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Zodiac Killer: Diese Netflix-Dok bringt neue Beweise ans Licht

Arthur Leigh Allen gilt als Hauptverdächtiger im Fall Zodiac Killer.
Arthur Leigh Allen gilt als Hauptverdächtiger im Fall Zodiac-Killer.Bild: netflix

Diese Netflix-Serie entfacht die Debatte um den Zodiac-Killer neu

Der Zodiac-Killer trieb in den 60er- und 70er-Jahren sein Unwesen in den USA. Bis heute wurde seine Identität nicht aufgedeckt. Eine neue Netflix-Doku bietet einen bisher unbekannten Zugang zum Hauptverdächtigen Arthur Leigh Allen.
30.10.2024, 05:07
Sven Papaux / watson.ch/fr
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Der Zodiac-Killer ist einer der berühmtesten Serienmörder in der Geschichte der USA. Fünf Morde können ihm nachgewiesen werden, er selbst behauptet, zwischen 1966 und 1978 37 Morde begangen zu haben. Es ist einer dieser Cold Cases, die 60 Jahre später noch immer für Schweissperlen auf der Stirn sorgen und für Behörden und Ermittler zur Besessenheit wird. Das «Besondere» am Zodiac-Killer war, dass er mit kryptischen Nachrichten mit denjenigen, die ihn verfolgten, spielte.

Der Zodiac Killer mit seinem Emblem auf der Brust.
Der Zodiac-Killer mit seinem Emblem auf der Brust.Bild: netflix

Der Zodiac hatte seine Anfänge in den späten 1960er-Jahren. Die Ermittlungen der Polizei ergaben einen Verdächtigen: Arthur Leigh Allen. Die Behörden waren jedoch nie in der Lage, stichhaltige Beweise zu sammeln, um ihn ins Gefängnis zu bringen. Im August 1992 starb Allen.

Keine Beweise. Nichts. Allen nimmt seine Geheimnisse mit ins Grab. Bei ihm wird allerdings ein handgeschriebener Brief gefunden, auf dem steht, dass er nicht der Zodiac-Killer sei.

Doch die neue Netflix-Doku «This is the Zodiac Speaking» wirbelt wieder frischen Wind auf. In der dreiteiligen Dokumentation kommt die Familie Seawater zu Wort. Diese stand der Allen-Familie lange sehr nahe. David und Connie Seawater berichten von ihren Eskapaden mit «Herr Allen», von Autofahrten und gemeinsamen Aktivitäten.

Hände voller Blut

Arthur Leigh Allen war ein beliebter Lehrer, der dafür bekannt war, im Unterricht zu Musik wie Tom Dooley vom Kingston Trio und dem Soundtrack von der Operette «Der Mikado» von Gilbert und Sullivan zu tanzen und zu singen.

Der Mann mit der imposanten Statur schien hinter seiner Gutmütigkeit ein doppeltes Spiel zu spielen. Allen war kein Musterknabe, besonders nicht im Umgang mit den Seawater-Kindern. Später erfahren wir, dass er sie als Kinder unter Drogen gesetzt hat.

Connie Seawater, Arthur Leigh Allen und Phyllis Seawater.
Connie Seawater, Arthur Leigh Allen und Phyllis Seawater.Bild: netflix

Connie durchlebt in der Doku alte Erinnerungen, wie die an Allens blutverschmierte Hände an einem Tag im Jahr 1963 am Strand von Tajiguas in Kalifornien. Die Kinder spielten alleine und warteten auf Allen. Dieser tauchte plötzlich auf und wollte den Ort sofort verlassen. Später wurden in der Gegend die Leichen von Robert Domingos und Linda Edwards gefunden. Alte Erinnerungen prallen aufeinander und lassen Connie sagen, dass dieser Doppelmord das Werk des ehemaligen Lehrers sein könnte.

Die drei Episoden stellen eine Fülle von Indizien zusammen und geben den Ermittlern und insbesondere Robert Graysmith, dem Autor des Buches «Zodiac», das David Finchers Film inspiriert hat, Recht mit ihren vielen Fragen. Der pensionierte Pressezeichner tritt in der Dokumentation auf und verteidigt energisch seine Version.

Denn seine Schilderung hält sich hartnäckig, vor allem seit den Interventionen der Seawaters. Diejenigen, die Allen für den Zodiac-Killer halten, weisen darauf hin, dass die Morde des berühmten Serienmörders aufhörten, als er 1974 wegen Pädophilie verhaftet wurde. Allen verbrachte drei Jahre im Gefängnis und dann fünf Jahre bis 1982 auf Bewährung.

Das Geständnis in 1992?

Die Serie erlebt einen Höhepunkt, als David, der älteste Sohn der Seawaters, zum Telefon greift, um sich nach Allen zu erkundigen, der gesundheitlich angeschlagen ist. Am anderen Ende der Leitung hört David die Beichte eines Mannes, der am Ende ist und ihm gesteht, dass er seine Schwester Connie missbraucht hat. David ist fassungslos und stellt dem Mann die entscheidende Frage:

«Herr Allen, sind Sie der Zodiac-Killer?»
David Seawater im Gespräch mit Arthur Leigh Allen.

Nach Totenstille und einem Schluchzen folgt ein gewaltiger Moment in der Dokumentation, ein Höhepunkt der Aufregung (für den Zuschauer, dem das Herz bis zum Hals schlägt), als David versichert, dass «Herr Allen» ihm bestätigt, dass er der Zodiac ist. Schock!

Warum haben sie so lange gewartet, warum haben sie den Ermittlern nichts gesagt? David versichert, dass er die Behörden informiert habe, aber gegen eine Mauer gestossen sei: «[Die Polizei] kann nichts tun».

David Fincher kehrt zu den Dämonen der Vergangenheit zurück

Dann wendet er sich an seinen Bruder und seine Schwester, was zu einer Spaltung der Familie führt. Ein Streit, der bis zur Veröffentlichung des Films «Zodiac» (2007) von David Fincher andauern wird. Ein Film, der alte Dämonen erweckte, aber dafür sorgte, dass die Seawater-Familie wieder zusammenkam.

Beim Schauen des Films fühlte sich Connie unwohl:

«Es gab so viele Dinge in diesem Film, die vertraut und beängstigend waren.»

Alle Orte, an denen die Morde begangen wurden, haben eine Verbindung: David und Connie haben mit Allen all diese Orte besucht.

Und der Jüngste der Geschwister, Don Seawater, sagt:

«Es sind zu viele vertraute Dinge, um ein Zufall zu sein.»

Hinter diesen jahrelang verborgenen Geheimnissen steht eine Mutter, die sich in Schweigen gehüllt hat. Eine Matriarchin, die jeden Dialog verweigerte. Sie stand Allen nahe und wurde von ihren Kindern verdächtigt, mit dem mutmasslichen Zodiac-Killer unter einer Decke zu stecken.

Das Geheimnis um die wahre Identität des Mörders: Ist es gelüftet? Netflix erinnert uns daran, dass die Untersuchungen bis heute laufen.

«This is the Zodiac Speaking» ist aktuell auf Netflix verfügbar.

Trailer:

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17 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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In vino veritas
30.10.2024 06:51registriert August 2018
Könnte, hätte, sollte und wie man es mitlerweile von Netflix gewohnt ist wird das wahrscheinlich sehr einseitig produziert werden und man geht auf entlastende Beweise nicht ein. Und das war doch alles schon bekannt, oder täusche ich mich da?
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