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Krieg gegen Russland: Europäer glauben nicht mehr an Sieg der Ukraine

Die Europäerinnen und Europäer sind kriegsmüde.
Die Europäerinnen und Europäer sind kriegsmüde.Bild: Shutterstock

In Europa macht sich Pessimismus breit – nur noch wenige glauben an einen Sieg der Ukraine

21.02.2024, 18:1421.02.2024, 19:11
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Leid, Tod und Zerstörung sind für Ukrainerinnen und Ukrainer seit zwei Jahren bittere Realität – ein Ende des Kriegs ist nicht in Sicht. Doch die Unterstützung der europäischen Länder schwindet. Der Okzident ist kriegsmüde. Das zeigt die neuste Umfrage der Denkfabrik European Council on Foreign Relations (ECFR).

Fast alle Länder sind pessimistisch

Im Verlauf des Ukrainekrieges hat der ECFR verschiedene Studien durchgeführt. Sie dokumentieren, wie sich die Haltung der Europäer gegenüber dem Krieg und mit ihm auch der öffentliche Diskurs über den Krieg verändert hat.

Die erste Reaktion der Europäer war Angst. Gemäss einer Umfrage vom Juni 2022 sprachen sich viele Europäer für eine rasche Beilegung des Konflikts aus, selbst wenn dies bedeuten würde, dass die Ukraine Gebiete abtreten müsste.

Ein Jahr später zeigten Umfragen, dass die Erfolge der ukrainischen Armee und eine Demonstration der Führungsstärke der USA die öffentliche Wahrnehmung in Europa verändert hatten. Im Gegensatz zu vielen Menschen im globalen Süden war eine Mehrheit der Europäer nun bereit, die Ukraine zu unterstützen, bis Kiew sein gesamtes Territorium zurückgewonnen hatte.

Infolge der enttäuschenden Gegenoffensive der Ukraine und der nachlassenden Unterstützung in den westlichen Hauptstädten scheint sich dieser Optimismus zu verflüchtigen.

Die Europäer sind pessimistisch, was den Ausgang des Krieges angeht. Im Durchschnitt glauben nur knapp 10 Prozent der Europäer in den befragten 12 Ländern, dass die Ukraine gewinnen wird. Fast doppelt so viele rechnen mit einem Sieg Russlands. Dieses schwache Vertrauen in die Siegchancen der Ukraine ist in ganz Europa zu beobachten.

Polen, Portugal und Schweden sind die optimistischsten Länder. Aber selbst dort glauben nur rund 17 Prozent der Befragten, dass die Ukraine siegen wird – in Schweden gehen zudem 19 Prozent davon aus, dass Russland gewinnen wird.

Unterstützung hält weiter an

Die Europäer glauben nicht mehr wirklich an einen Sieg der Ukraine – das soll aber nicht heissen, dass sie nicht wollen, dass Europa die Ukraine unterstützen soll.

Die Befragten in drei Ländern – Polen, Portugal und Schweden – sprachen sich eindeutig für die Unterstützung der Ukraine bei der Rückeroberung ihres Territoriums aus. In fünf anderen Ländern – Österreich, Griechenland, Ungarn, Italien und Rumänien – bevorzugen die Menschen eher, dass ihre Regierungen Kiew dazu drängen, eine Einigung zu akzeptieren.

Zudem sind durchschnittlich nur knapp 29 Prozent der Europäer der Meinung, dass die EU im Krieg in der Ukraine eine positive Rolle gespielt hat. 37 Prozent sind der Meinung, dass sie eine negative Rolle gespielt hat.

Ukrainer weiterhin willkommen – Araber nicht

Auch der Gazastreifen wurde im Oktober 2023 zum Kriegsgebiet. Der ECFR hat diese neue Krise ebenfalls in den Umfragebogen aufgenommen und gefragt, als wie bedrohlich die Europäer Migranten aus verschiedenen Weltregionen einstufen.

Migranten aus dem Nahen Osten werden bei vielen befragten Europäern als grosse Bedrohung wahrgenommen, solche aus Afrika werden ebenfalls als bedrohlich erachtet.

Ukrainer hingegen werden in der Regel positiv oder zumindest neutral angesehen, ähnlich wie Menschen aus anderen EU-Mitgliedstaaten.

Ein Drittel der befragten Europäerinnen ist zudem der Meinung, dass der Krieg in der Ukraine eine grössere Auswirkung auf ihr Land und Europa hat, als der Gaza-Krieg. Bezüglich der Zukunft der gesamten Welt denkt die Mehrheit der Befragten, rund 60 Prozent, dass die beiden Kriege einen gleich grossen Einfluss haben werden.

Weniger Solidarität, falls USA Ukraine nicht mehr unterstützt

Im Jahr 2024 stehen zwei Wahlen an, welche die Sicherheitsarchitektur in der Welt weiter verändern könnten: im Juni wählen die Europäer das Europäische Parlament und im November können die US-Amerikaner entscheiden, wer ihr neuer Präsident wird.

Eine Mehrheit der europäischen Wähler wäre enttäuscht, wenn Donald Trump die US-Wahlen im November gewinnt. Selbst in Ungarn – dem mit Abstand Trump-freundlichsten der von ECFR befragten Länder – würden sich nur 28 Prozent der Teilnehmer über eine Rückkehr Trumps freuen.

Aber was wäre, wenn Trump tatsächlich wieder US-Präsident wird und die USA die Ukraine nicht mehr unterstützen würde?

Die Umfrage zeigt, dass die europäischen Bürger nicht in besonders heldenhafter Stimmung sind – die Solidarität würde schrumpfen. Nach einem Rückzug der USA würde nur eine Minderheit der Europäer eine stärkere Unterstützung der Ukraine durch Europa befürworten.

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243 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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El_Chorche
21.02.2024 18:22registriert März 2021
Europa ist also überrascht, dass die Ukraine wegen dem Rumeiern der Europäer den Krieg verliert.

Alles klar 👍
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Donnerherz
21.02.2024 18:26registriert November 2020
Der Pessimismus ist ziemlich fehl am Platz, wenn der Westen schlicht versagt, die Ukraine zu unterstützen. Es hat sich einfach in unseren Köpfen noch nicht festgesetzt, dass wir diesen Krieg nicht vermeiden können. Er wird zu uns kommen, WEIL wir diese Tatsache nicht akzeptieren.
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Hood68
21.02.2024 18:45registriert Dezember 2023
Was wir nicht vergessen dürfen ist das wenn die Ukraine fällt oder Kapituliert werden wir in Europa die Konsequenzen sehr duster.
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