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Disney unterstützt Anti-LGBTQI*-Politiker bei «Don't Say Gay»-Gesetz

LONDON, UK - July 6th 2019: Disnry Micky Mouse icon with gay rainbow flag design at the annual gay pride march in central London
Regenbogen-Micky-Maus-Figuren an der London Pride in 2019.Bild: shutterstock

Betreibt Disney «Rainbow Washing»? Mitarbeitende erheben schwere Vorwürfe

Disney unterstützt eine homophobe Gesetzesvorlage in Florida mit mehreren hunderttausend Dollar an Spenden. Nun werden die Mitarbeitenden des Mauskonzerns laut.
16.03.2022, 19:0917.03.2022, 12:44
Corina Mühle
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Im offiziellen Merchandise-Shop verkauft Disney Marvel-Pins in Regenbogenfarben und Mickey Mouse Pins in den Farben der Lesben-, Trans- und Bi-Flaggen. Auch T-Shirts, Handyhüllen, Rucksäcke, Funko Pop! Figuren und Schmuck gibt es für queere Disney-Fans und Allies. Disney ist ausserdem jedes Jahr Gastgeber der sogenannten «Gay Days» im Disney-Land in Orlando, was über 150'000 Leute anzieht. Der US-Konzern integriert immer mehr queere Charaktere in seinen Filmen und Serien; die LGBTQI*-Community freut sich über Repräsentation in Mainstream-Medien. Disney profitiert also ganz klar von seiner LGBTQI*-Fangemeinschaft.

Nun häufen sich aber die Anschuldigungen gegen den Mauskonzern, dass er nicht so queer-freundlich ist, wie er vorgibt.

Letzte Woche wurde in Florida ein neues queer-feindliches Gesetz mit 22 zu 17 Stimmen verabschiedet, welches Lehrpersonen verbieten soll, die Schülerinnen und Schüler über alles ausser heteronormativen Sex und Beziehungen aufzuklären. Der Gesetzesvorschlag «Don't Say Gay» (Deutsch: «Sag nicht schwul») ist nur noch ein Schritt davon entfernt, ins Gesetz aufgenommen zu werden.

Was ist das «Don't Say Gay»-Gesetz?
Das Gesetz verbietet Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen in der Schule über LGBTQI*-Themen zu sprechen. Verschiedene sexuelle Orientierungen und Geschlechteridentitäten dürfen nicht diskutiert werden. So darf eine Lehrperson einem Kind nicht erklären, wofür die Regenbogen-Flagge steht. Das Gesetz umfasst den Kindergarten bis und mit der dritten Klasse.
Der Gesetzentwurf sieht ausserdem vor, dass jeder Lehrplan, der diese Themen mit älteren Schülerinnen und Schülern behandelt, als «alters- oder entwicklungsgerecht» eingestuft werden muss. Eltern, die damit nicht einverstanden sind, können ihre Schulbezirke auf Schadenersatz verklagen.

Nun wurde bekannt, dass Disney sämtliche Politiker, die hinter dem «Don't Say Gay»-Gesetz stehen und sich dafür einsetzen, finanziell unterstützt hat. Mit einer Summe bis zu 300'000 Dollar, verteilt auf 68 Politiker.

Reaktionen darauf waren Proteste vor dem Disneyland in Florida.

Aber auch Schülerinnen und Schüler protestierten gegen das Gesetz.

@meidastouch Students in Winter Park, Florida are currently staging a MASSIVE walkout to protest the heinous GOP 'Don't Say Gay' bill. Video shot by @Will Larkins. #Florida #DontSayGay #SayGay ♬ original sound - MeidasTouch.com
@annaforflorida These are a part of my remarks from today’s Orlando Rally For Our Collective Rights. TY to event organizers— see full remarks at our IG. #DontSayGay ♬ original sound - annaforflorida

Die Blicke richteten sich auf Bob Chapek, CEO von Disney, in der Hoffnung, dass dieser Rechenschaft zu den queer-feindlichen Anschuldigungen über die geleisteten politischen Spenden ablegt. Dieser weigerte sich zuerst, ein öffentliches Statement abzulegen, sagte danach in einem E-Mail, dass Disney als Unternehmen momentan mehr erzielen könne, wenn sie weiterhin «inspirierende Inhalte» produzieren. Chapek schrieb in der Mail, dass er die Mitarbeitenden, die zur LGBTQ*-Community gehören, unterstütze. Das «Don't Say Gay»-Gesetz sei «nur» ein Gesetz in einem Staat.

Disney distanzierte sich weder von dem Gesetzesvorschlag, noch von den Politikern, die dahinter stehen.

Obwohl Chapek dann noch darauf bestand, dass Disney 5 Millionen Dollar an die Human Rights Campaign (HRC) und andere Organisationen spenden wolle, die sich für die Rechte von Queers einsetzen, sagte HRC, dass sie das Geld erst dann haben wolle, «wenn wir sehen, dass [Disney] auf seinem öffentlichen Engagement aufbaut und mit LGBTQ+-Befürwortern zusammenarbeitet, um sicherzustellen, dass gefährliche Vorschläge wie Floridas Gesetzentwurf ‹Don't Say Gay› nicht zu gefährlichen Gesetzen werden». Das berichtet das Magazin The Verge.

