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Fifa: Das ist aus FIFA-Präsident Infantinos Wahlversprechen geworden

Das ist aus Gianni Infantinos Wahlversprechen und Reformwillen geworden

Gianni Infantino ist seit zehn Jahren Fifa-Präsident. Die Kritik am Weltverband ist seither nicht leiser geworden – im Gegenteil. Ist die Kritik berechtigt? Wir schauen auf zehn Jahre Infantino-Ära.
26.02.2026, 13:4826.02.2026, 13:54
Stefan Wyss / ch media

26. Februar 2016. Heute vor zehn Jahren wurde Gianni Infantino Präsident der Fifa. Nach der Ära von Sepp Blatter sollte Infantino den Fussball-Weltverband in eine bessere, ruhigere, transparentere und demokratischere Zukunft führen. Er schien der richtige Mann dafür. Der damals 45-jährige Infantino, zuvor Uefa-Generalsekretär, nannte sich in einem Interview «demütig und geerdet» und sagte: «Das Geheimnis ist immer, selber zu wissen, woher man kommt und was man macht. Und wir machen Fussball.» Diese Zeitung bezeichnete den Walliser mit italienischen Wurzeln in einem Kommentar sogar als «jovialen Secondo».

JAHRESRUECKBLICK 2016 - SPORT - Gianni Infantino, the new FIFA President, of Switzerland, reacts after his election during the Extraordinary FIFA Congress 2016 held at the Hallenstadion in Zurich, Swi ...
Gianni Infantino am 26. Februar 2016 im Zürcher Hallenstadion nach der Wahl zum Fifa-Präsidenten.Bild: KEYSTONE

Knapp zehn Jahre später, am 5. Dezember 2025, überreichte Infantino während der Auslosung der WM-Gruppen in Washington dem US-Präsidenten Donald Trump einen Friedenspreis. Jetzt schrieb diese Zeitung: «Gianni Infantino begibt sich mit der Anbiederung an Trump nochmals einen Schritt weiter in Teufels Küche.» Ist Infantino auf seinem Weg irgendwann falsch abgebogen? Oder hat er alle getäuscht und bloss umgesetzt, was er schon immer vorhatte?

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, lohnt sich ein Rückblick auf die Tage Ende Februar 2016 in Zürich. Es war Freitagabend im Hallenstadion, als der frisch gewählte Fifa-Präsident Gianni Infantino vor den Fifa-Kongress trat, vor die 207 Delegierten, welche ihn zur Mehrheit soeben gewählt hatten. Er, der Sprachgewandte, war fast sprachlos. Er könne seine Emotionen kaum ausdrücken, sagte er. Und immer wieder: «Uff!»

Forsche Töne im Fifa-Museum

Am gleichen Tag hatte der Kongress nicht nur den Präsidenten gewählt, sondern auch ein Reformpaket verabschiedet. Ein zentraler Punkt: die Beschneidung der Macht des Präsidenten. Er soll nicht mehr Sonnenkönig sein wie Sepp Blatter vor ihm, sondern bloss noch Vorsitzender des Fifa-Rats. Mehr beraten und repräsentieren, weniger regieren.

Einen Tag später eröffnete Infantino beim Bahnhof Zürich-Enge das Fifa-Museum und sprach zu den Weltmedien. Und schnell wurden aus Demut und «Uff!» kernige Sätze. Etwa: «Ich glaube nicht, dass ich vom Fifa-Kongress gewählt wurde, um Botschafter zu sein. Ich bin gewählt worden, um Leader zu sein, um der neue Leader der Fifa zu sein.» Innerhalb von weniger als 24 Stunden zeigte sich: Infantino war ein Wolf im Schafspelz gewesen.

