Droht Gianni Infantino Ungemach? IOC will Verbindung zu Donald Trump prüfen
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will sich mit der Rede von FIFA-Präsident Gianni Infantino bei der ersten Sitzung des umstrittenen Friedensrats von US-Präsident Donald Trump befassen. «Wir werden uns das anschauen und zur angeblichen Unterzeichnung von Dokumenten recherchieren», sagte IOC-Präsidentin Kirsty Coventry bei einer Pressekonferenz an den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina.
Infantino hatte am Donnerstag eine «echte Partnerschaft» zwischen dem Weltfussballverband FIFA und dem Friedensrat verkündet. «Jeder muss den Frieden unterstützen», sagte der Schweizer in Washington. Dabei wolle auch die FIFA helfen. Coventry hatte dies scheinbar nicht mitbekommen. Deshalb wollte sie zu dem Thema vorerst «nicht viel sagen». «Nun, da ihr uns darauf aufmerksam gemacht habt, werden wir uns das genauer ansehen», erklärte die 42-Jährige.
Coventry betonte: «Die olympische Charta ist sehr klar, was von den Mitgliedern erwartet wird.» Alle Mitglieder des IOC, zu denen auch Infantino zählt, sind durch einen Eid verpflichtet, «stets unabhängig von politischen Interessen zu handeln». Ob Infantinos Teilnahme am Friedensrat und das Aufsetzen einer Donald-Trump-Mütze dem entspricht, soll nun untersucht werden.
Die IOC-Präsidentin erklärte, dass ihre Organisation sich weiter politisch neutral verhalten werde. «Ich denke, das ist der einzige Weg für uns als Organisation, Fairness an den Wettkampfstätten zu ermöglichen», so Coventry.
Während der laufenden Olympischen Spiele sorgte der Entscheid des IOC für Kopfschütteln, den ukrainischen Skeletoni Wladislaw Heraskewytsch nicht starten zu lassen, weil dieser einen Helm mit Porträts von Athletinnen und Athleten, die im russischen Angriffskrieg getötet wurden, tragen wollte. Die Verantwortlichen beriefen sich auch dort auf die olympische Charta, die politische Propaganda verbietet. Der Entscheid wurde von vielen Seiten kritisiert.
Infantinos Nähe zu Trump ist nicht neu. So verlieh der 55-jährige Walliser dem US-Präsidenten im Dezember den neu geschaffenen FIFA-Friedenspreis. Er zeigt sich auch sonst häufig mit dem Republikaner, zuletzt eben bei der Sitzung des Friedensrats. Trump hat diesen selbst gegründet, um unter anderem den Konflikt zwischen der Hamas und Israel im Gazastreifen zu lösen. Das Gremium wird auch wegen der Besetzung durch ausschliesslich Trump-nahe Männer kritisch gesehen. (nih)
