 innehatte. Der wegen seiner Rücksichtslosigkeit als «General Armageddon» bekannte Offizier wird durch Generalstabschef Waleri Gerassimow ersetzt. Im August entlässt Putin Surowikin auch als Kommandant der Luft- und Weltraumkräfte.

14. Januar: Terrorangriff auf Dnipro

epa10405251 A handout photo released by the press service of the State Emergency Service (SES) of Ukraine shows Ukrainian rescuers working at the site of a residential building hit by shelling in Dnip ...
Dnipro (früher Dnjepropetrowsk) in der Ostukraine ist die viertgrösste Stadt der Ukraine und immer wieder Ziel russischer Luftangriffe. Bild: keystone

Der Einschlag einer russischen Raduga Ch-22-Rakete in einen Wohnblock in der ostukrainischen Grossstadt Dnipro fordert 45 Todesopfer, darunter sechs Kinder. Es ist der tödlichste Angriff auf Zivilisten in der Ukraine seit Monaten.

Februar: Bachmut wird zum Fleischwolf

epa10513685 A handout satellite image made available by Maxar Technologies on 10 March 2023 shows a destroyed bridge and roadway, amid the ongoing battle for Bakhmut, Ukraine, 06 March 2023 (issued 10 ...
Das strategisch nicht sonderlich bedeutende, aber symbolträchtige Bachmut ist völlig zerstört, von den einst rund 74'000 Einwohnern befinden sich nur noch wenige Hundert in der Stadt. Bild: EPA MAXAR TECHNOLOGIES

Die Schlacht um die seit einem halben Jahr heftig umkämpfte Stadt Bachmut in der Oblast Donezk entwickelt sich immer mehr zu einem wahren Massaker. In der verlustreichsten Schlacht in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg sterben Zehntausende Soldaten. Im Februar geraten die ukrainischen Verteidiger zunehmend unter Druck. Den russischen Truppen – mehrheitlich unerfahrene Sträflinge der Söldnertruppe Wagner – gelingt es schliesslich, die völlig zerstörte Stadt bis Ende Mai einzunehmen.

17. März: Haftbefehl gegen Putin

FILE - Russian President Vladimir Putin, left, listens to Russian Presidential Commissioner for Children's Rights Maria Lvova-Belova during their meeting at the Novo-Ogaryovo state residence, out ...
Wladimir Putin und Marija Lwowa-Belowa. Die Ukraine wirft den russischen Behörden vor, bis zu 19'000 ukrainische Kinder nach Russland und in russisch kontrollierte Gebiete verschleppt zu haben. Bild: keystone

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag erlässt einen Haftbefehl gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Ihm wird vorgeworfen, für das Kriegsverbrechen der Deportation ukrainischer Kinder nach Russland verantwortlich zu sein. Damit wird zum ersten Mal der Staatschef eines ständigen Mitgliedslandes des UNO-Sicherheitsrats auf diese Weise gesucht. Auch gegen die russische Präsidialkommissarin für Kinderrechte, Marija Lwowa-Belowa, wird ein Haftbefehl erlassen.

4. April: Finnland wird 31. NATO-Staat

Karte der NATO-Zugehörigkeiten in Europa. Abbildung: San Jose, Wikipedia, gemeinfrei. Angepasst von der Internetredaktion der LpB BW, Stand 4.4.2023.
https://osteuropa.lpb-bw.de/nato-gipfeltreffen#c83 ...
NATO-Mitgliedstaaten in Europa, Stand April 2023. Derzeit (Februar 2024) blockiert nur noch Ungarn die Aufnahme Schwedens in das Bündnis.Karte: Wikipedia/LpB BW

Die NATO nimmt Finnland offiziell als 31. Mitgliedstaat auf. Damit verdoppelt sich die Landgrenze der NATO zu Russland und die Nordflanke des Bündnisses wird deutlich gestärkt. Finnland hat seinen Beitrittsantrag gemeinsam mit Schweden im Mai 2022 eingereicht, kurz nach Kriegsbeginn. Die Aufnahme Schwedens wird jedoch zunächst von der Türkei und Ungarn blockiert.