FILE - FIFA President Gianni Infantino, right, awards President Donald Trump with the FIFA Peace Prize during the draw for the 2026 soccer World Cup at the Kennedy Center in Washington, Friday, Dec. 5 ...
Friedenspreis für Donald Trump: Gianni Infantino und der US-Präsident bei der WM-Auslosung am 5. Dezember 2025 in Washington.Bild: keystone

Im Wahlkampf hatte er sich «Good Governance» auf die Fahne geschrieben. Wer auf Eigenschaften wie Transparenz oder Rechenschaftspflicht hoffte, wurde enttäuscht. Schon im ersten Jahr boxte Infantino im Kongress durch, dass der Fifa-Rat, dessen Vorsitzender eben er ist, alle Mitglieder der Audit- und Compliance-Kommission, der Ethikkommission, der Disziplinarkommission und der Governance-Kommission würde bestimmen und entlassen können.

In der Tat wurde vor dem Fifa-Kongress 2017 den Chefs der Ethikkommission, dem Chefermittler Cornel Borbély und dem Richter Hans-Joachim Eckert, ohne Angabe von Gründen mitgeteilt, dass sie nicht mehr zur Wiederwahl nominiert wurden. Seither steht die neu besetzte Ethikkommission unter dem Verdacht der Einflussnahme durch die Fifa-Spitze. Von wegen unabhängige Gremien. Von wegen Check and Balances.

Infantino ist bestimmt kein Reformist

Und andere Punkte der Reformen? Hebelte Infantino nach und nach aus. Etwa diesen: Nach den skandalträchtigen Vergaben der WM-Endrunden an Russland (2018) und Katar (2022) unter Blatter sollten die WM-Austragungsländer nicht mehr im Rahmen von Doppelvergaben gewählt werden. Ausserdem sollten diese Entscheide vom ganzen Kongress gefällt werden und nicht mehr von einem kleinen Zirkel wie dem früheren Exekutivkomitee.

epa12730363 FIFA President Gianni Infantino delivers a speech during the 50th UEFA Ordinary Congress in Brussels, Belgium, 12 February 2026. EPA/CHRISTOPHER NEUNDORF
FIFA Präsident Gianni Infantino am 50. UEFA Kongress.Bild: keystone

Das macht die WM-Vergabe demokratischer. Aber: Vor knapp zwei Jahren brachte Infantino im Kongress eine Statutenänderung durch, wonach der Fifa-Rat bei Bedarf beschliessen darf, dass doch zwei WM-Endrunden beim gleichen Kongress vergeben werden können.

Das war an sich noch keine Abkehr von einem demokratischen Prozess. Doch es war insofern ein statutarischer Winkelzug, weil er letztlich darauf ausgelegt war, die WM 2034 an Saudi-Arabien zu vergeben. Denn die Endrunden 2030 und 2034 wurden nun am gleichen Tag vergeben, am 11. Dezember 2024. Das machte den Weg frei für Saudi-Arabien, das aufgrund des zügigen Vergabeprozesses, nämlich ganze zehn Jahre vor dem WM-Termin, einziger Bewerber war.

FILE - Saudi Arabia Crown Prince Mohammed bin Salman, left, FIFA President Gianni Infantino, center, and Russian President Vladimir Putin stand for the anthem prior to the match between Russia and Sau ...
Gianni Infantino zeigt sich gerne mit den Mächtigen: Der Fifa-Präsident anlässlich des WM-Eröffnungsspiels 2018 mit Saudi-Arabiens Prinz Mohammed bin Salman und Russlands Präsident Vladimir Putin. (Moskau, 14. Juni 2018)Bild: keystone

Apropos einziger Bewerber. Kennen Sie Mattias Grafström? Wahrscheinlich nicht. Er ist seit etwas mehr als zwei Jahren Generalsekretär der Fifa und sollte gemäss den Reformen von 2016 eigentlich der starke Mann sein im Weltverband. Eben jene Position bekleiden, welche das Alltagsgeschäft bestimmt, während der Chef, also Infantino, eher präsidial repräsentiert.