Viele Mitarbeitende sind mit der aktuellen Situation nicht zufrieden und organisierten einen Walkout und erstellten die Webseite WhereIsChapek.com. In einem offenen Brief, der auf der Webseite zu lesen ist, schreiben sie, dass sie die Entschuldigung von Chapek zwar schätzen, diese Schritte aber nicht genug seien, damit sich queere Mitarbeitende im Unternehmen wohlfühlen. Im Brief steht:

«Diese Aussagen zeigen, dass die Verantwortlichen immer noch nicht wirklich verstehen, welche Auswirkungen diese Gesetzgebung nicht nur auf die Cast-Mitglieder im Bundesstaat Florida, sondern auf alle Mitglieder der LGBTQIA+-Gemeinschaft im Unternehmen und darüber hinaus hat.»

Anstatt nur mehr Repräsentation – wie Disney verspricht – fordern die Organisatorinnen und Organisatoren hinter WhereIsChapek.com mehrere Verpflichtungen seitens The Walt Disney Company.

Forderungen:

  • Eine Pausierung der politischen Spenden ist nicht genug. Disney muss sofort und auf unbestimmte Zeit alle Wahlkampfspenden an diejenigen Politiker einstellen, die an der Ausarbeitung oder Verabschiedung des «Don't say gay»-Gesetzes beteiligt sind.
  • Disney muss sich öffentlich dazu verpflichten, Mitarbeitende vor hasserfüllten Gesetzen zu schützen.
  • Disney muss sich dazu verpflichten, Mitarbeitende, die der LGBTQ*-Community angehören, zu schützen und für sie einzutreten, selbst wenn dies mit politischen Risiken verbunden ist.
  • Disney muss Verantwortung für die Untätigkeit beim Schutz der LGBTQ*-Community übernehmen und erhebliche Beiträge an Organisationen wie The Travor Project spenden, um unser Vertrauen in die Inklusions- und Gleichstellungsbemühungen des Unternehmens wieder herzustellen.
  • Disney soll darlegen, wie die Inhalte erweitert werden, um queere Menschen zu repräsentieren. Dazu gehört die Einbeziehung der LGBTQ*-Community bei der Erstellung von Inhalten.
  • Disney muss sich verpflichten, eine LGBTQ*-Marke zu schaffen, die sich auf unterrepräsentierte Stimmen konzentriert.

Disney hat noch nicht auf diese Forderungen reagiert.

Queere Szenen werden gezielt rausgeschnitten

Nach dem Mail von Chapek haben Pixar-Mitarbeitende einen Brief an die Leitung von Disney geschrieben. Denn ihrer Meinung nach erzählt Disney nicht die diversen Storys, die sie versprechen. Die Mitarbeitenden beschuldigen Disney, dass «praktisch jeder Moment offenkundiger schwuler Zuneigung auf Geheiss von Disney geschnitten wird, auch wenn sich Mitglieder des Kreativteams und Führungskräfte von Pixar dafür einsetzen, dass dies nicht geschieht». Weiter schreiben sie:

«Die laufenden Versuche, die LGBTQIA+-Gemeinschaft mit einer unterdurchschnittlichen Darstellung in den produzierten Inhalten und Spenden an wohlmeinende Organisationen zu beschwichtigen, reichen einfach nicht aus.»

Auch auf diesen Brief kam noch keine Reaktion von Disney.

Dana Terrace, die Schöpferin von «The Owl House» – einer animierten Serie auf dem Disney Channel, die etliche queere Charaktere enthält – twitterte: «Ich bin es verdammt nochmal leid, Disney gut aussehen zu lassen». Terrace kritisierte in einem Video CEO Chapek und organisierte einen Charity-Stream, um Spenden für LGBTQ*-Organisationen zu sammeln. Nach eigenen Angaben kamen 70'000 Dollar zusammen.

Der ehemalige CEO von Disney – Bob Iger – sprach sich öffentlich gegen das «Don't Say Gay»-Gesetz aus. Auch US-Präsident Joe Biden stellt sich dagegen:

Ich möchte, dass jedes Mitglied der LGBTQI+-Gemeinschaft – vor allem die Kinder, die von diesem hasserfüllten Gesetz betroffen sein werden – weiss, dass es geliebt und akzeptiert wird, so wie es ist. Ich stehe hinter euch, und meine Verwaltung wird weiterhin für den Schutz und die Sicherheit kämpfen, die ihr verdient.
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89 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Donny Drumpf
16.03.2022 19:42registriert November 2019
Unternehmen geben sich queer um Geld zu verdienen?
Putin ändert Kriegstaktik – An der Front geht jetzt die Munition aus\nEinfach nur traurig. Die EU wird zurzeit von der Ukraine verteidigt. Nach der Ukraine wird Putin wahrscheinlich immer weiter in ...
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Unicron
16.03.2022 20:00registriert November 2016
Wtf, das Gesetz ist ja nur noch einen Schritt vom Zustand in Russland entfernt. Dort ist es zwar nicht verboten homosexuell, aber wenn man sich öffentlich dazu bekennt wird man einfach "zum Schutz der Kinder" eingesperrt.
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Hakuna!Matata
17.03.2022 03:32registriert Juni 2019
Das passiert, wenn Rechts-Aussen Parteien alleinige Macht haben. SVP, AfD, usw. würden das Gleiche tun wenn sie könnten, da habe ich keine Zweifel.
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