5. Mai: Prigoschin legt sich mit der Armeespitze an

FILE - In this handout image taken from a video released by Prigozhin Press Service on May 5, 2023, head of Wagner Group Yevgeny Prigozhin reads his statement standing in front of his troops in an unk ...
Prigoschin (M.) droht Verteidigungsminister Schoigu und Generalstabschef Gerassimow: «Für die Zehntausenden von Toten und Verwundeten werden sie vor ihren Müttern und Kindern die Verantwortung tragen.» Bild: keystone

Jewgeni Prigoschin, der Chef der Söldnergruppe Wagner, die die Hauptlast der Kämpfe um Bachmut trägt, verschärft den schon länger schwelenden Konflikt mit der russischen Militärspitze, namentlich mit Verteidigungsminister Sergei Schoigu. In einer Botschaft an die Armeeführung und Präsident Putin droht Prigoschin: «Ich ziehe die Wagner-Einheiten aus Bachmut ab, denn ohne Munition sind sie dem sinnlosen Tod geweiht.»

25. Mai: Russland stationiert Atomwaffen in Belarus

In this photo released by Russian Defense Ministry Press Service on Friday, Feb. 2, 2024, Russian troops load an Iskander missile onto a mobile launcher during drills at an undisclosed location in Rus ...
Taktische Atomwaffen wie diese Iskander-Kurzstreckenrakete weisen eine geringere Reichweite und Wirkungskraft auf als strategische Atomwaffen. Bild: keystone

Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko bestätigt, dass die Verlegung taktischer Atomwaffen von Russland nach Belarus begonnen hat. Dies hatte der russische Präsident Wladimir Putin Ende März angekündigt. Die ehemalige Sowjetrepublik Belarus, die mit Russland verbündet ist, grenzt an die NATO-Staaten Polen, Litauen und Lettland.

9. Juni: Kachowka-Staudamm gesprengt

Tetiana holds her pet dogs, Tsatsa and Chunya, in her home that was flooded after the Kakhovka dam blew up overnight, in Kherson, Ukraine, on June 6, 2023. (AP Photo/Evgeniy Maloletka)
Das Wasser überflutet zahlreiche Ortschaften in der Region. Die Folgen für Wasserversorgung, Landwirtschaft und Ökosysteme sind gravierend. Bild: keystone

Der wichtige Kachowka-Staudamm am Dnipro wird gesprengt. Die Wassermassen überfluten die von Russland besetzte Stadt Nowa Kachowka unmittelbar beim Damm und die Gebiete der Oblast Cherson weiter flussabwärts, darunter auch Teile der Stadt Cherson selbst. Viele Experten glauben, russische Truppen seien für die Sprengung verantwortlich; Moskau dementiert dies.

24. Juni: Prigoschins Truppe meutert

FILE - Members of the Wagner Group military company guard an area standing in front of a tank in a street in Rostov-on-Don, Russia, Saturday, June 24, 2023. Russia?s rebellious mercenary chief Yevgeny ...
Ein Panzer der Söldnertruppe Wagner in Rostow. Der Marsch auf Moskau endet erst 200 Kilometer südlich der russischen Hauptstadt. Bild: keystone

Der Anführer der Söldnergruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, ein erklärter Gegner der Militärführung um Verteidigungsminister Sergei Schoigu, erteilt seinen Truppen den Befehl, militärische Objekte in der südrussischen Stadt Rostow am Don zu besetzen. Während Teile der Söldnergruppe auf Moskau vorrücken, erklärt Präsident Putin in einer Fernsehansprache, die «bewaffnete Meuterei» sei Hochverrat und ein «Dolchstoss in den Rücken». Wer an der Meuterei teilgenommen habe, werde bestraft. Auf Vermittlung des belarussischen Präsidenten Lukaschenko bricht Prigoschin den Marsch auf Moskau ab und erhält dafür Straffreiheit für sich und seine Söldner.