Nun, Grafström folgte im Herbst 2023 auf Fatma Samoura, welche nach Infantinos Wahl sieben Jahre lang Generalsekretärin war. Sie hatte eher wenig Ahnung vom Fussball, agierte im Hintergrund. Grafström war ihr Vize. Infantino und er kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei der Uefa. Er ist ein Generalsekretär von Infantinos Gnaden.

Infantino hielt Wort: mehr WM-Teilnehmer, mehr Geld

Reformen, Good Governance, WM-Vergabe, Generalsekretär. Viele Erwartungen hat Infantino nach seiner Wahl nicht erfüllt. Aber es gibt auch den anderen Infantino. Derjenige, der durchaus Wort gehalten hat. Der umgesetzt hat, was er im Vorfeld seiner Wahl vor zehn Jahren angepriesen hatte.

Gianni Infantino invoque une forte demande pour juger les tarifs exorbitants des billets pour la prochaine Coupe du monde.
Infantino ist seit dem Jahr 2016 Präsident der FIFA.Bild: fxp-fr-sda-rtp

Zwei zentrale Wahlversprechen gab er damals ab. Die Vergrösserung des Teilnehmerfelds der WM-Endrunde. Von 32 auf 40, davon redete er zunächst. Es wurde schliesslich schon ein Jahr nach seiner Wahl beschlossen, dass ab 2026 48 Teams bei der WM teilnehmen. Auch die Teilnehmerzahl der Frauen-WM stieg unter Infantino an. Von 24 auf 32.

Ob Männer oder Frauen: Infantinos Gleichung ist einfach. Mehr Spiele, mehr Geld. Und damit zum zweiten grossen Wahlversprechen, den Geldern an die Verbände. Es war damals in Zürich das schlagendste Argument. Unter Infantino steigerte die Fifa ihre Umsätze in den Vierjahresperioden von rund 5 Milliarden Dollar auf 7,6 Milliarden für den Zeitraum von 2019 bis 2022 – trotz Corona-Pandemie. Für den aktuellen Zyklus 2023 bis 2026 sind rund 11 Milliarden budgetiert.

Rund 90 Prozent des Umsatzes werden unter Infantino in den Fussball reinvestiert. In die Infrastruktur, in die Nachwuchs- und Frauenförderung. Der Schweizerische Fussball-Verband erhielt von der Fifa für den Zyklus 2019 bis 2022 acht Millionen Franken. Das waren zwei Millionen mehr als zuvor. Tendenz steigend.

Mehr WM-Teilnehmer, mehr Geld, weniger Demokratie. Das passt nur wenigen in der Fussball-Welt nicht. Namentlich den Nord- und Westeuropäern. Und deshalb sitzt Infantino so fest im Sattel, dass er 2019 und 2023 ohne Gegenkandidat im Amt bestätigt wurde. Im nächsten Jahr wird es nicht anders sein. Infantino wird dann seine Jahre 12 bis 15 im Amt antreten.

Und was ist mit der statutarisch festgelegten Amtszeitbeschränkung auf drei Mal vier Jahre? Die greift bei Infantino noch nicht, weil er von 2016 bis 2019 «nur» die Amtszeit von Sepp Blatter beendet hatte. So wurde das einst beschlossen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. (aargauerzeitung.ch)

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42 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Triumvir
26.02.2026 13:56registriert Dezember 2014
Ich bekomme jedes mal Brechreiz, wenn ich ihn irgendwo sehe. Er ist schlicht eine Schande für die Schweiz.
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Therealmonti
26.02.2026 14:13registriert April 2016
Einer wie Trump. Null Schamgefühl. Null Skrupel. Bloss die Gier nach Macht und Geld. Eine Schande für die Schweiz.
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Martin Baumgartner
26.02.2026 14:03registriert Juni 2022
« La FIFA, c'est moi » Gianni Infantino Motto für die nächsten 10 Jahre!

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