23. August: Prigoschin stirbt bei Flugzeugabsturz

FILE - People carry a body bag away from the wreckage of a crashed private jet, near the village of Kuzhenkino, Tver region, Russia, on Aug. 24, 2023. Mercenary force leader Yevgeny Prigozhin dies exa ...
Das Wrack der abgestürzten Maschine bei Kuschenkino. Prigoschin hat allem Anschein nach seine Meuterei mit dem Leben bezahlt. Bild: keystone

Am 23. August stürzt ein Geschäftsflugzeug der Söldnergruppe Wagner auf dem Flug von Moskau nach St.Petersburg ab, alle zehn Insassen kommen dabei ums Leben. Unter ihnen befinden sich Jewgeni Prigoschin, der Anführer der Gruppe Wagner, und sein Vertrauter Dmitri Utkin. Ursache des Absturzes dürfte eine Explosion an Bord gewesen sein, die vermutlich durch eine Bombe ausgelöst wurde. Laut westlichen Geheimdiensten hat der russische Sicherheitsrat das Attentat angeordnet.

30. August: Drohnen greifen den Flughafen Pskow an

epa10827977 A handout photo made available by the Governor of Russian Pskov region Mikhail Vedernikov Telegram channel shows smoke billowing and explosions light after Russian militaries destroyed dro ...
Feuerschein über Pskow: Etwa 20 mit Sprengstoff bestückte Drohnen greifen den Flughafen nahe der estnischen Grenze an, der auch als Stützpunkt der russischen Luftwaffe dient. Bild: keystone

In der bisher grössten Drohnenattacke auf russisches Gebiet trifft die Ukraine den 660 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernten Flughafen Pskow. Vier Transportmaschinen werden zerstört, ein Tanklager geht in Flammen auf. Auch in den Regionen Brjansk, Rjasan, Kaluga, Orjol und der Region um Moskau fliegen die Ukrainer Drohnenangriffe.

20. September: Selenskyj spricht vor der UNO

Ukranian President Volodymyr Zelenskyy addresses the 78th session of the United Nations General Assembly, Tuesday, Sept. 19, 2023 at United Nations headquarters. (AP Photo/Mary Altaffer)
Seit Kriegsbeginn tritt Selenskyj öffentlich nur noch in Militäruniform auf ­– auch vor der UNO-Vollversammlung.Bild: keystone

Zum ersten Mal seit Beginn der russischen Invasion spricht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj persönlich vor der Generalversammlung der UNO. In seiner Rede fordert er die UNO-Mitgliedstaaten auf, sich gemeinsam gegen die russische Aggression zu stellen. «Es geht nicht nur um die Ukraine», erklärt er. «Wenn Hass als Waffe gegen eine Nation eingesetzt wird, dann hört es nie damit auf.»

Herbst 2023: Drohnen verändern die Kriegsführung

FILE - A Ukrainian soldier launches a drone in the area of the heaviest battles with Russian troops in Bakhmut, Donetsk region, Ukraine, Sunday, April 9, 2023. Ukrainian government is launching a new  ...
Ein ukrainischer Soldat startet eine Drohne. Die Aufklärung mit Drohnen macht dem Gegner den klassischen Bodenangriff mit Panzerformationen nahezu unmöglich. Bild: keystone

Schon seit Beginn des russischen Angriffskriegs spielen Drohnen eine wichtige Rolle. Im Herbst 2023 zeigt der Verlauf der ukrainischen Sommeroffensive deutlich, dass die Drohnen die moderne Kriegsführung stark beeinflussen. Zum einen werden sie als Angriffswaffe eingesetzt, etwa als kleine Kamikazedrohnen, die eine Sprengladung ins Ziel fliegen. Zum anderen führt die Echtzeit-Überwachung durch allgegenwärtige Drohnen zu einem «transparenten Schlachtfeld». Dadurch ist es nahezu unmöglich, Ansammlungen von Truppen und gepanzerten Fahrzeugen vor dem Feind zu verbergen. Sobald solche Ansammlungen entdeckt werden, werden sie sofort massiv beschossen.

Ende November: Ukrainische Sommeroffensive endgültig gescheitert

epa11003554 A handout photo made available by the presidential press service shows Ukrainian President Volodymyr Zelensky (C) taking part in a meeting with commanders at the headquarters of the Defens ...
Präsident Selenskyj im Hauptquartier der ukrainischen Truppen im Frontabschnitt Kupiansk. Die Sommeroffensive der Ukrainer hat nur kleinere Geländegewinne erzielt. Bild: keystone

Die Sommeroffensive der ukrainischen Truppen endet ohne bedeutende Erfolge, die Armee stellt auf Defensive um. Armeechef Walerij Saluschnyj erklärt, der Kampf werde jetzt zu einem «Stellungskrieg», der an den Ersten Weltkrieg erinnere. Den Ukrainern ist es zwar gelungen, im südlichen Abschnitt der Front bei Robotyne die erste russische Verteidigungslinie zu durchbrechen, doch die Russen haben diesen Bereich mit Schützengräben, Panzersperren und Minen besonders schwer befestigt.

2024

8. Februar: Selenskyj ersetzt Armeechef Saluschnyj

epa11139519 A handout picture made available by the Presidential Press Service shows Ukrainian President Volodymyr Zelensky (L) awarding Commander-in-Chief Valerii Zaluzhnyi (R) with the Order of the  ...
Saluschnyj (r.) gilt in der Ukraine als Held und ist in der Armee und in der Bevölkerung beliebt. Bild: keystone

Der ukrainische Präsident Selenskyj setzt Armeechef Walerij Saluschnyj ab. Die Entlassung kommt nicht überraschend, weil das Verhältnis zwischen den beiden unter anderem wegen der gescheiterten Gegenoffensive als angespannt gilt. Saluschnyjs Nachfolger wird der bisherige Kommandant der Landstreitkräfte, Oleksandr Syrskyj. Dieser war als General etwa für die Verteidigung Kiews und später Bachmuts zuständig.

17. Februar: Awdijiwka fällt

This photo taken from video released by Russian Defense Ministry Press Service on Monday, Feb. 19, 2024, shows an aerial view of the Avdiivka Coke and Chemical Plant, eastern Ukraine. Russian forces h ...
Zerstörte Fabriken in Awdijiwka. Die ukrainischen Verteidigungsstellungen in den Ruinen wurden von Gleitbomben zerstört.Bild: keystone

Die Kleinstadt Awdijiwka in der Oblast Donezk ist bereits im März weitgehend zerstört worden. Im Oktober greifen die russischen Truppen die Stadt erneut an. Die ukrainischen Verteidiger sind bei Soldaten und Material dramatisch unterlegen; zu schaffen macht ihnen vornehmlich die russische Luftüberlegenheit. Nach extrem verlustreichen Kämpfen fällt Awdijiwka am 17. Februar – es ist die schlimmste ukrainische Niederlage seit dem Fall Bachmuts im Mai. Anders als Bachmut ist der Eisenbahnknotenpunkt Awdijiwka jedoch strategisch wichtig.

Ende Februar: Ukraine unter Druck

DONETSK OBLAST, UKRAINE - FEBRUARY 11: A Ukrainian soldier next to a tank in the direction of Bakhmut, where clashes between Russia and Ukraine continue to take place, in Donetsk Oblast, Ukraine on Fe ...
Der ukrainischen Armee mangelt es zunehmend an Material und Menschen. Bild: Anadolu

Nach der gescheiterten ukrainischen Sommeroffensive haben die russischen Truppen an allen Abschnitten der Front wieder die Überlegenheit bei Waffen und Munition. Sie rücken an mehreren Stellen langsam vor, allerdings unter erheblichen Verlusten an Menschen und Material. Die ukrainische Armee verfügt zwar über westliche Waffensysteme von hoher Qualität, doch sie leidet zunehmend unter Munitionsmangel. Zudem gelingt es ihr nicht, ausreichend Soldaten zu rekrutieren, sodass die Einheiten an der Front zu wenig Pausen erhalten. Die Unterstützung aus dem Westen scheint zu bröckeln, wozu auch beiträgt, dass im Nahen Osten seit Oktober ein weiterer Krieg tobt. Die Ukraine gerät deshalb im Abnutzungskrieg stets mehr unter Druck.

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The man who shot liberty valance
24.02.2024 12:13registriert September 2020
'Ihr seid unsere wahren Volkshelden', sagte Russlands Präsident Putin in einer Videobotschaft, gerichtet an die Soldaten, die in der Ukraine kämpfen. Sie zeigten ‘Mut bei der Verteidigung Russlands’, so Putin. In seiner Rede stellte der Kremlchef die ‘Spezialoperation' darüber hinaus in eine angebliche Tradition mit dem Kampf gegen den Faschismus im Zweiten Weltkrieg. Ein gängiges, vielfach benutztes Argument in Russland.

Aber hier meinen einige, man müsse verhandeln mit diesem Mistvogel ..
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